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Wie die deutsche Autoindustrie mit ihrer Marktführerschaft spielt

Nur zaghaft wagen sich deutsche Hersteller aus der Deckung und unternehmen vorsichtige Schritte in Richtung Elektromobilität. Es wird langsam Zeit.

Lieblingsspiel der Autoindustrie ist das Disruptions-Mikado: Wer sich als Erster bewegt, hat verloren. Einzig Tesla spielt nicht mit. Die Amerikaner machen einfach, und die markengläubige Tesla-Kundschaft lässt sich vieles gefallen: die Verarbeitung, mäßige Wertigkeit im Detail, hohe Preise. Das Netz ist voller Kritik: in Medien, Foren und auf Twitter.

Vom Genfer Autosalon kommen nun zaghafte Signale, dass sich etwas ändert. Das ist auch längst überfällig. Konzeptstudien sind wichtig, doch man würde gerne elektrische Serienfahrzeuge auf der Straße sehen. Denn es geht dabei um den Rang der wichtigsten deutschen Exportbranche auf dem Weltmarkt – und natürlich um die Verbraucher.

Alarmierende Verkaufszahlen

Die Premiummarken aus Europa hatten bislang nicht viel zu bieten, was Tesla hätte gefährlich werden können. Wer der automobilen Elektro-Avantgarde angehören wollte, musste in der Oberklasse diese Marke kaufen.

Das haben die Kunden auch massenhaft getan, wie kürzlich veröffentlichte Zulassungszahlen zeigen. Tesla hat in Europa im vergangenen Jahr zum ersten Mal deutlich mehr Fahrzeuge des Typs „Model S“ verkauft als BMW Siebener und Mercedes S-Klassen. Bis dato galt dieser Trend nur für die USA. Diese Zahlen sind insbesondere für die deutsche Autoindustrie alarmierend, denn Geld wird in der Oberklasse verdient. 

Porsche greift an

Der Genfer Autosalon zeigt mit den dort vorgestellten Konzeptstudien und Prototypen zumindest eine zaghafte Angriffslust der deutschen Autoindustrie. Es wird langsam Zeit. 

BMW stellt die Neuauflage des Plug-in-Hybrids „i8“vor, der elektrisch allerdings gerade einmal circa 50 Kilometer schafft. Reine Stromer oberhalb des „i3“ sind aus München vor 2020 nicht in Sicht. Audi will seinen „e-tron“ dagegen Ende des Jahres auf den europäischen Markt bringen. Und Porsche stellte das Cross Utility Vehicle (CUV) „Mission E Cross Turismo“ vor.

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Mission E setzt Benchmark

Tesla-Chef Elon Musk sollte insbesondere den „Mission E Cross Turismo“ fürchten, der an die Studie „Mission E“ von 2015 anknüpft: 600 PS, Reichweite 500 Kilometer, 3,5 Sekunden auf Tempo 100, zwölf Sekunden auf 200, 800-Volt-Architektur mit 15 Minuten Ladezeit für 400 Kilometer, Allradlenkung, variable Bodenfreiheit, Platz für ein E-Bike im Kofferraum und interaktives Hightech-Cockpit. Aber: Ob und wann diese Studie Realität wird, sagt niemand. 

Daimler verfolgt dagegen die Strategie, mit der Elektrifizierung dort starten, „wo sie am dringendsten gebraucht wird: in der Stadt“, so das Unternehmen. Deshalb machen strombetriebene „Smart“ den Anfang, der auch in Genf zu sehen war. Im Herbst 2019 folgt dann der vollelektrische SUV „EQ C“.   

Bis 2022 will Daimler insgesamt 50 elektrifizierte Fahrzeuge auf den Markt bekommen. Vermutlich mehr Hybride als reinrassige Stromer. Plug-in sei mehr als eine Brückentechnologie, heißt es aus Stuttgart.

Bekenntnis zu Elektromobilität

Bis die Europäer ihre Edel-Stromer auf dem Markt haben, bleibt Tesla noch Zeit. Der Countdown läuft. Auch Tesla-Chef Elon Musk will nachlegen – und hat für 2020 seinen neuen Roadster angekündigt. Aber ob dieser dann wirklich kommt, ist fraglich. Denn das US-Unternehmen machte in letzter Zeit vor allem mit Produktionsproblemen Schlagzeilen.

Es bleibt also spannend in der elektrischen Oberklasse. Die Premiummarken sollten sich endlich zur Elektromobilität bekennen. Oder wollen sie sich demnächst von einem Startup wie Byton vorführen lassen, das 2019 einen elektrischen Nobel-SUV auf den Markt zu bringen will?        

Bild: Porsche

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