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Menschliche Fehler und automatische Autos

Auch in Autos, die mit luxuriösen Fahrhilfen ausgestattet sind, sitzt ein Mensch am Steuer, der Fehler machen kann. Unsere Sonntags-Kolumne.

Wir starren auf das Lenkrad. Hinter uns befindet sich eine Parklücke. Der Computer unseres Autos hat erkannt, dass sie ausreicht, um als Parkplatz zu funktionieren. Jetzt bewegt sich das Steuerrad wie von Geisterhand und schlägt ein, der Motor gibt vorsichtig Gas, der Wagen gleitet in die Lücke. Noch einmal kurz in den 1. Gang, das Lenkrad dreht bis zum Anschlag nach rechts, dann sind wir drin. Was für ein Erlebnis. Zumindest beim ersten Mal. Danach ist diese Parkautomatik ein gerne genutzter Luxus.

Doch es gibt Situationen, in denen man durchaus in Schwierigkeiten kommen kann. Meistens dann, wenn andere Fahrer ins Spiel kommen. Neulich fuhr ein anderes Auto während meines automatischen Einparkvorgangs sehr dicht auf, bremste erst im letzten Moment ab. Der Fahrer, das konnte ich im Rückspiegel sehen, regte sich auf, weil es ihm nicht passte, dass ich einparken wollte und ihn so zum Bremsen gezwungen hatte. Tja, das kommt leider vor. Das sich schnell nähernde Auto brachte den Rechner meines Wagens allerdings derartig durcheinander, dass er den Vorgang abbrach und mir die restliche Arbeit überließ. 

Das Auto wird zum Computer mit Software-Updates

In meinem Auto firmieren diese Serviceleistungen als Fahrassistenz-System. Beim US-amerikanischen Unternehmen Tesla werden sie als „Enhanced Autopilot“ bezeichnet. Die Wagen können selbstständig die Spur halten, bremsen, wenn vorne gebremst wird, wieder auf die eingestellt Geschwindigkeit beschleunigen und sogar überholen. Doch sie können viele Dinge nicht. Selbstständig von A nach B fahren zum Beispiel. Das soll erst noch kommen. Mit Software-Updates in der Zukunft.

Derzeit taugen sie lediglich dazu, es auf der Autobahn oder Landstraße maximal entspannt anzugehen. Hier findet das Auto den richtigen Weg – zumindest bis zur nächsten Ausfahrt. Trotzdem muss der Fahrer jede Sekunde die Augen auf der Fahrbahn haben und überwachen, ob alles seinen Gang geht. Es wäre schlicht ein Selbstmordkommando, wenn man im nächtlichen Regen mit 220 Sachen durch die Dunkelheit rasen würde.

In den vergangenen Wochen ist es zu zwei tödlichen Unfällen mit Autos gekommen, die automatische Fahrsysteme an Bord haben. Ein Tesla X raste in die Mittelleitplanke, der Fahrer starb. In Arizona tötete ein Roboterauto von Uber während des Test eine Fußgängerin, die mit ihrem Fahrrad die Fahrbahn überquerte. Die Aktie von Tesla brach nach dem verheerenden Unfall ein, Uber darf erstmal keine Autos mehr testen. 

Menschen machen mehr Fehler als Maschinen

In beiden Fällen ist die Sachlage noch nicht endgültig geklärt. Es nicht klar, ob der „Autopilot“ im Tesla überhaupt eingeschaltet war. Vom tragischen Unfall mit Uber gibt es ein Video und Experten bezweifeln, ob ein menschlicher Fahrer in der Lage gehen wäre, die Tragödie zu verhindern. Doch die Debatte um selbstfahrende Autos ist natürlich wieder in Gang gekommen.

Die klassischen Fragen werden diskutiert: Dürfen wir das Steuer einer Maschine überlassen? Darf die Maschine über Leben und Tod entscheiden? Wer ist eigentlich schuld, wenn ein Roboterauto einen tödlichen Unfall verschuldet? Wie wäre es, wenn wir mit folgenden Fakten beginnen: Bis jetzt liegt die die durchschnittliche Unfall-Quote von Autos mit Assistenzsystemen, wie dem im Tesla, dramatisch unter der von „normalen“ Autos. Menschen machen mehr Fehler als Computer. Auch beim Autofahren.

Unfälle passieren vor allem ohne Assistenz-Systeme

Wenn ein Testfahrer während der Fahrt nicht auf die Verkehrssituation achtet, wenn der Fahrer eines Roboterautos abgelenkt ist, weil er seine Bildschirme fixiert – ist dann der Mensch oder die Maschine schuld an den Unfällen? Tesla betont in seinen Betriebsanleitungen, dass seine Autos nicht alleine fahren können. Dass der Fahrer jederzeit in der Lage sein muss, die Herrschaft über das Auto zu übernehmen. Hoffentlich halten sich die Fahrer in Zukunft daran.

Die Maschine wird irgendwann unser Steuer übernehmen. Da ändern auch die Unfälle nichts. Sie wird sich sicherer durch den Verkehr bewegen als es ein Mensch jemals könnte. Der Weg dorthin ist kompliziert, weil der Mensch nicht gerne das Steuer aus der Hand gibt. Wie im Flugzeug. Es wird leider immer wieder zu Zwischenfällen kommen. Gleichzeitig zu noch viel mehr Unfällen, die ohne Fahrassistenzsysteme passieren. Schuld hat in den allermeisten Fällen der Mensch. Auch bei den Beulen beim Einparken. 

Bis alle Autos automatisch bleibt noch etwas Zeit für gute Musik. Michael Wollny spielt – und in der Nacht erscheint ein Licht.

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