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Regierung lässt sich viel Zeit mit Genehmigung von Elektrorollern

Der Sommer ist fast vorbei. Und noch immer ist die Roller-Frage in Deutschland ungeklärt. Dass eine Regulierung erforderlich ist, zeigt der Blick in die USA.

Sie sind ein praktisches Verkehrsmittel für den ersten und letzten Kilometer: Elektroroller, auch E-Scooter genannt. Sie sind 20 bis 30 km/h schnell, weniger als 20  Kilogramm schwer, einfach zusammenzufalten und mitzunehmen.

In den USA sind die Fahrzeuge in Städten wie Los Angeles und San Francisco der große Trend, Startups wie Bird bieten ein Roller-Sharing an und sind schon kurz nach dem Start von Investoren bereits mit Milliarden bewertet. Doch es wird dauern bis dieser Trend nach Deutschland kommt. Denn solche „Elektrokleinstfahrzeuge“ passen nicht ins Raster der Straßenverkehrsgesetze. Was einen Motor mit mehr als 250 Watt hat und nicht auf Schienen fährt, ist ein Kraftfahrzeug. Fahrer brauchen eine Zulassung, eine Fahrerlaubnis und eine Haftpflicht-Versicherung. Fast allen diesen E-Rollern fehlt die Straßenzulassung.

In Berlin sind die Fahrzeuge immer häufiger zu sehen – obwohl ihre Nutzung verboten ist. Im Fachhandel und sogar bei Discountern sind sie schon länger erhältlich. Sie kosten von 250 Euro bei Lidl bis zu 1.600 Euro bei der Hamburger Roller-Anbieter Egret. In drei bis fünf Jahren wird jeder zehnte Deutsche einen kompakten Elektroroller besitzen, um damit zur Arbeit zu pendeln oder um in der Freizeit zu fahren, erwartet Florian Walberg, Geschäftsführer von Urban Electrics, das die Egret-Roller anbietet.

Opposition wirft Regierung Untätigkeit vor

Die Opposition im Bundestag macht Druck. „Elektrokleinstfahrzeuge erfreuen sich wachsender Beliebtheit, werden vielerorts verkauft und sind immer häufiger im öffentlichen Verkehrsraum zu sehen“, argumentieren mehrere Abgeordnete der Grünen-Fraktion in einer Anfrage an die Regierung. Es entstehe der Eindruck, dass die Bundesregierung die Chancen für eine nachhaltige Mobilität ignoriere. Innovative Formen der Elektromobilität im Nahbereich würden durch die Untätigkeit behindert, Nutzern werde die Wahl nachhaltiger Mobilitätslösungen als Alternative zum Auto erschwert.

Die Behörde von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) tut in Sachen E-Scooter offenbar nichts und wartet auf das Ergebnis eines Forschungsprojekts, das sie bei der Bundesanstalt für Straßenwesen in Auftrag gegeben hat. Sie soll Vorschläge für eine Klassifizierung von Elektrokleinstfahrzeugen und die technischen Anforderungen an diese Fahrzeuge erarbeiten. Ergebnisse liegen noch nicht vor, heißt es bei der Behörde auf Anfrage von Gründerszene und NGIN Mobility.

Sicherheitsprobleme in den USA

Handlungsbedarf besteht, wie ein Blick in die USA zeigt. Denn jetzt hat der Elektroscooter-Boom das erste Todesopfer gefordert. Eine 21-jährige Elektroroller-Fahrerin wurde bei einem Unfall mit einem Pkw tödlich verletzt. Wie das Magazin The Information meldet, ereignete sich der Unfall in der Nacht zum Sonntag in Cleveland. Der Autofahrer soll alkoholisiert gewesen sein, als er die Frau auf der Straße von hinten anfuhr. Das Rollersharing-Unternehmen Bird bietet seit einer Woche in Cleveland seine Elektroroller an.

In den USA ist bereits von einem „Scooter-Problem“ die Rede. Es häufen sich Meldungen über Knochenbrüche und verlorene Zähne durch Unfälle mit E-Scootern, die Verleihfirmen wie Bird, LimeBike und Spin anbieten. Berichten zufolge hält sich kaum ein Fahrer an die in mehreren Bundesstaaten geltende Helmpflicht für Zweiradfahrer. Ferner wird kritisiert, die E-Scooter-Fahrer würden verbotswidrig Gehwege benutzen. Städte klagen über die fehlende Kooperationsbereitschaft der Verleihfirmen.

Startup Bird will Städte beteiligen

Der Sorge der Städte um unkontrolliertes Wachstum entgegnet Bird-CEO Travis VanderZanden mit einer S.O.S.-Initiative. Er fordert die Chefs der Bikesharing-Mitbewerber LimeBike, Mobike, Ofo und Jump in einem offenen Brief auf, den Fuhrpark zu pflegen, nachhaltig zu wachsen und die Städte am Umsatz zu beteiligen. Diese scheinen jedoch wenig Interesse an einer konzertierten Aktion zu haben. Bislang fehlen ihre Unterschriften.

VanderZanden, früherer Manager der Ridesharing-Dienste Lyft und Uber, hat Bird gegründet. Seine knapp 25 km/h schnellen Kickboards mit Elektromotor werden ohne feste Verleihstationen angeboten. Eine halbe Stunde Fahren kostet einen Dollar, jede weitere Minute 15 Cent. Das mit mehr als 400 Millionen US-Dollar finanzierte Startup will nach dem US-Start im Jahr 2017 nun nach Europa expandieren. Erster Standort ist Paris. Die Expansion nach Deutschland fällt erst einmal aus.

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Bild: Egret

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