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Altmaier fordert – bleibt aber eine Gegenleistung schuldig

Wirtschaftsminister Altmaier hat die Autokonzerne dazu aufgefordert, mehr Geld in E-Mobilität zu stecken. Doch er selbst müsste auch einen Beitrag liefern.

Um den Anschluss an die weltweite Entwicklung der E-Mobilität nicht zu verpassen, forderte Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Autoindustrie auf, zweistellige Milliardensummen zu investieren. Dieses Geld solle einerseits in den Bau von E-Autos fließen, andererseits solle damit auch eine Batteriezellenproduktion in der EU aufgebaut werden. Die Konzerne sollten endlich ihre Strategie und Geschäftsmodelle an die ökologische und digitale Zukunft anpassen, so Altmaier gegenüber der Bild-Zeitung.

Die Aussage ist begrüßenswert. Sie hat aber einen Haken: Die Hersteller investieren schon diese Summen. Volkswagen hat vor wenigen Wochen bekannt gegeben, bis 2025 rund 50 Milliarden Euro in Akku-Technologien stecken zu wollen. Dazu kommen noch die Investitionen in die Forschung und Entwicklung neuer Fahrzeuge und Antriebselemente. Von Daimler hieß es, im selben Zeitraum wolle man einen zweistelligen Milliardenbetrag in den Bau etlicher Akku-Fabriken in Deutschland, China und den USA investieren. Einzurechnen sind auch die Investitionen in die neue EQ-Elektrobaureihe. Bis zu 50 elektrifizierte Modelle wollen die Stuttgarter bis 2025 auf dem Markt haben. Ähnlich sieht es auch bei BMW aus. Die Münchner geben viel Geld für neue Batteriewerke in Deutschland, China und den USA aus. Nicht zu vergessen, dass die deutschen Hersteller sich gerade unter dem Namen Ionity zusammengeschlossen haben und einen dreistelligen Millionenbetrag in ein europäisches Schnellladenetz stecken.

Die Politik macht selbst zu wenig

Aber was unternimmt das Wirtschaftsministerium in Sachen Investitionen? Das E-Auto leidet noch immer unter einem entscheidenden Problem: Weil es nicht genug Ladestationen gibt, kaufen die Leute kein E-Auto. Und da niemand E-Autos kauft, interessiert sich kaum jemand für Investitionen in ein Ladenetzwerk. Dabei liegt es bei der Politik, genau dies zu ändern. Gemeinsam mit den Kommunen könnte das Wirtschaftsministerium überlegen, wie es den Bau von Ladestationen günstiger machen und somit vorantreiben könnte. Zwar investiert die Bundesregierung rund 300 Millionen Euro, aber das reicht bei Weitem nicht für einen flächendeckenden Ausbau.

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Ebenfalls fehlen Anreize, die durch Startups entwickelten Ideen und Technologien besser zu fördern. Als Beispiel mag das Berliner Unternehmen Ubriticity gelten. Das hat eine simple Lösung für das Ladestation-Problem gefunden, wird aber von den Behörden in Deutschland immer wieder ausgebremst. Statt in Berlin verbaut das Startup seine Lösung nun in London. 

Hierzulande fehlt eine eigene Zellproduktion

Recht hat Wirtschaftsminister Altmaier allerdings mit seiner Forderung nach einer eigenständigen Batteriezellenproduktion in Europa. Zwar bauen Hersteller wie Daimler ihre eigenen Akkus zusammen, die Zellen dafür kommen aber aus Fernost. Und dort kündigen die Hersteller der Zellen mittlerweile schon laufende Verträge mit deutschen Autobauern, weil sie die Zellen auf dem Markt zu höheren Preisen versteigern können. Dass VW nach eigenen Angaben bis 2025 circa die Hälfte der weltweit verfügbaren Batteriezellen für die eigenen E-Autos beansprucht, zeigt, wie wichtig eine eigene Produktion ist. Elon Musk hatte das deutlich früher erkannt als alle anderen Hersteller – und seine Gigafactory gebaut.

Dass Bosch einer eigenen Produktion von Batteriezellen vor wenigen Wochen eine Absage erteilte, sollte die Politik alarmieren. Zum einen, weil die Abhängigkeit von Zellen aus China dadurch weiter steigt. Zum anderen, weil es offensichtlich gleichzeitig unrentabel ist, ein solches Projekt in Deutschland zu realisieren. Statt tatenlos zuzusehen, sollte die Bundesregierung ihre Förderungspolitik überdenken.

Bild: Getty Images / Sean Gallup

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