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Warum zwei chinesische Milliarden-Startups um Berlin kämpfen

Unter dem Namen Ofo startet ein neuer Bike-Sharing-Anbieter. Um sich durchzusetzen, will das Milliarden-Startup nun mit Berliner Hipstern ins Gespräch kommen.

Berlin ist im Visier der Bikesharing-Anbieter. Nun startet auch der hoch bewertete chinesische Leihradanbieter Ofo in der Bundeshauptstadt. An diesem Freitag werden die ersten knallgelben Ofo-Bikes in der Stadt verteilt, zunächst in den Bezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg. Man wolle mit einer kleinen Anzahl von Rädern starten und die Flotte dann auf etwa 2.000 Fahrzeuge aufstocken, sagt Ofo-Deutschland-Managerin Alex Cappy gegenüber NGIN Mobility und Gründerszene. Im Laufe der Zeit solle das Angebot dann auf das ganze Stadtgebiet ausgeweitet werden. Wie viele Räder es insgesamt einmal werden sollen, hänge von der Nachfrage ab.

Gegründet 2014 von fünf Mitgliedern des chinesischen Fahrradklubs an der Universität Peking hat Ofo Mitte 2015 die ersten Räder in der chinesischen Metropole verteilt. Wenige Monate später hatten sich bereits 20.000 Nutzer in der App registriert. Mittlerweile ist Ofo laut eigener Angabe in 21 Ländern und mehr als 250 Städten aktiv. Mehrere Millionen Menschen nutzen täglich die knallgelben Leihräder, gibt das Unternehmen an. Ofo hat bis dato insgesamt 2,2 Milliarden US-Dollar Risikokapital eingesammelt. Zu den Investoren gehören der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba und das chinesische Uber, Didi Chuxing. Als härtester Wettbewerber gilt das ebenfalls vor wenigen Monaten in Berlin gestartete Unternehmen Mobike. In Asien liefern sich die beiden Unternehmen gemeinsam mit weiteren kleineren Anbietern seit Monaten eine Schlacht um den hart umkämpften Markt.

Eigenes Design für den deutschen Markt

Ausgeliehen werden können die Ofo-Räder per App. Wie die meisten anderen privaten Wettbewerber setzt das Startup auf ein Free-Floating-System. Das heißt, die Bikes können überall entliehen und auch abgestellt werden. In Berlin beträgt die Ausleihgebühr 80 Cent pro 20 Minuten. Für den deutschen Markt habe das Unternehmen ein eigenes Rad entworfen, das den hiesigen Anforderungen gerecht werden solle, teilt Ofo mit. Das sei auch der Grund, warum man erst jetzt, nach vielen anderen, in der Hauptstadt starte. Die Entwicklung des Rads hätte zusätzliche Zeit in Anspruch genommen, nun entsprächen die Bikes den europäischen Normvorgaben. Sie verfügen demnach über eine 3-Gang-Schaltung, alle nötigen Lampen und Reflektoren sowie eine Vollgummibereifung. Damit will das Unternehmen möglichen Kritikern zuvorkommen. Vielfach wurden die „Billig-Räder" der asiatischen Konkurrenz in der Vergangenheit kritisiert. Der Zweirad-Industrieverband (ZIV) warnte vor „massiven Sicherheitsmängeln“, besonders bei den „lichttechnischen Einrichtungen“.

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Punktesystem zur Erziehung der Nutzer

Nicht nur durch die extra für Berlin designten Fahrräder will sich Ofo von seinen Wettbewerbern abheben. Man setzte auf einen engen Dialog mit den Berlinerinnen und Berlinern, so das Unternehmen. Der Bedarf in den jeweiligen Stadtteilen solle durch Gespräche mit Anwohnern ermittelt werden. Damit wolle man verhindern, dass die Straßen mit Leihrädern überflutet werden, verspricht das Unternehmen. Hierfür setze Ofo eigene Scouts und Ansprechpartner ein, die neben dem operativen Service-Team mit den Bewohnern in Friedrichshain und Prenzlauer Berg sprechen. Wie viele Mitarbeiter insgesamt in Berlin für Ofo unterwegs werden, sagte Ofo-Managerin Alex Cappy, die früher unter anderem bei Uber und Deliveroo gearbeitet hat, auf Nachfrage allerdings nicht. 

Außerdem versucht Ofo mit einem Punktesystem die Nutzer dazu zu bringen, sich an die Regeln zu halten. Wer das Rad beschädigt oder falsch abstellt, bekommt Minuspunkte. Nutzern, die zu viele davon sammeln, wird zur Strafe der Account gesperrt. Auch Pluspunkte werden vergeben. Was die bringen, ist derzeit allerdings noch nicht klar. Langfristig sollen sie gegen Rabatte oder Prämien eingetauscht werden können, heißt es. Auch Wettbewerber Obike, der kürzlich in München seine Flotte drastisch reduziert hat, setzt auf ein ähnliches System.

Ofo-Managerin Cappy hofft, das Unternehmen in der Hauptstadt etablieren zu können. Auch eine Kooperation mit der BVG schließt die sie nicht aus. Sie sei Fan von den Berliner Verkehrsbetrieben. Schließlich hätten die eine tolle Farbe, sagt Cappy mit einem Augenzwinkern.

Bilder: Ofo

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