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Diese Gründerin will Logistik-Konzernen Effizienz beibringen

Monja Mühling hat große Ambitionen: die Logistikbranche wirtschaftlicher machen. Ihre Software Smartlane sei dafür ein „mächtiges Tool“, glaubt die Münchnerin.

Bis zu drei Millionen Lastkraftwagen führen auf Deutschlands Straßen jährlich Hunderte Millionen Fahrten durch – eine enorme Summe. Monja Mühling will Firmen helfen, ihre Lkw nicht öfter als nötig loszuschicken und hat dazu die Software Smartlane entwickelt. 

Hinter dem gleichnamigen Startup stehen neben Mühling, einer studierten BWLerin und Mutter eines Kleinkindes, die Informatiker Florian Schimandl und Mathias Baur. Seit 2015 arbeiten sie an ihrer Idee, den ersten zahlenden Kunden gewannen sie zwei Jahre später. Inzwischen nutzen nach Angaben des Startups zahlreiche Großunternehmen das Tool, darunter der Handelskonzern Metro. Ein Family Office, der Hamburger Mobility Fund und der Next Logistics Accelerator finanzierten das Startup mit einer sechsstelligen Summe. Profitabel sei das Geschäft allerdings noch nicht, so Mühling im Gespräch mit Gründerszene. 

Monja, dein Startup bietet „Transport Mining“ an. Was genau ist das?

Unternehmen, die Transporte durchführen, können mit Smartlane ihre Transportprozesse optimieren. „Transport Mining“ ist Bestandteil unserer Software. Sie kann in kürzester Zeit ermitteln, wie Firmen ihr Personal und ihre Flotten optimal für die bestehenden Aufträge einsetzen können. So können sie bis zu 30 Prozent der Kosten einsparen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Nehmen wir als Beispiel einen Paketdienstleister. Er hat eine Auftragsliste, aus der Smartlane unter anderem die Adressen, Lieferzeitfenster, Präferenzen des Endkunden, Kapazitäten der Fahrer und die Größe der Flotte übernimmt. Daraus berechnet der Algorithmus die jeweils bestmöglichen Transportabläufe. Die können sofort an die Smartphones der Fahrer weitergeleitet werden. Nun kann der Fahrer seine Auftragsliste einfach abfahren und wird dabei auch getrackt.

Warum wird er getrackt?

So kann die Software den Echtzeit-Status überwachen und rechtzeitig reagieren, wenn etwas schiefgeht. Ist etwa viel Verkehr, kann Smartlane eine andere Route vorschlagen und gegebenenfalls dem Kunden eine Nachricht schicken, dass sich das Lieferfenster nach hinten verschiebt.

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Die Software klingt komplex. Wie habt ihr sie entwickelt?

Wir haben sie komplett in Eigenregie gebaut. Mein Mitgründer Mathias ist promovierter Datenwissenschaftler und hat das Optimierungsverfahren basierend auf seiner Dissertation entwickelt. 2016 haben wir mit der Entwicklung angefangen. Wir haben aber schon davor Marktrecherchen gemacht und Feedback von Pilotkunden eingeholt. So sind wir nach und nach zu diesem mächtigen Tool gekommen.

Ein Tool wie eures kam bestimmt auch in der Weihnachtszeit zum Einsatz, als deutlich mehr online bestellt wurde als sonst.

Ja, definitiv. Ohne uns wüssten viele unserer Kunden gar nicht, wie sie solche Phasen bewerkstelligen sollen. Viele wissen zwar, dass sie etwas verändern müssen, aber nicht, an welchen Stellschrauben sie drehen sollen.

Was ist denn ein typischer Fehler, den Transportunternehmen machen?

Zum Beispiel die Tourenplanung von Speditionen, eine große Kundengruppe von uns. Da werden die Routen teils jahrelang nicht angepasst, obwohl sie ineffizient sind. Bei 50.000 Aufträgen pro Tag ist es für einen Menschen eben schwierig, zu identifizieren, welcher Fahrer bei welchem Auftrag Zeit einsparen kann. Unsere Software erkennt es in wenigen Minuten. Zum Beispiel schlägt sie dann vor, das Anliefern und Abholen bei einem Kunden mit nur einer Tour abzuwickeln statt zwei Touren zu fahren.

Inzwischen kaufen 92 Prozent der Internetnutzer auch online ein – eine Herausforderung für die Logistikbranche. Wie kann die Lieferung in Zukunft funktionieren, wenn der Onlinehandel noch weiter wächst?

Wir arbeiten bereits an neuen Lösungen. Beispielsweise stehen wir mit einem potentiellen Kunden in Kontakt, der mit Smartlane Drohnen steuern möchte. Das Konzept soll in Deutschland im ländlichen Gebiet eingesetzt werden, weil die Lieferung per Fahrer dort nicht mehr effizient ist.

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Bild: Smartlane

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