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„Testimonials helfen beim Fundraising enorm“

Für sein Startup hat Veit Blumschein Millionen eingesammelt, unter anderem von den Flixbus-Gründern. Ein Gespräch über Prominenz, Geschäftsmodelle und Hausaufgaben.

Zugtickets, Hotel- und Restaurant-Rechnung: Nach einer Dienstreise fällt viel Papierkram an. Die Lanes-&-Planes–Gründer Veit Blumschein und Daniel Nolte wollen diese Zettelwirtschaft abschaffen. Sie haben eine Software entwickelt, mit denen sich Dienstreisen digital buchen und verwalten lassen.

Für ihre Idee haben die beiden Münchner kürzlich Millionen eingesammelt. Unter den Geldgebern waren bekannte Szenegrößen wie die drei Flixbus-Gründer. Der Kontakt zwischen den Unternehmern besteht schon lange – Blumschein kennt den Flixbus-CEO Jochen Engert bereits von seinem ersten Travel-Startup FromAtoB. Im Interview hat uns der Gründer verraten, warum prominente Investoren beim Fundraising helfen, welches Geschäftsmodell hinter seinem neuen Startup steckt und was nun seine Hausaufgaben nun aussehen.

Veit, kürzlich habt ihr Millionen eingesammelt. Unter den Geldgebern waren unter anderem die Flixbus-Gründer. Helfen prominente Investoren, um das eigene Startup groß zu machen?

Ja. Wir haben bewusst eine Friends-and-Familiy-Runde gemacht. Neben den Flixbus-Gründern haben sich noch eine ganze Reihe weitere bekannte Szene-Köpfe beteiligt. Solche Testimonials helfen beim Fundraising enorm.

Warum ist das so?

Potenzielle neue Investoren stellen immer wieder die Frage: Wer macht sonst noch mit? Wenn Du als Gründer jemanden an Bord hast, der bereits eine gute Reputation in der Branche hat, hilft das natürlich, um Investor Nummer drei, vier und fünf zu gewinnen.

Das heißt, den ersten Investor zu finden ist immer schwierig und dann läuft’s von selbst?

Ja, das war dann tatsächlich ein Domino-Effekt. Wir mussten sogar irgendwann die Runde schließen, obwohl wir noch mehr Geld hätten einsammeln können.

Woher kennst Du denn eigentlich die Flixbus-Gründer?

Aus meiner Zeit als CEO des Travel-Startups FromAtoB. Damals haben wir Flixbus auf unserer Plattform eingebunden. Weil beide Unternehmen noch sehr jung waren, gingen solche Kooperationen über den Schreibtisch der CEOs, also über meinen und über den von Jochen Engert. Später wurden solche Dinge dann an die Fachabteilungen weitergegeben, aber wir hatten immer mal wieder Berührungspunkte. Ich habe Jochen früh von meinem neuen Startup erzählt – und er hat mich von Beginn an unterstützt.  

Warum bist Du – wie auch Dein Mitgründer Daniel Nolte – bei FromAtoB ausgestiegen?

Aus privaten Gründen. Ich musste sehr häufig zwischen Aachen, München und Berlin pendeln, das hatte ich irgendwann satt. Gleichzeitig ist dabei auch die Idee für eine B2B-Plattform für das Travel-Management gereift. Schließlich hatte ich selbst jede Woche einen Berg von Tickets, Hotelrechnungen etc. auf dem Tisch liegen.

Und welche ökonomischen Überlegungen stecken hinter der Neugründung?

Bei FromAtoB haben wir immer wieder festgestellt, dass wir Endnutzer zwar sehr glücklich gemacht haben, indem wir Angebote von Bahn, Fernbus, Flug und Mitfahrgelegenheit auf einer Plattform gebündelt haben. Aber die Zahlungsbereitschaft war quasi nicht vorhanden. Dort waren wir in einem Segment mit einer sehr geringen Marge unterwegs. Das ist im B2B-Segment anders. Mit Unterstützung des Company-Builders Mantro haben wir also im Sommer 2017 Lanes & Planes gegründet.

Was unterscheidet das B2C-Segment vom B2B-Segment?

Der Qualitätsanspruch ein anderer. Wenn tausende Besucher auf die Website kommen und dann jeder 20. oder 25. nicht zufrieden ist, ist das nicht so schlimm. Wenn wir jedoch heute eine Demoversion bei einem Unternehmen abliefern, mit der jeder zehnte im Unternehmen nicht zufrieden ist, verlieren wir den Kunden sofort.

Inwiefern profitiert Ihr von Eurer Branchenerfahrung?

Das Netzwerk ist teilweise dasselbe. Wir müssen nicht mehr unten beim Pförtner anklopfen, wenn wir mit einem Unternehmen oder Verkehrsanbieter ins Gespräch kommen wollen, sondern wissen bereits, wen wir ansprechen müssen. Man kennt sich und hat schon Vertrauen aufgebaut. Das gilt auch für die technische Integration, da wir die Schnittstellen der Partner schon kennen.

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Lanes & Planes? Kassiert ihr pro Buchung über Eure Plattform eine Provision?

Nein. Wir geben weitestgehend die Nettopreise an unsere Kunden weiter. Dafür bezahlen sie eine monatliche Lizenz-Gebühr, deren Höhe im einstelligen Prozentsatz des Reise-Budgets des Unternehmens liegt. Indem wir auf Provisionen verzichten, wollen wir dem Kunden garantieren, dass wir das für ihn günstigste Angebot heraussuchen – und nicht das Hotel anbieten, das uns die höchste Provision zahlt.

Was werden die nächste Schritte für Euer Startup sein?

Hausaufgaben machen! Das heißt: Wir wollen erstmal innerhalb Deutschlands wachsen und unser Tool weiterentwickeln. Da geht es um Themen wie das Belegmanagement, Mehrwertsteuernachweis etc. Das sind alles Sachen, die für Unternehmen in Deutschland extrem wichtig sind, damit sie ihre Buchhaltung managen können. In diesem Punkt unterscheiden wir uns von Wettbewerbern wie TravelPerk, die sehr schnell einen internationalen Weg gegangen sind.

Geht diese Strategie auch auf einen Rat der Flixbus-Gründer oder anderer Business Angels zurück?

Ja. Heute setzt ein Großteil unserer Business Angels unsere Lösung bereits in ihren eigenen Unternehmen in Deutschland ein. Dabei konnten wir schnell feststellen, dass für den Entscheider die Reisebuchung nur ein Teil des Problems ist, der zugehörige administrative und buchhalterische Part mindestens genauso viel Bauchschmerzen verursacht. Dies können wir mit unserer Strategie nun ganzheitlich lösen.

Bilder: Lanes & Planes / Getty Images / Sean Gallup

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