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Für Konzerne schicken sie die Künstliche Intelligenz auf Lieferantensuche

Bei Scoutbee sollen Daten die Einkäufer in der Industrie unterstützen. Für seine Lieferketten-Software hat das Startup gerade Millionen von Investoren bekommen.

Als „wuchtig“ bezeichnet Fabian Heinrich die Software seines Startups und meint damit die Datenmengen, die darin stecken. Der Managing Director des Würzburger Startups sagt, dass das System einmal im Monat sozusagen das gesamte Internet herunterlade. Scoutbee heißt das Produkt des gleichnamigen Unternehmens. 

Zu seinen Kunden zählt Scoutbee etwa Audi. „Stell dir vor, ein Mitarbeiter im Einkauf in der Automobilbranche muss beispielsweise Aluminiumprofile beschaffen“, erklärt Heinrich das Modell. „Die konventionelle Lieferantensuche über persönliche Kontakte oder Beratungsfirmen ist komplex, teuer und kann bis zu sechs Monate Monate dauern. Mit uns maximal einen Monat.“

Basierend auf bestehenden globalen Lieferantenbeziehungen, die sich eine Künstliche Intelligenz (KI) im Hintergrund online zusammensucht und klassifiziert, schlägt das System dem Einkäufer vor, welche Zulieferer zu ihm passen. „Jedes Produkt in der B2B-Industrie hinterlässt einen gewissen digitalen Fußabdruck. Diesen Spuren folgt Scoutbee, indem es Daten zum Beispiel von Häfen oder dem Zoll nutzt“, so Heinrich.

„Linkedin für die B2B-Beschaffung“

Insgesamt befänden sich derzeit rund vier Milliarden Datenpunkte im sogenannten Data Warehouse der Software, das permanent aktualisiert werde. Daraus hätten Algorithmen bislang rund neun Millionen Zulieferer-Profile erstellt. „Im Prinzip wird es das Linkedin für die B2B-Beschaffung“, sagt Heinrich. Die Firmen zahlen eine Gebühr für den Zugang zur Software, außerdem wird pro Sourcing Case abgerechnet. Scoutbee erzielt eigenen Angaben zufolge aktuell siebenstellige Umsatzzahlen pro Jahr. 

Gerade hat Scoutbee eine Seed-Runde über vier Millionen US-Dollar abgeschlossen, wie Gründerszene vorab erfuhr. Holtzbrinck Ventures führte die Runde gemeinsam mit 42Cap Venture Capital aus München an. Daneben sind Toba Capital aus Los Angeles und bestehende Business Angels beteiligt. Mit dem Geld will das Startup in die USA expandieren und in Datentechnologien hinter der Software investieren. Im Handelsregister sind die neuen Gesellschafter bislang nicht eingetragen. Zuvor hatte Scoutbee in einer mehrteiligen Angel-Runde insgesamt rund 580.000 Euro erhalten.

Der „Kodak-Moment“ ist ihre größte Furcht

ZF gehört zu den erfolgreichen deutschen Technologieunternehmen. Damit das so bleibt, versucht Mamatha Chamarthi, Startup-Spirit ins Unternehmen zu holen.

Gegründet wurde die Scoutbee GmbH im Jahr 2015. Das Managementteam besteht aus dem Ingenieur Gregor Stühler, dem ehemaligen Lidl-Manager Lee Galbraith und Supply-Chain-Professor Christian Heinrich sowie Fabian Heinrich, der das Fitness-Startup PLVY mitgründete. Für die KI werden sie viele Einkäufer wohl noch gewinnen müssen: Von 1.413 Berufsvertretern in Deutschland, Österreich und der Schweiz glaubten einer Umfrage zufolge zuletzt nur 14 Prozent, dass KI etwas an ihrem Job ändern werde.

Bild: Scoutbee

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