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Drei Karlsruher Gründer entwickeln ein „Gehirn“ fürs Auto

Ein Karlsruher Startup hat ein kleines Gerät entwickelt, das Autofahren für immer verändern soll — auch SAP glaubt an die Gründer.

Es klingt fast wie ein Märchen: Drei Freunde mit Faible für Fahrzeuge tüfteln etwas aus. Ihr Plan: Sie wollen die Welt besser und sicherer machen. Am Ende kommt ein kleiner Stecker dabei heraus, kaum größer als ein USB-Stick: 4,6 Zentimeter breit, 2,7 Zentimeter hoch und 2,6 Zentimeter tief. Es ist ein Dongle. Sein Name: Pace Link. Sein Bestimmungsort: Autos.

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Der Pace Link soll aus einem herkömmlichen Auto ein „Smart Car“ machen. Ein Auto 4.0, klug, vernetzt — nicht ganz auf dem kognitiven Niveau von K.I.T.T. aus Knight Rider, dennoch ein Auto mit Grips. Wenn der Motor das Herz ist, sind der Dongle und die dazugehörige Smartphone-App das Hirn. Pace verarbeitet Informationen, führt die Synapsen zusammen: Geschwindigkeit, Verbrauch, Verkehr. Motorlast, Turbo-Druck, Kühlwassertemperatur und vieles mehr.

Eine App als Gehirn fürs Auto

Nicht nur deshalb sind die Gründer von Pace stolz auf ihren Dongle. Auch über ein weiteres Feature, das ab April bei Neuwagen innerhalb der EU Pflicht ist, verfügt der Pace Link: einen automatischen Notruf, auch „eCall“ genannt. Das ist kurz für: emergency call. Hat ein Fahrzeughalter mit seinem Wagen einen Unfall, setzt der Dongle innerhalb von Millisekunden automatisch einen Notruf ab. Die EU-Kommission erhofft sich mit diesem System eine Senkung der Zahl der Unfalltoten um bis zu 2.500 Personen im Jahr.

Mit insgesamt rund 80.000 Fahrzeug-Modellen und 8.500 Smartphones ist der Pace Link kompatibel. Eingesteckt wird der Dongle bei den meisten Fahrzeugen in direkter Nähe und unterhalb des Lenkrads an der sogenannten OBD2-Schnittstelle. In Europa besitzen alle Benziner ab Baujahr 2001 die Schnittstelle, Diesel ab Baujahr 2004. In einigen Fahrzeugmodellen wurde die Schnittstelle schon ab 1996 verbaut.

Pace-Gründer haben „Benzin im Blut“

Zu dieser Zeit arbeitete einer der Gründer und heutigen Geschäftsführer von Pace Telematics, wie das Karlsruher Unternehmen hinter dem Dongle und der App heißt, bereits mit Autos. Robin Schönbeck, heute Anfang 50, war Mitte der 90er für ein privates DTM-Rennteam als Berater tätig. Der zweite der Gründer, Martin Kern, ist seit über 15 Jahren in der Automobilbranche, baute einen Online-Versandhandel für Reifen mit auf und fährt in seiner Freizeit Rallye. Der dritte, Philipp Blatter, hat als App-Entwickler einen weniger Automobil-dominierten Lebenslauf — aber wie die anderen „Benzin im Blut“, sagt Schönbeck und zeigt in der Pace-App ein paar Statistiken über seinen privaten SUV-Boliden. Letztes Bewegungsprofil: „Kids in die Kita gebracht“. Das Büro ist nicht weit.

Pace arbeitet inzwischen von zwei Standorten aus: In Berlin sitzen Marketing und Finanzen; in Karlsruhe Technik, Entwicklung und die Cloud. Man habe sich bewusst für Karlsruhe als Technik-Standort entschieden, sagt Schönbeck. Das erleichtere auch das Recruiting. Und Berliner Startup-Mentalität herrscht auch in Baden: ein weitläufiges, offenes Büro in einem alten Backsteingebäude einer örtlichen Brauerei, Sitzsäcke, Retro-Kühlschränke in Pace-Blau, flache Bildschirme mit leuchtendem Apfel-Emblem Reih’ an Reih’. Der klassische Look eines Co-Working-Space, wie man ihn aus der Kreativbranche kennt.

Inspirieren ließ sich Schönbeck wie so viele im Silicon Valley. Dort habe er sich kurzfristiges und schnelles Denken und den Mut, Dinge einfach zu machen, angeeignet. Dieses Mindset, verbunden mit der deutschen Genauigkeit, hält er für den idealen Weg, ein erfolgreiches Produkt an den Start zu bringen. „Smartphones auf Rädern“ haben im Silicon Valley sowieso Konjunktur, Tech-Riesen wie Intel oder Qualcomm schmiedeten schon vor einem Jahrzehnt Allianzen mit Autoherstellern.

Kooperation mit Werkstätten in Pilot-Phase

Die Pace-Gründer entwickelten ihren Link und die App nicht mit der Autoindustrie zusammen. Zuerst habe man lange Marktforschung betrieben, im Prinzip durch einen klassischen Design-Thinking-Prozess: Die Bedürfnisse des Verbrauchers wurden analysiert und anhand dieser ein Produkt entwickelt, das mehrere Verbesserungsschleifen durchlief, bis es — zumindest fürs erste — passte. Der Beta-Pace-Link war geboren.

Im April 2016 ging die Crowdfunding-Kampagne los. Sie brachte dem Startup gut 337.000 Euro und über 3.500 Vorbestellungen ein. Kurz danach erhielten die Unterstützer ihre Pace Links, um an einer fast einjährigen Testphase teilzunehmen.

Inzwischen ist Pace längst aus der Beta-Phase raus, den Dongel gibt es im Online- und Einzelhandel zu kaufen. Auch was Co-Geschäftsführer Martin Kern 2017 im Interview mit dem Tech-Magazin „Wired“ angekündigte, ist Realität geworden. Kern sagte, man wolle Pace über Werkstätten als „Kundenbindungssystem“ einsetzen. Die Vernetzung mit den Werkstätten befindet sich nun in der Pilot-Phase: Kunden sollen sich bald über den Pace Link mit einer Werkstatt ihrer Wahl verbinden können. Stimmt der Kunde aktiv und explizit zu, hat die Werkstatt dann Einsicht auf einige Fahrzeugdaten. Außerdem kann die Werkstatt dem Kunden passgenaue Angebote schicken.

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