Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Li und Merkel drehen Runde in einem autonomen Fahrzeug

Der chinesische Ministerpräsident testete die neue Technologie mit der Bundeskanzlerin. Derweil vereinbaren hiesige Autobauer reihenweise Kooperationen mit China.

Die deutschen Autobauer setzen bei der Entwicklung von Elektro-Fahrzeugen und autonomen Fahren auf den riesigen chinesischen Markt. Allein Volkswagen will dort zusammen mit dem Partner FAW und anderen chinesischen Unternehmen bis 2022 insgesamt 15 Milliarden Euro in diese Zukunftsthemen und deren Erforschung stecken, wie der Wolfsburger Konzern heute mitteilte. BMW baut künftig mit dem Autobauer Great Wall Elektroautos in China.

Ministerpräsident Li Keqiang sicherte den Autobauern am zweiten Tag seines Staatsbesuchs in Deutschland die Sicherheit ihrer Daten und Technologien zu. „Wir wollen eine Win-Win-Situationen erzeugen“, sagte er. Zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel informierte er sich über die Fortschritte deutscher Autobauer beim autonomen Fahren. Auf dem stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof drehten sie eine Runde in einem selbstfahrenden Fahrzeug aus deutsch-chinesischer Entwicklung. „Wir haben beide auch eine kleine Fahrt gemacht, sind auch gut wieder angekommen,“ sagte Merkel.

Zugang zu Big Data als Lockmittel

China ist der weltgrößte Markt für E-Mobilität und ein Vorreiter, wenn es darum geht, Quoten für den Verkauf von E-Autos zu setzen. Mit seiner Bevölkerung von mehr als 1,3 Milliarden Menschen sowie umfangreichen Datensammlungen der Regierung und großer IT-Firmen gilt die Volksrepublik außerdem als idealer Standort, um autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Daher bemühen sich auch deutsche Firmen dort um eine Zulassung. Die Regierung in Peking setzt dabei den Zugang zu Big Data als Lockmittel ein. „Deutschland will weitere Märkte erschließen, gerade in China“, sagte Ministerpräsident Li. „Wir sind gerne bereit, Daten zur Verfügung zu stellen.“

Der Sorge deutscher Autobauer, dass die Technologie durch die gemeinsame Entwicklung in China bei der dortigen Konkurrenz landen könnte, trat Li entgegen. Der Diebstahl geistigen Eigentums werde „schonungslos geahndet“. Merkel sagte, sie hoffe auf „offene, transparente Kooperation“ beim autonomen Fahren. Deutschland und China hatten am Montag ein Rahmenabkommen dazu unterzeichnet. Li sagte, seine Regierung schaffe die Rahmenbedingungen, damit gemeinsam entwickelte fahrerlose Autos auf Chinas Straßen unterwegs sein dürfen. Die VW-Tochter Audi hat sich laut einer Absichtserklärung dazu mit dem Telekom-Ausrüster Huawei zusammengetan, um autonom fahrende Autos zu vernetzen. „Unser Ziel ist die Verbesserung der Sicherheit und Optimierung des Verkehrsflusses für die intelligente Stadt“, sagte Audi-China-Chef Saad Metz.

Neue Partnerschaften vereinbart

Anlässlich des Staatsbesuchs vereinbarten eine ganze Reihe von Unternehmen strategische Partnerschaften und Investitionen in China. Allein Volkswagen peilt mit seiner Elektro-Offensive 2025 einen Absatz von 1,5 Millionen Fahrzeugen mit reinen Elektro- oder Hybridantrieben in China an. Für VW ist das Land ebenso wie für BMW und andere Autobauer der größte Einzelmarkt. „Durch den Ausbau von Partnerschaften möchte der Volkswagen-Konzern seine Position im wichtigen chinesischen Markt stärken“, erklärte Vorstandschef Herbert Diess. In den nächsten sieben bis acht Jahren sollen 40 neue, lokal produzierte Elektro- oder Hybrid-Modelle der Marken VW, Audi, Skoda, Seat und aus dem Joint Venture mit dem chinesischen Elektro-Auto-Partner JAC auf den Markt gebracht werden.

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BMW vereinbarte bei den Regierungskonsultationen ein 50:50-Joint Venture mit Great Wall. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Spotlight Automotive Limited werde außer Elektro-Minis auch elektrische Fahrzeuge für Great Wall herstellen. Produziert werden soll am Firmensitz in der Provinz Jiangsu im Osten Chinas, wo ein Werk gebaut wird. BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich sagte, die Produktion könne rasch hochgefahren werden. Great Wall ist vor allem für kompakte SUV bekannt und daher aus BMW-Sicht ein passender Partner für Kleinwagen. Didi will zusammen mit Conti für seine Bedürfnisse maßgeschneiderte E-Autos entwickeln, die die bisher von dem Taxi-Dienst genutzten normalen Personenwagen ersetzen sollen. Die ersten dieser Autos sollen 2020 vom Band rollen. Der Zulieferer und Reifenhersteller Continental will außerdem mit dem chinesischen Uber-Konkurrenten Didi elektrisch betriebene Taxi-Kleinwagen für Millionenmetropolen wie Peking und Shanghai entwickeln.

Auch die Konkurrenz aus den USA setzt auf China: Der Elektro-Auto-Pionier Tesla will ein Werk in Shanghai bauen. Eine entsprechende Vereinbarung sei am Dienstag unterzeichnet worden, teilte die Stadtverwaltung mit. Jährlich sollen in dem Werk 500.000 Fahrzeuge hergestellt werden.

Bild: Screenshot Instagram / bundeskanzlerin

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