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Das Autodaten-Startup Otonomo greift Google und Apple an

Das israelische Startup Otonomo will einen Marktplatz für Fahrzeugdaten aufbauen. Damit hilft es Autokonzernen, sich gegen Google und Apple zu verteidigen.

Autofahren wird zunehmend zu einem Daten-Business. Vernetzte Autos sind voller Sensoren, die bis zu 25 Gigabyte pro Stunde erzeugen. Autonome Fahrzeuge produzieren 4.000 Gigabyte pro Tag. Das Potenzial dieser Daten wird bislang kaum genutzt. Ben Volkow will das ändern und baut darum seit 2015 einen Marktplatz für Fahrzeugdaten auf. Sein Startup Otonomo sammelt, aggregiert und verarbeitet die Fahrzeugdaten. Er will sie an ein entstehendes Ökosystem von Dienstleistungsanbietern verkaufen.

Im Interview mit dem Blog „2025 AD“ des Tech-Konzerns Continental erläuterte er jetzt seine Strategie. „Otonomos Mission ist es, Fahrzeugdaten für Fahrer, Passagiere und das gesamte Transport-Ökosystem so wertvoll wie möglich zu machen“, sagt der Gründer. Das helfe Autoherstellern, die Hoheit über die Fahrzeugdaten gegenüber Konzernen wie Google und Apple zu verteidigen.

„Der vielleicht wichtigste Anwendungsfall ist der Rettungsdienst“, sagt Volkow. Das vernetzte Auto mit automatischer Crash-Erkennung kann Ersthelfer informieren – über die Stärke des Aufpralls, wie viele Personen im Auto sind, ob sie angeschnallt waren, ob und wie oft sich das Auto überschlug.

Ein anderer Nutznießer sind vernetzte Städte (Smart Cities). Sie können aus den Fahrzeugdaten lesen, wo Staus entstehen oder Schlaglöcher ausgebessert werden müssen. Sie erfahren, welche Straßen zu welchen Zeiten wie stark befahren werden. Versicherungen können von Fahrzeugdaten ebenso profitieren wie Flottenmanager und Anbieter von Carsharing-Diensten.

Ökosystem mit 75 Partnern

Volkow weiß, dass vernetzte Autos zunehmend in das Leben der Menschen eindringen, die sie fahren. Deshalb will er erreichen, dass die Autofahrer der Zukunft an ihrer Mittelkonsole „kleben“ wie heute die Nutzer von Smartphones – erst recht der gelangweilte Passagier eines selbstfahrenden Autos. Er sollte keinen Grund haben, während der Fahrt auf sein Telefon zu schauen, sagt Volkow.

Otonomo hat bereits ein Ökosystem von mehr als 75 Partnern aufgebaut, darunter sollen sich einem Bloomberg-Bericht zufolge auch zehn Autohersteller befinden, die Daten bereitstellen und vermarkten oder andersweitig nutzen – darunter Daimler, an dessen Acceleratorprogramm „Startup Autobahn“ Otonomo 2016 teilnahm.

Bliebe noch der Autofahrer: Volkow weiß, dass sein Geschäftsmodell davon abhängt, dass der Autofahrer der Datennutzung zustimmt. Deshalb verfolgt seine Plattform den Ansatz von „Privacy by design“. Die Europäische Datenschutzrichtlinie wertet der Gründer als ein „großartige Gelegenheit für uns, die Fahrer und ihre Daten zu schützen“.

Das dritte Startup des Gründers

„Unser Geschäft wird sich mit dieser Innovation weiterentwickeln und neue Wege finden, automobile Daten zum Nutzen der Fahrer und des Transport-Ökosystems zu nutzen. Als Beispiel nennt er Sensoren, die Daten über den Verschleiß liefern und damit den Fahrer rechtzeitig warnen können, bevor eine kostspielige Reparatur fällig wird. Volkow sieht einen „neuen Markt für Fahrzeugdaten und Erkenntnisse“, von dem Autofahrer wie Autohersteller und andere Stakeholder der Mobilität profitieren können.

Auf die Idee für Otonomo kam Volkow bei seinem früheren Startup Traffix Systems, als BMW dort um Hilfe beim Aufbau einer Datenbank für vernetzte Autos bat. Das war der Einfall, auf den er gewartet hatte. Er kündigte und gründete 2015 Otonomo. Ben Volkow hat drei Unternehmen gegründet.

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Vor der Gründung von Otonomo war er vier Jahre lang als Manager beim börsennotierten App-Dienstleister F5 Networks tätig, die das Startup Traffix Systems übernommen hatten, wo er Mitbegründer und CEO war. Davor hatte er bereits das Startup Sedona Networks gegründet. Das Startup hat sich in drei Finanzierungsrunden insgesamt 43 Millionen US-Dollar Wagniskapital gesichert.

Bild: Otonomo

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