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Das Flugtaxi ist Quatsch

Die neue Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, hätte sie gerne: Flugtaxis. Aber genauer betrachtet sind fliegende Autos und Flugtaxis eigentlich Quatsch.

Es klingt toll. Einfach dem Stau mit einem fliegenden Auto oder mit einem Flugtaxi entkommen. Schon seit den 80er-Jahren geistert der Traum von der Eroberung des Luftraums durch das Auto immer wieder durch die Magazine. In den letzten Jahren haben sich verschiedene Startups mit dem Thema beschäftigt. Darunter Volocopter und das Münchner Startup Lilium. Dahinter steckt die Idee, dass man mit einem elektrisch betriebenen Taxi die Kurzstrecke überwindet. Etliche Unternehmen haben einiges an Geld in diese Startups gesteckt.

Die Grundidee dahinter ist nun nicht wirklich neu. Es gibt so etwas heute schon und hört auf den Namen Hubschrauber. Der Unterschied zum bestehenden System ist nur, dass die elektrischen Varianten etwas leiser sein sollen und autonom fliegen. Schaut man sich an, wo Hubschrauber eingesetzt werden, stellt man fest, dass sie in Metropolen zwar häufig vorkommen, dann aber meist auf mittellangen Strecken zum Einsatz kommen. Niemand fliegt von Stadtteil zu Stadtteil, um zu einem Meeting zu kommen.

Dabei ist das Fliegen gar nicht mal so teuer. Die Kosten für eine Flugminute mit einem Hubschrauber liegen bei überschaubaren 20 Euro. Für Leute mit viel Geld also eher unproblematisch. Das Problem ist der Luftkorridor, in dem man unterwegs ist. In Deutschland gilt für private Luftfahrzeuge eine Mindestflughöhe von 300 Metern über bebautem Gebiet. Ausnahmen gibt es nur für Segelflieger und die Hubschrauber der Polizei bzw. Krankentransporte.

Viele Fragen sind noch offen

Senkrecht startende Transportfluggeräte müssen also diese Höhe erreichen. Das ist bei Ultra-Kurzstreckenflüge eher hinderlich und kostet Zeit. Natürlich muss auch jeder Flug angemeldet sein. Es gibt in Deutschland keinen unregulierten Luftraum, schon gar nicht über Städten. Flugpläne müssen erstellt und eingereicht werden. So eben mal spontan von Berlin-Mitte nach Spandau fliegen, wird nicht funktionieren. Das ist auch einer der Gründe, warum weder in Berlin, noch New York, Schanghai oder London der Himmel mit Helikoptern voll ist.

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Die bisher vorgestellten Modelle sollen zudem autonom fliegen. Logischerweise ist der Pilot eine Kostenstelle, die man sich gerne sparen würde. Nur sind vollautonome Flüge weltweit überhaupt nicht erlaubt. Zwar fliegen die meisten großen Passagiermaschinen dank Autopilot von alleine und sie können sogar alleine landen, aber die Piloten sind nicht ohne Grund vorne im Cockpit. Bei technischen Problemen sind sie die letzte Verteidigungslinie vor einem schweren Unfall. Deswegen gibt es auch keine ferngesteuerten Drohnen als Passagierflugzeug.

Schaut man sich die Probleme gebündelt an, kommt man schnell zum Schluss, dass die bisherigen Ideen so gar nicht umsetzbar sind. Es mag Länder geben, die aufgrund ihrer dünnen Besiedelung autonome Flugtaxis einsetzen könnten. Aber die vorgestellten Modelle dienen allerhöchstens dazu, die bisherigen Helikopter abzulösen. Viel günstiger oder schneller werden sie auch nicht sein.

Bild: Daimler AG

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