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Offene Kautionen, Insolvenzverwalter bestellt – Obike in der Krise

In München hatten die Leihräder für Ärger gesorgt. Jetzt wurden am Firmensitz in Singapur zwei Insolvenzverwalter für Obike bestellt. Das Startup schweigt.

Das Leihrad-Unternehmen Obike mit Hauptsitz in Singapur steckt Medienberichten zufolge in finanziellen Schwierigkeiten. Es geht demnach vor allem um offene Zahlungen an Kunden.

Kurz nachdem die örtliche Verkehrsbehörde LTA (Land Transport Authority) eine Leihfahrrad-Gebühr eingeführt hatte, teilte das Startup am 25. Juni mit, seinen Dienst in Singapur einzustellen. Nutzer forderten daraufhin ihre Kautionen in Höhe von jeweils bis zu 49 Singapur-Dollar zurück (umgerechnet knapp 31 Euro).

Die Rückzahlung dieser Kautionen steht laut dem Lokalmagazin Today noch aus. Insgesamt steht Obike demnach mit 6,3 Millionen Singapur-Dollar (3,95 Millionen Euro) in der Schuld seiner Nutzer. Zwei Insolvenzverwalter seien bestellt, heißt es weiter. Aus deren Stellungnahmen geht allerdings hervor, dass unklar ist, ob das Startup seine Kautionsschulden überhaupt begleichen wird.

Noch immer ist Obike mit zehntausenden stationslosen Leihrädern auf den Straßen Singapurs vertreten. Das Unternehmen hat davon nach Angaben der Verkehrsbehörde gerade einmal 1.000 Räder beseitigt. Für die Räumung der verbleibenden Masse hat die LTA dem Startup bis Ende dieses Monats Zeit gegeben.

In Deutschland mussten Fahrer für die Obike-Nutzung eine Kaution in Höhe von 79 Euro hinterlegen. Einen Rückzug seiner Bikes hatte das Startup auch hierzulande vorgesehen: Nur sechs Monate nach dem Start im August 2017 kündigte es im vergangenen März an, 6.000 seiner 7.000 Räder aus München abziehen und sie auf andere Städte verteilen zu wollen. Der Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen, wie die Münchner Zeitung tz berichtet: Die Fahrräder stehen und liegen weiterhin überall herum – und die Stadt erreicht das Unternehmen nicht, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Der Münchner Radverkehrsbeauftragte, Florian Paul, sagte der Zeitung: „Obike stellt sich tot.“

In Deutschland ist das Unternehmen „zurzeit nicht erreichbar“

Schon der Deutschlandstart von Obike war holprig verlaufen. Die Münchner klagten über massenhaft herumstehende Fahrräder des Leihrad-Anbieters. Im Interview mit NGIN Mobility und Gründerszene gelobte der damalige Deutschlandchef Marco Piu, der mittlerweile das Unternehmen verlassen hat, kurz darauf Besserung. Ziel des Anbieters sei es, bis Ende 2018 in den wichtigsten europäischen Städten präsent zu sein.

In Berlin war der Anbieter mit den gelb-grauen Rädern mitten im Herbst 2017 gestartet, nicht gerade zur Fahrrad-Hochsaison. Offenbar wollte man sich beeilen, um möglichst schnell auch in der Hauptstadt verfügbar zu sein. Konkurrenz gibt es in Berlin reichlich: Leihfahrräder können sich Pendler hier beispielsweise auch von Mobike, Ofo, Nextbike und Lidl leihen.

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Wie es mit Obike in Deutschland weitergeht, ist derzeit nicht abzusehen. Die PR-Agentur des Startups gibt an, seit Mai nicht mehr für das Startup zuständig zu sein. Aktuelle Ansprechpartner seien nicht bekannt. Die auf der Webseite des Anbieters angegebene Nummer ist „zurzeit nicht erreichbar“. In der Mitteilung zum Aus in Singapur hieß es lediglich: „Die Entscheidung wird Obikes Aktivitäten in anderen Ländern nicht beeinflussen.“ Die deutsche Facebook-Seite des Anbieters war in den letzten Tagen noch aktiv.

Bild: Getty Images / Brook Mitchell; Update: In der ersten Version dieses Artikels stand, Obike-Nutzer müssten in Deutschland keine Kaution hinterlegen. Tatsächlich ist eine Kaution aber auch hierzulande Voraussetzung für die Obike-Nutzung. Der Fehler wurde berichtigt.

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