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Segway sieht sich als „Waffenhändler im Scooter-Krieg“

Ein Segway-Manager zweifelt am Geschäftsmodell des Scooter-Sharing. Verleiher sehen das anders und erwarten Gewinne.

Der Elektroroller-Hersteller Segway bezweifelt, dass das Geschäftsmodell des Scooter-Sharing nachhaltig ist. Startups wie Bird und Lime, aber auch Taxidienste wie Uber und Lyft, vermieten vor allem in den USA Elektroroller oder planen es zumindest. Diese Dienste erlebten im vergangenen Sommer vor allen in den USA einen Boom, dann schwappte die Welle nach Europa. In Deutschland sind die Fahrzeuge noch nicht zugelassen. Wie in Branchenkreisen zu hören ist, wird die erforderliche Rechtsverordnung frühestes für das Ende des ersten Quartals erwartet.

Tony Ho, Vizepräsident für globale Geschäftsentwicklung bei Segway-Ninebot, sagte der Financial Times (FT, Paywall): „Beim Standalone-Geschäftsmodell ist meiner Meinung nach fragwürdig, ob es selbsttragend ist“.

Wie Ho weiter sagte, habe Segway-Ninebot im Jahr 2017 insgesamt 200.000 Elektro-Tretroller verkauft, im Jahr 2018 seien es schon eine Million gewesen – davon die Hälfte an private Käufer. Laut FT werde für 2019 mit einem „signifikanten Wachstum“ gerechnet. Und dies trotz des schwelenden Handelsttreits zwischen den USA und China: Die Segway-Ninebot-Roller werden in China hergestellt und in die USA importiert. Ho bezeichnete eine Verlagerung der Produktion in die USA als unwahrscheinlich.

Segway sieht Trend mit „iPhone-Moment“

Der Hersteller zeigte sich in dem Interview überrascht über das schnelle Wachstum der Scooter-Dienst Bird und Lime, die Hunderte Millionen Dollar Wagniskapital einsammeln konnten. Mit dieser Summe müssen sie nicht nur Roller erwerben, sondern auch warten und instand halten.

Trotz der Skepsis gegenüber diesem Geschäftsmodell zeigte sich Ho zuversichtlich und sprach beim Scooter-Sharing von einem „iPhone-Moment“.Er ist davon überzeugt, dass sein Unternehmen momentan das einzige sei, das im „Scooter-Krieg“ Geld verdiene. „Wir möchten der Waffenhändler sein, anstatt den Krieg selbst zu kämpfen“, zitiert die FT den Manager.

In der Szene der Mobility-Startups fanden die Einschätzungen des Segway-Managers wenig Anklang. Augustin Friedel, ein für den Volkswagen-Konzern tätiger Mobilitätsstratege, schrieb auf LinkedIn: „Ich bin fest davon überzeugt, dass es für Autobauer nachhaltig sein könnte – eine großartige Ergänzung zu Carsharing-Programmen wie Respiro Car Sharing oder WeShare“. Volkswagen-Tochter Seat bietet in Spanien Segway-Roller an.

Fredrik Hjelm, CEO & Co-Founder des schwedischen Sharing-Anbieter Voi, der zuletzt eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Dollar abgeschlossen hat, erklärte: „E-Tretroller haben sich im letzten Jahr als die beliebteste Transportmöglichkeit für kurze Strecken erwiesen – und wir glauben, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleiben wird“.  Dies sei jedoch nur ein Teil der Lösung. „Nur in enger Partnerschaft mit Städten und öffentlichen Verkehrsunternehmen können wir unsere Städte grüner und nachhaltiger gestalten.“

Die Lebensdauer eines vermieteten Elektrotretrollers aus der (überwiegend chinesischen) Massenproduktion wird in der Branche mit drei bis vier Monaten veranschlagt. In diesem Zeitraum müssen sich die Anschaffung und Unterhaltungskosten amortisiert haben. Im Einzelverkauf kosten solche Roller 400 bis 500 Euro. Danach ist der Roller reif für das Recycling. Herkömmliche Roller aus China seien nicht für den professionellen Vermietungsbetrieb konstruiert worden. Wie es heißt, wird mit robusteren Geräte gerechnet. Dadurch würde sich das Geschäftsmodell wieder ändern.

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Bild Getty Images / Tom Williams 

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