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Oply im Test – wie gut ist der neue Carsharingservice?

Wenn das Mietauto streikt und das Handy keinen Empfang hat – im brandenburgischen Wald stand unser Reporter plötzlich vor einer neuen Herausforderung.

Oply ist ein im letzten Jahr gegründeter Carsharingservice. Die Muttergesellschaft hört auf den Namen Examotive S.A, sitzt in Luxemburg und hat unter anderem den chinesischen Autohersteller SAIC als Investor. Das Angebot von Oply unterscheidet sich etwas von allen anderen Carsharinganbietern. Die Autos sind nicht „free floating“ aber auch nicht an eine Station gebunden. Sie werden in sogenannten Nachbarschaftszonen geparkt. Diese Zonen umfassen einen mehrere Straßenzüge großen Bereich, in dem man das Auto abholen und abstellen kann.

Angeboten werden neben normalen Mittelklassefahrzeugen auch Lieferautos und Sportwagen. Die Reservierung kann mehrere Wochen im Voraus erfolgen und man kann die Fahrzeuge auch für einen längeren Urlaub reservieren. Ebenfalls praktisch ist es, dass man das Auto auch ins EU-Ausland ausleihen kann.

Günstiges Angebot

Die Kosten für den Spaß sind überschaubar. Ein Wagen der Kategorie „Family“ kostet entweder sechs Euro die Stunde oder 45 Euro pro Tag. Dazu kommen ab 150 Kilometer noch mal rund 19 Cent pro Kilometer. Getankt wird über eine Tankkarte. Zum Vergleich: Bei Stadtmobil zahlt man 36 Euro für einen Kombi. Allerdings zahlt man für jeden gefahrenen Kilometer noch mal 26 Cent. Bei 150 Kilometer wären das weitere 39 Euro. Bei Cambio wären es in der Preisstufe M 29 Euro plus 33 Euro für die 150 Kilometer. Oply ist also relativ günstig.

Ein kurzer Test sollte dann zeigen, wie gut und bequem Oply funktioniert. Problemlos konnte einige Tage vorher reserviert werden. Meine Wahl fiel auf einen Mazda MX5, mit dem ich ein paar Stunden außerhalb von Berlin verbringen wollte. Bei der Reservierung legt man auch fest, in welcher Nachbarschaftszone man das Fahrzeug abholen und wieder abgeben will.

Nicht so gut gefallen hat mir die Tatsache, dass man erst eine Stunde vor Mietbeginn erfährt, wo das Auto abgestellt ist. Das ist etwas knapp, denn man muss ja erst einmal ohne Auto zum Auto kommen. In meinem Fall löste ich das Problem, indem ich mir bei DriveNow ein Auto auslieh um zum ausgeliehenen Oply zu kommen, der weit weg von allen U-Bahnstationen geparkt war. Vielleicht sollte man versuchen, die Autos wenigstens in die Nähe von U-Bahn oder Busstationen zu bringen.

Die Ausleihe selber war dann problemlos, eine kleine Frage bezüglich zur Handhabung des Fahrzeugs konnte innerhalb kürzester Zeit durch die Hotline geklärt werden. Und die Hotline war es dann auch, die später noch mal wichtig werden sollte.

Kein Telefonempfang – Kein Auto

Denn in Brandenburg ergab sich dann ein auf den ersten Blick fast unlösbares Problem. Wir wollten eine kurze Rast einlegen und uns die Beine vertreten. An einem kleinen Waldparkplatz hielten wir und stiegen aus. Die Zündung schaltete ich mit dem Start/Stop-Knopf aus, ließ das Auto aber unverschlossen, weil wir in Sichtweite vom Fahrzeug blieben. Als wir 20 Minuten später das Auto wieder starten wollten, ging das nicht. Im Display stand nur „Kein Kontakt zum Schlüssel“.

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Das Problem war mir schnell klar. Oply nutzt das Smartphone als Schlüssel für das Auto. Das geht im Fall von Oply aber nur, wenn das Telefon auch Empfang hat. Der Schlüssel wird also für die Dauer der Vermietung nicht lokal im Smartphone gespeichert. Da wir in Deutschland und dazu noch in Brandenburg waren, gab es kein Internet. Nicht mal Edge. Wie sich dann rausstellte, hatte ich auch keinen GSM-Empfang und konnte nicht die Hotline anrufen. Mit anderen Worten: wir saßen mitten in Brandenburg an einer abgelegenen Stelle fest. (Danke auch an O2 an dieser Stelle).

Das Problem ließ sich durch einen Spaziergang lösen. Ich bin einfach, leicht genervt, so lange an der Straße in Richtung der nächsten Ortschaft gelaufen, bis ich wieder Telefonempfang hatte. Dem Mitarbeiter gelang es dann per Fernwartung, den Wagen zu entsperren, so dass der Motor wieder gestartet werden konnte. Am Ende ist nichts passiert, aber ärgerlich war es doch. Es würde nicht passieren, wenn wie bei Sixt Share oder Car2Go ein Schlüssel im Auto vorhanden wäre.

Die Rückgabe war dann wieder problemlos. Die 12-stündige Miete des Mazda kostete mich am Ende 61,54 Euro. Das ist durchaus in Ordnung. Ein eigenes Auto kostet, mit allen Kosten, rund 25 Cent pro Kilometer, was sich bei meiner Fahrt von 200 Kilometern auf rund 50 Euro summiert hätten.

Fazit

Ein bisschen Feintuning, vor allem bei der Abholung in den Nachbarschaftszonen kann nicht schaden. Wenn man nicht gerade in so einer Zone wohnt, dauert es, bis man das Auto erreicht, wenn dieses nicht in der Nähe einer ÖPNV-Station abgestellt ist. Der Service stimmt, die Preise auch. Oply deckt, wie andere Anbieter auch, eine Lücke für Leute ohne Auto ab, die mal ein verlängertes Wochenende auf dem Land verbringen wollen. Dabei liegen die Preise etwas unterhalb der Konkurrenz.

Bild: Oply

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