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Warum Ridesharing hierzulande wohl nie Geld abwerfen wird

Ridesharing galt bis vor kurzem noch als das Geschäftsmodell schlechthin. Doch mittlerweile geben schon Unternehmen wie Lyft zu, vielleicht niemals profitabel zu werden.

Als Ford vor ein paar Wochen seinen Ridesharing-Dienst Chariot einstellte, ließ sich das noch auf Managementfehler zurückführen. Aber es mehren sich die Hinweise, dass es nicht allein daran liegt, dass das Businessmodel nicht richtig anläuft. In einem Schreiben an die US-Börsenaufsicht für den anstehenden IPO von Lyft gibt das Unternehmen offen zu, dass man vielleicht niemals profitabel werden wird. (Seite 21). Der Grund dafür ist bei den Fahrern zu finden, die für Lyft unterwegs sind.

Für Lyft und andere Anbieter ist es wichtig, dass ihre Unternehmen als Vermittlungsplattformen angesehen werden, auf denen freiberufliche Fahrer ihre Aufträge vermittelt bekommen. Auf diesem Weg spart man sich die Anstellungsverträge mit den Fahrern – und damit auch die Sozialbeiträge und andere Kosten. Der Konkurrent Uber musste in Europa in dieser Hinsicht schon einige Male einlenken. In Großbritannien und auch Frankreich urteilten die Gerichte, dass die Fahrer bei Uber angestellt sein müssen. In den USA sieht man das allerdings anders. Laut des Insurance Journal spart Uber damit alleine in den USA rund 500 Millionen Dollar. Müssten Lyft und Uber ihre Fahrer weltweit anstellen, dann wäre das Geschäftsmodell sofort hinüber.

Wie Anbieter das Problem mit Zusatzangeboten angehen

Ohne Fahrer geht es nicht, mit angestellten Fahrern und Sozialbeiträgen hingegen auch nicht. Die Unternehmen stecken in der Zwickmühle, was vermutlich einer der Gründe ist, warum sich zumindest Uber auch in anderen Geschäftsgebieten versucht und neuerdings E-Scooter und Fahrräder verleiht. Und so lässt sich auch begreifen, warum beide Unternehmen so viel Druck bei der Entwicklung des autonomen Fahrens machen.

Bei Uber läuft dieser Bereich nach dem tödlichen Unfall vor einem Jahr allerdings nicht sehr gut. Zwar hat man die Testfahrten wieder gestartet, aber die Gerüchte reißen nicht ab, dass Uber überlegt, die Sparte für Investoren zu öffnen, da ihnen das Geld ausgeht. Bei Lyft läuft es etwas besser. Dank der Zusammenarbeit mit dem Zulieferer Aptiv, konnte man die ersten autonomen Taxifahrten in einem Showcase in Las Vegas bei der diesjährigen CES anbieten. Geplant ist Mitte 2020 zu starten.

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Wie man aus dem Statement zum IPO von Lyft entnehmen kann, hängt die Profitabilität des Unternehmens also komplett von der Entwicklung autonomer Fahrzeuge ab. Doch da stellen sich dann schon wieder andere Probleme. Nicht wenige Experten halten einen Start im nächsten Jahr für deutlich verfrüht. Zum einen ist die Technik noch nicht so weit, zum anderen gibt es zumindest in Europa erheblichen Nachholbedarf bei der Gesetzgebung. So ist ein in Deutschland passendes Gesetz für autonome Dienste in der bis 2021 laufenden Legislaturperiode nicht einmal vorgesehen. Man kann auf EU-Ebene froh sein, wenn das teilautonome Fahren bis zur Stufe Drei in diesem Jahr noch freigegeben wird.

Das Geschäftsmodell der Ridesharing-Anbieter steht also weiterhin auf wackeligen Beinen und ist von der Geduld der Investoren abhängig. Dass autonome Taxen kommen werden, wird kaum bezweifelt. Die Frage ist nur, ob die Technologie der autonomen Fahrzeuge rechtzeitig fertig wird, bevor Uber, Lyft und Co. das Geld ausgeht.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

Bild: Getty Images / Smith Collection/Gado / Kontributor

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