Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Diese Gründer bauen Mobility-Startups nach dem Baukasten-Prinzip

Patrick Arle ist beim Hamburger Mobility-Startup Wunder ausgestiegen, um sein eigener Chef zu sein. Mit M-Tribes will er Unternehmen ins digitale Zeitalter führen.

Startup oder Konzern? Für viele sind die beiden Unternehmensformen ein Widerspruch. Patrick Arle sieht das anders. Für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle ergänze beides einander gut, findet der 32-Jährige. „Startups haben neue Ideen, arbeiten agil und schnell“, sagt Arle im Gespräch mit Gründerszene und NGIN Mobility. Konzerne dagegen hätten viel Kapital, starke Marken und Kontakte in die Politik. Letzteres sei besonders im stark regulierten Mobility-Markt wichtig.

Der Gründer will Startup und Konzern deshalb zusammenbringen – und hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Mit seinem Hamburger Unternehmen M-Tribes baut Patrick Arle sogenannte Ventures für Mobility-Unternehmen auf, digitale Services wie beispielsweise Ridesharing- oder Lieferdienste. „Venture-as-a-Service" nennt er diese Mischung aus Beratung und Company-Builder. „Im Idealfall gründet ein Konzern nach einer erfolgreichen Testphase ein neues Unternehmen aus“, erklärt Arle das Konzept.

Die Idee zu M-Tribes kam Arle während seiner Zeit als Produktchef beim Hamburger Mobility-Startup Wunder, bei dem er zwar ausgestiegen, aber bis heute beteiligt ist. „Wunder bekam regelmäßig Anfragen von Corporates", erinnert er sich. „Deutsche Autobauer wollten wissen, wie sie sich gegen Uber und andere Tech-Companies aus dem Valley rüsten können.“ Für das Ridehailing-Startup seien solche Beratungsanfragen wenig interessant gewesen, zu weit weg vom Kerngeschäft. Doch Arle, der vor seiner Zeit bei Wunder sieben Jahre für den Lufthansa-Konzern arbeitete, hat daraus jetzt ein Business gemacht.

Carsharing-App und Lieferdienst

Unternehmen, die Autohersteller oder Zulieferer bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle beraten, gibt es bereits eine ganze Reihe. Als klassischer Berater will Patrick Arle sich aber nicht verstanden wissen. M-Tribes wirbt damit, neue Projekte besonders schnell umzusetzen. Innerhalb weniger Wochen könne man einen neuen Service auf die Straße bringen, verspricht der Gründer. „Statt lange hinter verschlossenen Türen zu entwickeln, wollen wir die Dienste direkt am Markt testen“.

Dafür hat das im Juli 2017 gegründete Startup einen Softwarebaukasten entwickelt. Darin gibt es Komponenten für die Buchung, Bezahlung, Terminplanung und mehr. Aus diesen Bausteinen ließen sich in kurzer Zeit neue digitale Services bauen. Eines davon sei die in Madrid gestartet Mini-Sharing-App, die das Hamburger Startup für BMW entwickelt hat. Privatpersonen können ihren Mini an Freunde, Familie und Bekannte vermieten. Das mittlerweile 25-köpfige M-Tribes-Team hat dafür für BMW den Markt analysiert, mit möglichen Kunden gesprochen, Autohändler geschult – und das laut Arle innerhalb von weniger als sechs Monaten.

Auch ein eigenes Startup hat M-Tribes ausgegründet: Now Delivery, einen Sofort-Lieferservice für die Stadt. Ab fünf Euro bringen Fahrradkuriere laut Unternehmenswebsite Medikamente, Weinflaschen, Dokumente und andere Güter innerhalb von 60 Minuten ans Ziel. Now Delivery funktioniere im Prinzip wie Mytaxi, sagt Arle: Die Plattform vermittelt die Aufträge an selbstständige Fahrradkuriere. Seit der Gründung im März habe das Startup rund 1500 Fahrten für etwa 50 Kunden durchgeführt, seit zwei Wochen sei man profitabel.

Lieber der eigene Chef sein

Aktuell liefen Gespräche mit E-Commerce-Unternehmen, die die Plattform für ihre Lieferungen nutzen wollen, darunter Delivery Hero. Der Essenslieferdienst könnte über die Plattform mittags und abends, wenn besonders viele Hamburger Essen bestellen, selbstständige Fahrer dazu buchen. Der Vorteil für Delivery Hero: In Stoßzeiten stehen mehr Fahrer zur Verfügung, ohne dass neues Personal eingestellt werden muss.

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Geld verdient M-Tribes nach eigenen Angaben über Stundensätze für die Berater, Equity und über eine monatliche Gebühr für ihre M-Tools, die Software. Ein Jahr nach der Gründung zeigt Arle sich zufrieden: Seit einem halben Jahr sei sein Unternehmen profitabel. Seinen Entschluss, bei Wunder auszusteigen, bereute er nicht. In der Rolle als CEO fühle er sich wohler.

Bild: M-Tribes

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