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Gründer, kauft euren Mitarbeitern Fahrräder!

Mit Dieselverboten ist es nicht getan. Erst müssen Anreize geschaffen werden, dass man in der Stadt nicht mit dem Auto fährt. Das Rad bietet nicht nur Steuervorteile.

Wer sich in Deutschland fürs Fahrrad als Alternative zum Auto einsetzt, hat es nicht leicht – vor allem in Wirtschaftskreisen. So geschehen mit Winfried Hermann (Grüne), Verkehrsminister von Baden-Württemberg. Als bekennender Fahrradfahrer hat er Feinstaubproblem sehr ernst genommen und mit der erwirkten Verbannung der Fahrzeuge aus der Stuttgarter Innenstadt die Debatte erneut befeuert.

Die einen argumentieren fleißig gegen die vermeintliche Feinstaubbelastungsverschwörung, die anderen halten rigoros am Umweltschutz fest, ohne die ökonomischen Nebeneffekte zu berücksichtigen. Der Streit dreht sich nun wieder ausschließlich um Pro und Contra Diesel, statt um Anreize, die das Problem lösen. Dabei sind sich alle in einer Sache einig: Wir wollen in sauberen Städten leben und den Verkehrskollaps verhindern.

Fangen wir im kleinen Maßstab mit der Veränderung unserer Mobilitätsgewohnheit an, statt gleich alle Dieselfahrzeuge zu dämonisieren oder grüne Politik zur Wirtschaftsbremse zu erklären. Seit Jahrzehnten setzen Firmen auf die steuerliche Begünstigung von Diesel-Dienstfahrzeugen. Manch einer, der die Abschaffung der Subvention fordert, scheint nicht zu wissen oder zu ignorieren, dass auch Dienstfahrräder, darunter elektrisch betriebene Pedelecs, seit einigen Jahren steuerlich begünstigt werden. Dabei sind die Anschaffungskosten von Rädern beziehungsweise deren Leasing vergleichsweise günstig. Bei einem Leasing-Vertrag fallen für das Unternehmen kaum Mehrkosten an. Mitarbeiter können ihr Fahrrad nach vertraglicher Absprache auch privat nutzen und nach Ablauf des Leasingvertrags günstig übernehmen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) schätzt, dass derzeit rund 200.000 Dienstfahrräder im Einsatz sind. Das ist noch reichlich Luft nach oben. Während viele Mittelstandsunternehmen und Konzernchefs ihre Mitarbeiter noch immer mit Dienstwagen locken, können Startups mit einem kleinen Budget ihren Mitarbeitern nicht nur einen Mehrwert bieten, sondern auch als gutes Beispiel vorangehen. Zumal sich die meisten Startups in Städten tummeln, in denen man mit dem Auto im Verkehr bedeutend langsamer voran kommt als mit dem Rad, wie unterschiedliche Tests zeigen. Das Startup Bicicli bietet beispielsweise einen Fahrrad-Flottenservice mit Leasingmodellen für Unternehmen an.

Vorbild sein und sich von den Großen kopieren lassen

Nachdem Noch-Daimler-Boss Dieter Zetsche 2016 verkündete, dass bald im Konzern wie in einem Startup gearbeitet werde, bleibt zu hoffen, dass der künftige Chef dies auch umsetzt. Bei der Daimler-Tochter Moovel wurde zumindest schon mal der Dienstwagen abgeschafft. Und zwar nicht als Einsparmaßnahme, sondern weil die Mitarbeiter ein Mobilitäts-Budget verlangt haben, das auch ÖPNV und Leihräder umfasst, sagte Moovel-Chefin Daniela Gerd tom Markotten im Sommer 2018 gegenüber Gründerszene und NGIN Mobility.

Anstatt mit Verboten die Wirtschaftstreibern vor den Kopf zu stoßen, müssen die Unternehmen selbst erst einmal Anreize schaffen, damit zumindest Stadtbewohner freiwillig ihr Fahrzeug an der Stadtgrenze stehen lassen oder gar nicht mehr benutzen wollen. Ein Fahrrad oder Pedelec, gesponsert (und abgesetzt) vom Chef würde schon mal den Anfang machen.

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Marco Weimer vertritt an dieser Stelle Don Dahlmann, der normalerweise die Montagskolumne Drehmoment schreibt.

Bild: Getty Images / Westend61

 

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