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Carsharing wird nie profitabel? Der neue Miles-CEO sieht das anders

Führungswechsel bei Miles: Der neue Geschäftsführer Oliver Mackprang spricht über Carsharing-Bashing, die schwarze Null und über Miles-Hauptinvestor Lukasz Gadowski.

Er ist erst seit ein paar Wochen als neuer Geschäftsführer bei dem Berliner Carsharing-Anbieter Miles, doch mit dem Thema Sharing Mobility beschäftigt sich Oliver Mackprang schon eine Weile: Vorher hatte er das Startup Cariump gegründet, das mittlerweile unter dem Namen Free2move zur PSA Group gehört. Vor seinem Wechsel zu Miles war er außerdem bei dem Shuttle-Service Moia tätig.

Anders als die Konkurrenten wie Free Now oder Weshare setzt das Berliner Startup auf eine kilometerbasierte Abrechnung beim Carsharing. Und anders als die Konkurrenz hat Miles keinen großen Autokonzern im Rücken. Für Mackprang ein Vorteil: „Bei uns geht es wirklich nur um Carsharing und der Dienst muss nicht als Promofahrt für den Autokonzern dienen. Weshalb sonst stattet man ein Carsharing-Auto mit 200 PS aus?“, sagt er zu Gründerszene.

Mackprang löst als Geschäftsführer Timo Nührich ab, der das Startup Ende 2016 gründete. Zu den Gründen für Nührichs plötzliches Ausscheiden will Mackprang nicht viel sagen, außer dass es „klare Differenzen zwischen Timo und anderen“ gegeben habe. „Manchmal gibt es eben keinen Kompromiss“, so Mackprang. Die Entscheidung für den Führungswechsel sei schon gefallen, bevor er für die Rolle als CEO angefragt wurde. Er selbst habe Nührich noch nie persönlich getroffen. 

Auf Nachfrage von Gründerszene bestätigt Nührich dies: „Es gab Differenzen und unterschiedliche Wertvorstellungen im Management-Team. In Folge dessen habe ich mich entschieden, das operative Geschäft zu verlassen und nur noch als Shareholder dabei zu bleiben.“

Hauptinvestor bei Miles ist seit diesem Jahr Szenekopf Lukasz Gadowski, der laut Handelsregister über seine Firma Luktev GmbH aktuell 47,58 Prozent an dem Startup hält. Gadowski deckt mit seinem Startup Circ bereits die E-Tretroller-Sparte im Sharing-Geschäft ab. Als Teil einer größeren Strategie des Seriengründers und Investors Gadowski sieht sich CEO Mackprang aber nicht: „Wir sind unabhängig von Circ“, betont er.

Ähnlich wie die E-Tretroller, steht auch das Carsharing-Modell häufig in der Kritik. Laut Mackprang zu Unrecht: „Es wird immer sehr viel darüber geredet, was Carsharing alles nicht schafft.“ Den vielen Kritikern will er zeigen, dass profitables Carsharing möglich ist. Bisher ist das noch keinem Anbieter in Deutschland gelungen. Deshalb verfolgt er ehrgeizige Pläne: Auf eine einzelne Stadt bezogen soll Miles bereits im nächsten Jahr die schwarze Null schaffen, in den nächsten zwei Jahren soll sogar das gesamte Unternehmen profitabel sein.

Deutsche Carsharing-Anbieter stehen vor einem Dilemma

Mit Free-Floating lässt sich auf lange Sicht kein Geld verdienen. Trotzdem brauchen die Autohersteller ihre Mobilitätsangebote. Das geht nicht mehr lange gut.

Aktuell ist Miles in fünf Städten mit insgesamt 1.500 Fahrzeugen aktiv und macht einen Umsatz im einstelligen Millionenbereich. Neue Städte sollen zunächst einmal nicht dazu kommen, so der Geschäftsführer. Dennoch will das Startup seine Flotte bis Anfang 2020 nochmals verdoppeln.

Miles vermietet auch Fahrzeuge längerfristig zum Tagessatz – ein Geschäftsfeld, das bisher von Autovermietungen dominiert ist. Mackprang schätzt den Anteil am Gesamtumsatz dieser längeren Fahrten auf höchstens zehn Prozent. Dennoch sei dieses Angebot wichtig, wenn man die Leute wirklich nachhaltig dazu bringen wolle, durch Carsharing auf ihr Privatauto zu verzichten.

Bild: Miles Mobility

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