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Der Elektro-Hoffnungsträger von Mercedes floppt

Mit großem Aufwand bewirbt Mercedes sein lange erwartetes Elektroauto. Doch die Zulassungszahlen des EQC sind vernichtend. Das liegt vor allem an Versäumnissen des Herstellers.

Das ist er also. Der EQC. Überall sieht man ihn, den ersten rein elektrischen Mercedes. In TV-Spots, auf Kino-Leinwänden oder gigantisch großen Plakaten. Nur auf den Straßen, da scheint er noch unsichtbar. Kein Elektro-Mercedes weit und breit.

Dabei wird das Auto nicht nur groß beworben, sondern auch schon seit einigen Monaten ausgeliefert. Und bei der letzten großen E-Auto-Premiere, die Deutschland in diesem Jahr erlebte, fuhren schon nach wenigen Wochen zahlreiche Model 3 von Tesla durch die Gegend. Wo also sind die Elektro-Modelle aus Stuttgart?

Vom Autobauer selbst gibt es dazu keine zielführenden Informationen. Mercedes erklärte auf Anfrage von WELT, dass man die Zulassungszahlen nicht weiter aufschlüsseln könne. Bei Nachfragen zu diesen Zahlen möge man sich bitte direkt an das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wenden. Doch auch dort gab es keine schnelle Antwort. Die unklare Datenlage liege wahrscheinlich darin begründet, dass die Zulassungszahlen noch extrem gering seien. Womöglich seien sie zweistellig, erklärten die Beamten.

Ihre Vermutung wich wenige Tage später Gewissheit. Für das angefragte Spitzenmodell EQC der AMG-Linie kommt das KBA nach genauer Zählung im November auf 19 Pkw. Für die gesamte elektrische Baureihe stehen 55 Fahrzeuge in der KBA-Datenbank.

Audi kam im ersten Monat schon auf ein Vielfaches

Natürlich sind die Stückzahlen der zugelassenen Elektrofahrzeuge hierzulande grundsätzlich noch sehr gering. Doch die EQC-Zahlen liegen bemerkenswert niedrig. Der direkte Konkurrent, Audis E-tron, kommt auf deutlich höhere Zahlen. Hiervon wurden im November 192 Stück zugelassen. Der Wagen ist zwar schon einige Monate länger auf dem Markt, doch auch das relativiert die Mercedes-Bilanz nicht. Denn im März, dem ersten echten Zulassungsmonat des Elektro-Audis, zählte die KBA schon 478 Autos.

Warum kein deutscher Autobauer Tesla so schnell schlagen kann

Schon oft wurde das Ende von Tesla beschworen. Zuletzt hatte das Unternehmen von Elon Musk wieder Gewinne eingefahren. Und zwar aus guten Gründen.

Doch ob 19 oder 500 Autos im Monat, fest steht, dass Elektromobilität in der Nische feststeckt. Bis Ende November wurden in Deutschland in diesem Jahr 57.533 reine E-Autos zugelassen. Zum Vergleich: Insgesamt waren es knapp 3,6 Millionen Pkw.

Branchenexperten kritisieren, dass die Stagnation auch hausgemacht sei. Vor allem Daimler fahre keine nachhaltige Elektro-Strategie. „Der Konzern macht mit diesem Modell nicht wirklich Elektro“, sagt Alexander Eisenkopf. Der Verkehrswissenschaftler von der Zeppelin Universität konstatiert, dass man bei Mercedes nicht mit Herzblut bei der Sache sei.

Der Konzern beziehe den gesamten Antriebsstrang des EQC vom Zulieferer ZF aus Friedrichshafen. „Wenn ein Automobilunternehmen sein zentrales Bauteil – Motor und Antriebsstrang – als Zulieferteil mit einer ‚fremden‘ Technologie einbaut, wird die DNA des Unternehmens nachhaltig gestört.“

Die DNA wird demnach noch lange nicht elektrisch sein, was die Zulassungszahlen eines anderen Mercedes-Modells zeigen. Der GLC, das Verbrenner-Pendant zum EQC, wurde im November 4541 mal verkauft.

Byton, NIO, Tesla – was die neuen Autohersteller besser machen

Die etablierten Autobauer stecken in alten Denkmustern fest und schaffen es nicht, sich selbst zu erneuern. Beim Thema Software sind sie bisher hoffnungslos unterlegen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Bild: Daimler AG

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