Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Wo bleibt die Startup-Mentalität in der Autobranche?

Die IAA 2019 zeigt zwar viele neue E-Autos, aber man hat nicht das Gefühl, dass die Industrie schon ihren Weg gefunden hat.

Zum ersten Mal in der Geschichte der IAA dominieren Elektroautos die Stände der großen Autohersteller. Ebenso erwähnenswert ist, dass Google in diesem Jahr massiv Veranstaltungen auf der IAA sponsert und Microsoft mit einem großen Stand vertreten ist. Das zeigt, dass sich die Branche wandelt. Aber wie ernst ist der Wandel und wie tiefgreifend ist er angelegt?

Elektromobilität im Vordergrund

An neuen E-Autos herrschte auf der IAA kein Mangel. Audi, BMW, Byton, Honda, Daimler und VW dominierten mit ihren neuen Gefährten die Messe. Der ID.3 von VW gewann die Schlacht um die Aufmerksamkeit, auch wenn das Auto erst im Sommer 2020 bei den Händlern erscheinen wird. BMW hat mit dem i3 ein weiterhin gutes Fahrzeug auf dem Markt und der neue E-Mini bricht laut eigener Aussage Vorverkaufsrekorde.

Aber dem Hersteller aus München fehlt weiter eine Familienlimousine in der Mittelklasse und diese wird auch so schnell nicht kommen. Gleiches gilt für Mercedes, die eine elektrische S-Klasse-Studie vorstellen und Audi, die sich ebenfalls eher in der Oberklasse austoben.

Überraschung aus Fernost

Zwei wirklich spannende Fahrzeuge gab es aber doch. Zum einen den M-Byton. Der chinesische Hersteller war in den letzten Monaten eher durch negative Schlagzeilen aufgefallen, präsentierte in Frankfurt aber einen ansehnlichen SUV mit einer guten Reichweite (450 Kilometer) zu einem überraschend guten Preis (ca. 40.000 Euro). Honda zeigte den etwas pummelig geratenen E-Honda. Der kleine Stadtflitzer hat eine Reichweite von knapp 300 Kilometer und wird preislich aber wohl über 30.000 Euro liegen.

Leider fehlen auf der IAA etliche Marken und ihre Autos. Tesla zeigte sich nicht, ebenso wenig das Münchner Unternehmen Sono Motors, das mit dem Sion ein spannendes Gefährt auf den Markt bringen will. Gerade diese Fahrzeuge haben das Zeug dazu, eine größere Anzahl von Menschen zu begeistern. Daher schmerzt ihr Fehlen doppelt.

Mangelhafte Ladeinfrastruktur

Die vielen schönen neuen E-Autos können auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in Sachen Ladeinfrastruktur weiterhin noch etwas schwierig aussieht. Zwar werden fleißig Ladesäulen gebaut, aber es fehlen vor allem Schnelllader in den ländlichen Gebieten. Solange hier kein massiver Ausbau erfolgt, werden sich die E-Autos weiterhin schwertun.

Auch wenn Google und Microsoft mit großen Ständen präsent waren, war das Thema Digitalisierung doch eher enttäuschend repräsentiert. Zwar gab es mal wieder die Abteilung „New Mobility“ sowie eine von Facebook unterstützte Konferenz. Doch die versammelten Startups blieben da eher unter sich. Es ist schade, dass die Messe und damit die gesamte Autobranche erneut die Chance verstreichen ließ, eine engere Bindung zu den Angeboten der Startups zu zeigen. Warum mischt man die Startups nicht mit den anderen Herstellern?

Startup-Mentalität der Industrie ohne Schwung

Während in den USA und in China die großen Hersteller ausdrücklich die Nähe zu Startups suchen und auf Messen wie der CES Gründer auf die eigenen Stände einladen, sieht man davon in Deutschland nichts. Das lässt den Eindruck zu, dass die so oft beschworene Startup-Mentalität der Industrie etwas an Schwung verloren hat. Auf der IAA will man dann doch lieber unter sich bleiben. Einzige Ausnahme war Daimler, die mit der „MeConvention“ immerhin eine auf Technologie fokussierte Konferenz im Angebot hatte.

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Man muss kein Hellseher sein, um festzustellen, dass diese Herangehensweise die dringend nötige Digitalisierung der Branche verlangsamt und verschleppt. Statt die Kernkompetenzen junger Unternehmen, vor allem im Softwarebereich, zu umarmen, hält man diese lieber auf Distanz. So wird die Industrie bei der Digitalisierung nicht weiterkommen und läuft Gefahr, gegen die Tech-Giganten aus den USA und aus China das Nachsehen zu haben.

Bild: Gründerszene / Don Dahlmann

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