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Warum die Deutsche Bahn jetzt in Raumfahrt-Startups investiert

Die Bahn plant satellitengestützte Echtzeitkommunikation und will Güterzug-Container vernetzen. Reisende werden wohl kaum von der neuen Technologie profitieren.

Die Deutsche Bahn setzt auf Nanosatelliten-Technologie aus Kanada. Das Startup Kepler Communications soll der Bahn eine unterbrechnungsfreie Echtzeitkommunikation garantieren – unabhängig von Mobilfunkmasten, Ländergrenzen und Roaming-Abkommen.

Der Staatskonzern hat sich bereits im Oktober 2018 an einer A-Finanzierungsrunde über 16 Millionen US-Dollar an Kepler beteiligt. Angeführt wurde die Runde von Costanoa Ventures. Der Anteil der Bahn wurde nicht mitgeteilt. In einer vorangegangenen Seed-Runde hatte Kepler bereits fünf Millionen US-Dollar eingesammelt.

Internet für Eisbrecher

Das kanadische Raumfahrt-Startup hat bereits einen ersten Satelliten in den Orbit geschickt, um eine Datenverbindung zu den Polen der Erde aufzubauen. Es kann mit seiner Technologie Daten mit bis zu 40 Megabits pro Sekunde senden und empfangen. Das sei vergleichbar mit dem Sprung von 3G zu 4G im Mobilfunk, heißt es bei Kepler. „Wir haben mit Eisbrechern, Öltankern, Tourismusunternehmen, Reedereien und wissenschaftlichen Organisationen gesprochen, die alle an den Polen tätig sind", nennt Kepler-CEO Mina Mitry in einer Mitteilung Anwendungsfälle für die neue Daten-Technologie.

Für das künftige Kommunikationsnetzwerk, an dem auch die Deutsche Bahn partizipieren soll, will Kepler eine Konstellation von 140 Kleinsatelliten in der Größe von Brotdosen in eine erdnahe Umlaufbahn schießen. Die satellitenbasierte IoT-Lösung ermöglicht den Kunden des Startups, zum Beispiel den Standort von Zügen zu bestimmen und den Zustand von Waren bei einem Transport mit Güterzügen oder LKW durch mehrere Länder zu überwachen. So könnten ab 2022 rollende Container über Sensoren nahezu in Echtzeit kommunizieren. Für Logistikkunden würde das eine lückenlose Sendungsnachverfolgung ermöglichen – selbst in Gegenden ohne Mobilfunknetz.

Ob von der Satellitentechnologie auch Reisende profitieren werden, die bei Edge-Empfang in Intercitys sitzen, ist unwahrscheinlich. Das System sei in der Lage, bei der digitalen Vernetzung „von Anlagen jeglicher Art Empfangslücken am Boden zu schließen“. Damit meint die Bahn aber vor allem „internationale Warentransporte, nicht im Personenverkehr in Deutschland", teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit.

Ein weiterer New-Space-Partner der Deutschen Bahn ist das im konzerneigenen Inkubator Mindbox gewachsene Berliner Start-up Live EO. Die Software von Daniel Seidel und Sven Przywarra wertet Satellitendaten automatisiert aus. Für die Bahn analysieren die Gründer den Bewuchs an Bahnstrecken, damit keine Bäume auf die Gleise fallen können.

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Bild: Kepler Communications

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