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Eigenbrötler in der Autoindustrie schaden der Mobilitätswende

Sharing Economy heißt auch Kunden zu teilen. Wie das geht, zeigen die BVG und Mobilitäts-Startups. Die Abwesenheit der Autoindustrie wirft Fragen auf.

Es war ein kluger Schachzug der Berliner Verkehrsbetriebe: Das Unternehmen hat zwei Dutzend Partner gefunden, überwiegend Mobilitäts-Startups, mit denen es ein umfassendes Mobilitätsangebot für Berlin realisieren will. Scooter-, Fahrrad- und Carsharing, Taxi, Ridepooling und der öffentliche Nahverkehr sollen ab Sommer aus einer Hand in der App Jelbi angeboten werden. Es genügt eine Registrierung, um alle Dienste nutzen zu können.

Das Verkehrsunternehmen hat seine Stärke in die Waagschale geworfen: Mehr als eine Milliarde Kunden befördert die BVG jährlich. Von dieser massiven Marktmacht wollen und werden die beteiligten Startups profitieren und zusätzliche Kunden gewinnen.

Und was machen die großen Sharingdienste der Mobilitätskonzerne? Daimler (Car2Go, Mytaxi, Moovel), BMW (DriveNow), Bosch (Coup) und Volkswagen (WeShare, Moia) versuchen eigene Allianzen zu schmieden. Das Nachsehen haben die Kunden: Sie brauchen weiter eine Zweit- und Dritt-App, wenn sie Busse und Bahnen mit Car2Go oder Moia kombinieren wollen. Die Konzerne wetten dagegen auf ihre eigenen Systeme: So wollen am Freitag die Konzernchefs Dieter Zetsche (Daimler) und Harald Krüger (BMW) den Vollzug ihres Mobilitäts-Joint-Venture verkünden. 

Der Egoismus und die Selbstüberschätzung der Automobilkonzerne schadet der Mobilitätswende. Sharing Economy heißt auch Kunden zu teilen. Das ist anscheinend in den Köpfen der Auto-Manager noch nicht angekommen. Immerhin ist Daimler mit seinem BerlKönig-Joint-Venture von ViaVan und BVG bei Jelbi eingebracht, aber wo sind MyTaxi und Car2Go? Hier könnten die Autokonzerne von der Deutschen Bahn lernen, die mit Flinkster und ihrer Beteiligung Clevershuttle in die Kooperation geht.


BVG stellt neue Universal-App für Scooter, Carsharing und Bahnen vor

Alle Verkehrsmittel in einer App? In Berlin soll das nun möglich sein. Das Startup Trafi und die BVG bringen unterschiedliche Mobilitätsangebote zusammen.

Dazu gelernt hat das Mobilitätsunternehmen Uber, dem man in der Vergangenheit oft eine „The winner takes it all“-Strategie nachsagte. Es ist bei Jelbi immerhin mit seinem Bikesharingdienst Jump vertreten – leider nicht mit seinen Mietwagen. Uber ist mit der Zeit gegangen und aufgeschlossener für Partnerschaften geworden. „Wir müssen versuchen zueinander zu kommen und attraktive Produkte zu bauen und den Kunden aus dem [eigenen] Auto heraus locken“, hatte der Deutschland-Chef des US-Konzern unlängst im Gründerszene-Interview gesagt. Genau um diese Absicht muss es gehen, wenn die Mobilitätswende klappen soll.

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Bild: BVG

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