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Du willst VW verklagen? Dieses Legaltech zahlt, wenn’s schief geht

Ob eine Klage Erfolg haben wird, prognostiziert Iubel mithilfe eines Algorithmus. Zahlen soll der Kunde dafür nur, wenn er gewinnt. Das Startup Myright macht es vor.

In Deutschland verfügen etwa 40 Prozent der Haushalte über eine Rechtsschutzversicherung. Wer sich die 200 bis 800 Euro pro Jahr dafür lieber spart, kann sich bei Bedarf an sogenannte Legaltechs wenden. Diese Startups werben beispielsweise damit, Entschädigungen für Flugausfälle oder Verspätungen zu erstreiten, prüfen die Nebenkostenabrechnung für Mieter oder Hartz-IV-Bescheide.

Ein Hamburger Legaltech kümmert sich um einen besonders großen Streitfall: Iubel will geschädigten Verbrauchern im Dieselskandal um VW, Audi, Seat und Co. zu Zahlungen verhelfen. Die Plattform des dahinter stehenden Startups Claim Solutions lässt Algorithmen prüfen, wie aussichtsreich ein Fall ist. So beschreibt es das Unternehmen selber.

Fällt die Bewertung positiv aus, wird die Sache an eine von 150 Kanzleien in Deutschland weitergegeben, mit denen Iubel zusammenarbeitet. Dort nehmen Anwältinnen und Anwälte eine rechtliche Einschätzung vor und kümmern sich um die Klage. Ist die erfolgreich – so wie es das Startup vorhergesagt hat – streicht es dafür eine Provision zwischen 17,5 und 42 Prozent des Streitwerts ein. Scheitert die Klage, muss Iubel die Prozesskosten tragen. Der Kläger zahlt dann nichts.

Der Haken: Iubel lehnt, zumindest in der Dieselsache, etwa die Hälfte aller Anträge ab. Wird ein Fahrzeug als nicht betroffen kategorisiert oder die Klage als zu riskant bewertet, fliegt sie bei der Prüfung raus. Das Startup muss sich auf seine Risiko-Prüfung verlassen: Nur wenn die Zahl der erfolgreich durchgefochtenen Klagen hoch ist, lassen sich kostspielige Fehlschläge kompensieren.

Myright kämpft auch für Diesel-Entschädigung

Iubel spricht von einer 90-prozentigen Erfolgsrate bei bisher abgeschlossenen Klagen. Diese spielen sich aber vor allem in anderen Bereichen ab, zum Beispiel dem Kündigungsschutz. Bis es bei Dieselklagen zu einer Einigung kommt, vergingen im Schnitt zehn bis zwölf Monate, sagt Iubel-Mitgründer Jan Stemplewski im Gespräch mit Gründerszene. Die Plattform ist erst seit Januar dieses Jahres online. Beteiligt sind neben den Gründern auch Business Angels und der Berliner VC Motu Ventures.

Auf  Erfolgsmeldungen wie beim 2014 gegründeten Legaltech-Konkurrenten Myright wird Iubel also noch warten müssen. Der Rechtsdienstleister gewann Anfang dieses Jahres einen Gerichtsprozess gegen VW am Landgericht Krefeld. Myright gibt an, Dieselklagen von 55.000 Kunden auszufechten. Zum Vergleich: Bei Iubel sind es laut Stemplewski mehr als 300. An der Musterfeststellungsklage der Verbraucherzentrale Bundesverband gegen VW beteiligten sich bis heute dem Verband zufolge mehr als 400.000 Kunden.

Verbraucherschutz-Klage gegen VW – Anwälte und Startups wittern Geschäft

Wer Recht hat, muss auch Recht bekommen. Dieses Ziel verfolgt das neue Gesetz zur Musterfeststellungsklage. Erster Anwendungsfall ist der Dieselskandal.

Iubel deckt mit seinem sogenannten „Sofort-Rechtsschutz“ unter anderem auch das Arbeits- und Mietrecht ab. Konkurrent Myright erstreitet neben Dieselgeldern auch Schmerzensgeld, etwa nach Autounfällen. Das Wiener Startup Jaasper bietet die Anwaltshilfe „on demand“ unter anderem bei Scheidungen.

Hinweis: Der Satz zur Arbeitsweise der Iubel-Plattform am Ende des zweiten Absatzes wurde nachträglich angepasst (10. Juli 2019).

Bild: Malte Dibbern

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