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Noch mehr Fahrräder – jetzt startet LimeBike in Deutschland

LimeBike schlägt in Frankfurt am Main auf. Um im Markt zu bestehen, setzt der Bike-Sharing-Anbieter aus dem Valley auf einen Kuschelkurs mit den Behörden.

Jetzt also noch Grün-Gelb. An diesem Montag startet ein weiterer Leihradanbieter in Deutschland: Das mit Millionen finanzierte US-Startup LimeBike will noch in diesem Monat 480 Bikes in Frankfurt am Main verteilen, in der Farbe einer Limette. Nutzer können die Räder per App aufschließen, eine halbe Stunde kostet einen Euro, öffentliche Gelder fließen nicht.

Die LimeBikes sind mit GPS und mobilem Internet ausgestattet. Darüber kann das Startup den Standort der Räder jederzeit überwachen und die zurückgelegten Wege nachverfolgen.

LimeBike ist einer der jüngsten Player auf dem Markt mit stationslosen Leihrädern. Gegründet in diesem Jahr in San Mateo, Kalifornien, will das Startup von den USA aus den globalen umkämpften Leihrad-Markt aufmischen. Mit dem Start in Frankfurt am Main bringt das US-Startup seine grünen Räder erstmals nach Europa.

Während sich der Markt mit Leihrädern in den USA und in China bereits wieder konsolidiert, geht es hierzulande erst richtig los. Zuletzt sind das chinesische Startup Mobike mit orangenen Rädern als auch Obike aus Singapur mit gelben Bikes in Deutschland gestartet. In Frankfurt am Main sind derzeit mit Obike, Nextbike aus Leipzig, dem Call-a-Bike-Service der Deutschen Bahn, und dem Berliner Startup Byke vier große Anbieter am Markt, LimeBike ist die Nummer fünf. Ausgestattet mit insgesamt 62 Millionen US-Dollar – von namhaften Geldgebern wie dem US-Chef des chinesischen Internetriesen Tencent und dem von Yahoo-Gründer Jerry Yang geführten AME Cloud Ventures – will sich LimeBike mit diversen Strategien gegen die Wettbewerber behaupten.

Die Fehler der Konkurrenz will Limebike vermeiden

Limebike versuche, eng mit Städten und Kommunen zusammenzuarbeiten, sagt Co-Gründer Caen Contee im Gespräch mit NGIN Mobility. „Gemeinsam wollen wir auf die jeweilige Stadt zugeschnittene Konzepte für den Radverkehr entwickeln.“ Dafür wolle man auch die durch die Fahrradnutzung gewonnenen Daten über die Verkehrsflüsse den zuständigen Behörden kostenlos zur Verfügung stellen. Man verstehe sich als Partner, in jeder Stadt sei ein eigenes Team vor Ort. Einen Fehlstart wie Konkurrent Obike will Contee offenbar vermeiden. Obike hatte im August 7.000 Räder nach München gekarrt – und dafür viel Kritik geerntet. In den sozialen Medien beschwerten sich unzählige User über die herumstehenden Räder. Auch andere Städte hatten wegen mangelndem Service und schlechter Kommunikation Schwierigkeiten mit den Anbietern aus Asien.

Für die nächsten Monate hat das Sharing-Startup aus Kalifornien große Pläne. Vom Frühjahr an sollen Kunden hierzulande die Räder auch über die App des Öffentlichen Nahverkehrs buchen können. Gespräche hierzu liefen derzeit, sagt Mitgründer Contee. Auch in Karten-Apps wie Google oder Moovit solle der Dienst integriert werden – so wie es beim Fahrdienst Uber bereits der Fall ist.

Daten sollen Geld einspielen

Schon heute denkt der LimeBike-Mitgründer über zukünftige Geschäftsmodelle nach. Die App könnte sich beispielsweise zu einer Art Medien- und Werbenetzwerk weiterentwickeln, sagt Contee. Dabei schwebt ihm eine Zusammenarbeit mit lokalen Geschäften vor. Ein Beispiel: „Wir können einem Händler zeigen, dass jeden Tag um 12 Uhr rund 200 Leute an seinem Laden vorbeikommen. Für ihn würde es sich also lohnen, über die App einen Discount oder eine Rabattaktion zu vermarkten.“ LimeBike könnte sich dann diese Anzeige in der App bezahlen lassen. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine hohe Reichweite, also möglichst viele Nutzer.

Contee weiß, wie sensibel die Nutzer, insbesondere in Deutschland, auf den Umgang mit ihren Daten reagieren. Ihm ist wichtig zu betonen: „Wir geben unsere Daten nicht an Dritte weiter. Prinzipiell erheben wir keine personalisierten Daten, sondern sammeln ausschließlich Informationen über die zurückgelegten Strecken, also darüber, welche Wege häufig gefahren werden, wann besonders viele Menschen unterwegs sind und wie viele Kilometer im Schnitt zurückgelegt werden.“

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Ob LimeBike sich mit seiner Strategie in Deutschland behaupten kann, wird sich zeigen. Mitgründer Contee bemüht sich, glaubhaft das Gegenmodell zum aggressiven Vorgehen seiner Mitbewerber darzustellen. Damit soll die Expansion in weitere deutsche Städte nächstes Jahr gelingen.

Bild: LimeBike

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