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Share2Move startet erstes E-Scooter-Sharing im ländlichen Raum

Roller-Sharing in der Provinz? Ein Gründer aus dem Emsland will beweisen, dass das funktioniert. Erste Zahlen stimmen optimistisch.

Frühlingszeit ist Scooterzeit: Die Bosch-Tochter Coup hat 1000 Elektroroller in Berlin auf die Straßen gebracht und 1700 in Paris. Bislang galt Sharing als ein Geschäft der großen Zahl, das sich nur in dicht bevölkerten Gebieten rechnet. Der Gründer Mirko Lühn will nun das Gegenteil beweisen. Er verleiht Elektroroller in der Provinz – und kann sich vor Anfragen kaum retten.

Lühn hat das Startup Share2Move gegründet, das unter der Marke Meli Elektroroller verleiht. Meli ist ein Kurzwort und steht für die Kleinstädte Meppen und Lingen, wo Lühn die Roller anbietet. Die Städte liegen im niedersächsischen Emsland, kurz vor der holländischen Grenze. Mit einer Größe von zusammen gut 80.000 Einwohnern wirken sie nicht wie das ideale Geschäftsgebiet für ein Mobilitätsunternehmen.

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Lokale Wirtschaft sponsort Sharing

Deshalb hat sich Lühn mit lokalen Partnern verbündet: zum Beispiel mit der örtlichen Kreissparkasse. Sie kauft bei ihm Fahrzeit-Kontingente, die von Kunden und Mitarbeitern gerne genutzt werden. Das ist gut für die Reputation des jungen Unternehmens und hilft dabei, die Bekanntheit des neuen Verkehrsmittels zu steigern. Auch die Städte und der Landkreis unterstützen das Angebot.

Das Startup kooperiert auch mit lokalen Unternehmen, die am Scootersharing interessiert sind. So gelang es bereits in den ersten zwei Wochen, das Geschäftsgebiet um ein Dorf zu erweitern. Ein dort ansässiges Unternehmen wollte mit Elektrorollern erreichbar sein. Die Firma sponsorte Scooter, worauf Share2Move das Dorf in das Geschäftsgebiet aufnahm. Lühn führt momentan Gespräche mit insgesamt neun Unternehmen, die ähnliches planen, sagt er gegenüber NGIN Mobility und Gründerszene.

Schon 5000 Kilometer mit Share2move

40 Roller sind in den beiden Städten im Einsatz. Sie werden per App gebucht und werden nach dem Freefloating-Prinzig vermietet – also ohne feste Miet- und Rückgabestationen. Gut zwei Wochen nach dem Start nutzen mehr als 400 Kunden den Dienst. Sie haben bereits mehr als 5000 Kilometer zurückgelegt. Share2Move bietet die Fahrzeuge für 23 Cent pro Minute an. Wer einen Tagesausflug unternehmen will, zahlt 35 Euro. Hinzu kommt eine Registrierungsgebühr von 19 Euro.

Der Gründer wollen eine halbe Million Euro in das Projekt stecken. 100.000 Euro hat der Landkreis aus einem Wirtschaftsförderungsprogramm investiert. Wagniskapital wollen sie vorerst nicht in Anspruch nehmen, wie Lühn sagt. Erst mal ist Bootstrapping angesagt.

Probleme mit der Internet-Verbindung

Der im Geschäftsgebiet beheimatete Elektroroller-Hersteller Emco unterstützt das Startup. Lühn hat vor seiner Gründung dort gearbeitet. Emco hat Elektroroller für Sharingprogrammen in Barcelona, Stuttgart, Berlin (Emmy) geliefert und auch die Fahrzeugvermietung Scooty Europcar ausgestattet. Emco hat einen speziell für den ländlichen Raum modifizierten Elektroroller entwickelt.

Denn die Provinz hat ihre Tücken: Zum Beispiel die Netzabdeckung mit Mobilfunk. „Die Cloudbox, die die fortlaufende Kommunikation des Rollers mit dem Internet ermöglicht, musste entsprechend programmiert werden“, sagt Mirko Lühn. „Auch die Handy-App, über die ein Kunde einen Roller reservieren und einschalten kann, musste optimiert werden, da die Netzabdeckung und Internetgeschwindigkeiten nicht denen von städtisch geprägten Regionen entsprechen.“

Bislang nur Pilotprojekte im ländlichen Raum

Mobilitätslösungen für den ländlichen Raum gelten bislang abgesehen von subventionierten Pilotprojekten als kaum machbar. So betreibt das Berliner Technologie-Startup Door2Door im bayrischen Freyung eine Rufbus, der per App angefordert werden kann. Fahrpläne und feste Routen gibt es dort nicht. Basis dieses Angebots ist die Door2door-Mobilitätsplattform. Sie ermöglicht Kommunen und Verkehrsunternehmen neue Mobilitätsangebote zu betreiben.

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger sieht unterdessen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels Chancen für das autonome Fahren im ländlichen Raum. Ein System aus fahrerlosen Bussen auf festen Routen in Kombination mit ebenfalls automatischen Fahrzeugen für die letzte Meile könne vor allem älteren Menschen helfen, weiter am sozialen Leben teilzunehmen. Hier seien renatble Geschäftsmodelle für kommunale Anbieter möglich.

Landkreis profitiert vom Roller-Sharing 

Mirko Lühn ist davon überzeugt, dass digitale Mobilitätslösungen auch im ländlichen Raum funktionieren. Das Interesse ist groß: Zahlreiche Bürgermeister und Unternehmen aus benachbarten Gemeinden fragen bei Share2Move an und wollen auch blaue Roller für ihre Dörfer. Denn Roller-Sharing kann den im ländlichen Raum den schwachen ÖPNV ergänzen. Das findet auch der Landkreis des Emslandes, Reinhard Winter: „Bei einer Kombination von Bus und Bahn kann ein Elektroroller-Sharing eine sinnvolle Ergänzung für die so genannte letzte Meile sein.“

Bild: Share2Move

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