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Warum braucht das VW-Shuttle Moia so lange für den Start?

Mit großen Ankündigungen ist die neue VW-Marke Ende 2016 gestartet, dieses Jahr sollten die ersten Shuttles auf die Straße kommen. Daraus wird wohl nichts.

Vor einem halben Jahr klang Ole Harms sehr zuversichtlich: „Mit unserem Ride-Pooling-Konzept sind wir ab 2018 bereit, international durchzustarten und unser Ziel zu verwirklichen, bis 2025 die Städte Europas und der USA um eine Million Fahrzeuge zu entlasten“, sagte der CEO von Moia, der neuen Mobilitätsmarke von Volkswagen. Damals präsentierte die Konzerntochter in Berlin das erste Fahrzeug für den Moia-Shuttle. Volkswagen hat den Van mit Platz für sechs Personen extra für den neuen Service konzipiert, der 2018 in Hamburg regulär starten sollte.

Den sogenannten Kleinbus sollen Pendler über eine App bestellen können, einen festen Fahrplan gibt es nicht. Das Prinzip dahinter heißt On-Demand. Ein Algorithmus führt Reisende mit einer ähnlichen Route zusammen. Das soll die Anzahl der privaten Autos in der Stadt reduzieren – und die Luft in den Innenstädten besser machen.

Ein Test läuft derzeit in Hannover. Zuletzt wurde die Fahrzeugflotte dort von 20 auf 35 aufgestockt. Der Probelauf in der niedersächsischen Landeshauptstadt sei ein wesentlicher Baustein für den Shuttle-Service in Hamburg, heißt es bei Moia. Dort soll der Dienst erstmals kommerziell starten. Doch so schnell wie 2017 angekündigt, geht es dann wohl doch nicht. Statt 2018 soll der Service in der Hansestadt erst am 1.1.2019 starten. Das geht aus einer kleinen Anfrage des FDP-Abgeordneten Ewald Walkes an den Hamburger Senat hervor. Demnach soll die Betriebsaufnahme dann zunächst mit circa 100 Fahrzeugen erfolgen, die Fahrzeugflotte schrittweise auf bis zu 1.000 Fahrzeuge ausgebaut werden. Ende 2018 werde lediglich eine Testflotte mit 20 Shuttles auf die Straße geschickt. Weil die dafür erhobenen Ticketpreise die Betriebskosten nicht übersteigen, braucht Moia hierfür keine Genehmigung.

Nicht nur gesetzliche Hürden

Das hat verschiedene Gründe, einer davon: Die bürokratischen Hürden sind enorm. Da bekam auch das Berliner Startup Clevershuttle zu spüren, als es 2014 startete. Mit jeder einzelnen Stadt musste das Unternehmen, das seine Elektroautos inzwischen in Berlin, Hamburg, Leipzig, München und bald auch in Stuttgart auf der Straße hat, einzeln verhandeln. Erst dann konnte es dort starten.

Einfach ist der Betrieb auch heute noch nicht. In Berlin und Hamburg fährt Clevershuttle auf Grundlage der Experimentierklausel. Die erlaubt einen Testbetrieb über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren, dann muss neu entschieden werden. Überall müssen die Fahrzeuge, wenn sie keinen direkten Folgeauftrag haben, nach jeder Fahrt wieder zurück ins Depot. Auch wenn das einen Umweg bedeutet. So will es das Gesetz.

Trotz der Hürden kann Clevershuttle Erfolge nachweisen. Am Wochenende sei man mit 2,5 Fahrten pro Stunde bereits profitabel, heißt es. Mehr als 250.000 Fahrgäste hätten den Dienst im letzten Jahr genutzt. Das Berliner Unternehmen ist bisher das einzige hierzulande, das seinen Dienst regulär an sieben Tagen die Woche anbietet. Und ist damit den etablierten Unternehmen voraus.

Den Wettbewerb mit neuen Anbietern wie Moia scheut Clevershuttle-CEO Ginnuth nicht. Grundsätzlich begrüße er Konkurrenz. Was ihn allerdings ärgere, sei die „Rosinenpickerei“, die Moia betriebe. Die VW-Tochter müsse sich – wie Clevershuttle und andere Mietwagenanbieter auch – an die geltenden Vorschriften halten, fordert er.

Taxibranche wettert gegen neue Wettbewerber

Damit ist Ginnuth ausnahmsweise auf der gleichen Linie wie die Taxiverbände, denen die Wettbewerber ein Dorn im Auge sind. Neben den geltenden Gesetzen macht die Taxi-Lobby es den neuen Anbietern schwer und verteidigt den streng regulierten Markt glühend. Die Mitfahrdienste kauften sich Marktanteile, wettert der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands, Michael Müller. Und zwar dort, wo man das meiste Geld machen könne: in den Innenstädten, zu bestimmten passagierstarken Zeiten, kritisiert er. Brancheninsidern zufolge gilt es als sicher, dass die Taxi-Verbände Klage einreichen werden, sobald das Genehmigungsverfahren für Moia in Hamburg abgeschlossen ist. Auch deshalb wollen sich die zuständigen Behörden wohl keinen Fehler erlauben. 

Mit der neuen Regierung könnte allerdings Bewegung in die festgefahrene Branche kommen. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD heißt es zumindest, man werde „das Personenbeförderungsrecht modernisieren und die Rahmenbedingungen für den öffentlichen Verkehr und neue Bedienformen im Bereich geteilter Nutzungen (Ride Pooling) an die sich ändernden Mobilitätsbedürfnisse der Menschen und neue technischen Entwicklungen anpassen.“ Richtig konkret ist das nicht. Was das heißen könnte, deutet aber der Digital- und Verkehrsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Thomas Jarzombek (CDU) an. Er drängt schon seit einiger Zeit auf eine Modernisierung des Gesetzes. Ihm gehe es zunächst vor allem darum, offenkundig veraltete Regeln über Bord zu werfen. „Vorgaben wie die Rückkehrpflicht für Mietwagen taugen heute nur noch als Abwehrmaßnahme für vermeintlich unbeliebte Wettbewerber“, sagte er.

Und davon gibt es einige: Neben Clevershuttle und Moia steht beispielsweise auch die Daimler-Tochter Moovel in den Startlöchern; die Berliner Verkehrsbetriebe BVG haben angekündigt, im März dieses Jahres gemeinsam mit ViaVan einen ähnlichen Service in der Hauptstadt starten zu wollen, auch das zu Daimler gehörende MyTaxi bereitet ein Pooling-Angebot vor. Vorbild ist das von Skandalen geschüttelte Silicon-Valley-Startup Uber, das mit UberPool einen Ridesharing-Dienst in den USA betreibt. Langfristig soll der Service auch nach Deutschland kommen. Fest steht: Der Kampf um die Pole Position auf dem Ridesharing-Markt hat gerade erst begonnen.

Bild: Moia

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