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Kurzstreckenflüge müssen nicht sein

Mal eben schnell nach München fliegen – warum eigentlich? Das Flugzeug ist eine Dreckschleuder und es gibt gute Alternativen. Wir müssen unsere Gewohnheit ändern.

Fliegen ist die beste Option, um schnell von A nach B zu kommen. Aus ökologischer Sicht ist es die schlechteste Art der Fortbewegung. 2017 war der gesamte internationale Flugverkehr für 859 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Kritiker des Flugverkehrs merken zudem an, dass die Emissionen der Flugzeuge deutlich mehr Schaden anrichten, weil sie in großer Höhe ausgestossen werden und dadurch länger in der Atmosphäre verbleiben.

Hinzu kommt, dass immer mehr geflogen wird. 2012 gab es rund 35 Millionen Flüge pro Jahr, 2017 waren es 41,8 Millionen Flüge. Dazu gehören nicht nur die Passagier-, sondern auch die vielen Cargoflüge. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Das hängt damit zusammen, dass das Fliegen immer günstiger wird. Ryanair, EasyJet und andere Billigflieger locken mit extrem günstigen Flügen. Dabei steht die Industrie durchaus unter einem gewissen Druck, denn man würde gerne bis 2050 möglichst emissionsfrei fliegen. Doch davon ist man im Moment weit entfernt, wie der Atmosfair Airline Index aus dem letzten Jahr eindrücklich zeigt.

Wie sich nachhaltiger fliegen lässt

Tatsächlich bemühen sich manche Airlines um Lösungen. Verschiedene Startups bieten mittlerweile Kerosin aus ökologisch unbedenklicheren Quellen an. Das kanadische Unternehmen Agrisoma stellt einen Kraftstoff aus Senfsamen her. Und das Startup Carbon Engineering verspricht, dass man Flugbenzin aus dem in der Luft verteilten CO2 gewinnen kann. Während die Lösung mit dem Senfsaat zumindest schon im Einsatz ist, sucht Carbon Engineering noch Geld. Bisher gibt es aber keine Fluggesellschaft, die komplett auf Biokraftstoffe setzt.

Da die Zeit drängt, gibt es auch radikalere Vorschläge. Einer davon lautet, dass man Kurzstreckenflüge komplett verbietet. Am Flughafen Frankfurt machen Kurzstreckenflüge (bis 500 Kilometer) rund 26,5 Prozent aller Flüge aus. Da stellt sich die Frage, ob man solche Flüge wirklich benötigt. Tatsächlich wäre die Bahn eine bessere Alternative. Aber hier rächt sich, dass kein EU-Land in den letzten Jahrzehnten in flächendeckenden Ausbau von Hochgeschwindigkeitszügen investiert hat. Stattdessen förderte man den Flugverkehr, indem man das Kerosin weiterhin nicht besteuerte.

Es ist klar, dass man auf das Flugzeug nicht ganz verzichten kann. Das gilt vor allem für die Tourismusbranche, die weltweit kollabieren würden, sollten Langstreckenflüge verboten werden. Aber dass es so nicht weitergehen kann, ist auch klar. Wie in Japan und China müssen mehr schnellere Zugverbindungen her, gleichzeitig sollte man zumindest überlegen, ob man das Kerosin zumindest für innerdeutsche Flüge besteuert. Ob es ausreichen wird, Flüge einfach nur teurer zu machen? Helfen würde es auch, wenn jeder sich überlegen würde, ob man statt des Flugzeugs nicht doch besser die Bahn nehmen kann.

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Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

Bild: Getty Images / Sean Gallup / Staff

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