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Mit einem Bausatz für 3.000 Euro soll jeder Pkw autonom werden

Mit Sensoren und einem Hochleistungsrechner will ein Startup jedes Fahrzeug zum Roboter-Auto machen. Allerdings gibt es bei dem Nachrüst-System noch einen Haken.

 

Ein Hochleistungsrechner und sieben Kameras – damit will Kopernikus Automotive jeden herkömmlichen Pkw zum autonomen Fahrzeug machen. Das mittlerweile zehnköpfige Team aus Berlin und Potsdam tüftelt seit 2016 an der Technologie. Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen den ersten umgebauten Prototypen in Deutschland vorgestellt, einen VW Golf. Das umgerüstete Fahrzeug ist die Strecke von Ingolstadt nach Wolfsburg gefahren.

Das derzeitige technische Level erlaube den Fahrzeugen, auf Level zwei autonom zu fahren. Das bedeutet, dass das Auto alleine beschleunigen, stoppen und die Spur halten kann. Der Fahrer muss allerdings jederzeit in der Lage sein, das Steuer zu übernehmen.

„Unsere Technik nutzt auch die bereits an Bord befindlichen Sensoren wie das Abstandsradar an der Stoßstange und die Einparkhilfe“, sagt Gründer Stefan Jenzowsky im Gespräch mit NGIN Mobility und Gründerszene. Prinzipiell ließe sich mit ihrem System jedes ab 2015 gebaute Fahrzeug mit der Selbstfahrtechnik ausstatten, und zwar innerhalb von vier bis fünf Stunden.

Über eine „Middelware“ lassen sich Apps für das Auto laden

Über eine Internetverbindung könnten außerdem immer wieder Updates ans Autos geschickt werden, also Over-the-Air, wie das auch Tesla bereits macht. Das stelle sicher, dass die Software immer auf dem neusten Stand sei, beispielsweise eventuelle Sicherheitslücken geschlossen werden. Über eine sogenannte „Middelware“ soll sich außerdem verschiedene Software auf das Fahrzeug aufspielen lassen – sozusagen Apps fürs Auto. „Autofahrer, die mit ihrem Fahrzeug in England sind, können beispielsweise eine Anwendung installieren, die das Auto für den Linksverkehr programmiert“, erklärt Jenzowsky.

Neben Jenzowsky gehört Tim von Törne zum Gründerteam. 2016 ist der Schweizer VW-Importeur Amag als Anteilseigner eingestiegen. Beide Gründer kommen aus der Mobilfunkbranche. „Das Smartphone mit seinem Update- und App-System hat damals die Mobilfunkbranche revolutioniert“, sagt Jenzowsky. Gleiches komme nun auf die Autobauer zu. Kopernikus könne europäischen Autobauern den Übergang in das neue Zeitalter erleichtern, glaubt er.

Die Idee für ihr Startup kam den beiden Gründern bei einer Reise ins Silicon Valley, erzählt Jenzowsky. „Wir gehen davon aus, dass die Software für autonome Autos nicht in Wolfsburg oder Ingolstadt entwickelt wird, sondern in den USA, China und Japan.“ Deshalb arbeite das Team derzeit mit vielen US-Startups zusammen, so der Gründer weiter. Für Interviews ist er erst ab 10 Uhr erreichbar, weil er seinen Arbeitstag der Tageszeit des Silicon Valleys angepasst hat. Dort sind es derzeit neun Stunden früher als in Berlin. Jenzowsky fängt deshalb morgens später an und arbeitet bis spät in die Nacht, wie er sagt.

Ein ähnliches Projekt musste wieder eingestellt werden

Auch an anderer Stelle orientiert sich das Startup nach Amerika: „Wir rechnen damit, dass wir in den USA die ersten Zulassungen bekommen“, sagt Jenzowsky, „und dann unser System auch an Konsumenten verkaufen können, vielleicht schon im nächsten Jahr.“ Ob und wann der Nachrüst-Baukasten in Deutschland zu kaufen sein wird, ist noch nicht ausgemacht. Die rechtlichen Hürden sind hoch. Vorbestellt werden kann es allerdings schon, für 3.000 Euro.

Eine ähnlich günstige Lösung wie Kopernikus entwickelt auch X-Matik, ein Startup aus Toronto. Das Produkt soll im Frühjahr 2019 auf den Massenmarkt kommen. Und auch der legendäre iphone-Hacker George Hotz hat mit Comma.ai ein System entwickelt, das nur auf eine Dashcam und ein Smartphone setzt. Er musste das Projekt allerdings wegen Sicherheitsbedenken der Behörden wieder einstellen und setzt nun auf eine Open-Source-Lösung.

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Dass es ihr Startup tatsächlich mit dem Branchenriesen Google und Uber aufnehmen kann, die Milliarden in die Entwicklung autonomer Autos stecken, glaubt Kopernikus-Gründer Jenzowsky nicht. Im Verkauf und der Entwicklung von Hard- und Software sieht das Startup nicht seine Zukunft. „Wir wollen perspektivisch zum Betreiber eines App-Stores für das Auto werden“ – und dann pro verkaufter Anwendung über eine Provision mitverdienen.

Bild: Kopernikus Automotive

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