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Wie die Shipsta-Gründer die weltweite Logistik umkrempeln wollen

Der globale Warenverkehr dürfte das größte Ökosystem sein – mit einem Problem: 99 Prozent der Transaktionen sind analog. Drei Gründer sehen hier riesiges Potenzial.

Christian Wilhelm kennt das Geschäft: Mehrere Paletten müssen von A nach B transportiert werden. Der Verlader sucht bei Google einen Spediteur, greift zum Telefonhörer und bittet um ein Angebot, das er Stunden oder Tage später per Fax oder E-Mail erhält. Wilhelm hat mehrere Jahre in der Logistikbranche gearbeitet und war unzufrieden mit diesem Verfahren. Er war damals Manager bei Kuehne & Nagel, einem der größten Spediteure der Welt.

Erst ein Prozent digitalisiert

Zusammen mit dem Entwickler Stefan Maratzki, den er von Kuehne & Nagel kannte, entwickelte Wilhelm daher eine Plattform, die diesen Prozess digitalisiert. „Man kann sich das wie Booking.com vorstellen“, erklärt Wilhelm das Konzept hinter Shipsta, wie seine Plattform heißt. Nutzer nennen ihre Wünsche für den Transport ihrer Waren und wählen dann zwischen verschiedenen Spediteuren aus. Wilhelm sieht hier ein gigantisches Geschäft: „Erst ein Prozent des weltweiten Frachtvolumens wird digital eingekauft.“

Als Chief Commercial Officer kam Oliver Ritzmann zu Shipsta dazu. Auch er hatte bereits Erfahrung in der internationalen Logistikbranche. 2015 gründete das Team in Luxemburg den Marktplatz, der die Verlader mit den Spediteuren verbindet. Ein Jahr später gab es einen Prototypen, dann folgte der „Proof of Concept“. 2019 ging Shipsta dann an den Markt.

Erste Kunden aus China

Eine Seed-Runde über einen einstelligen Millionenbetrag ermöglichte den Start. Mangrove Capital Partner und RTP Global investierten in das Startup. Wachstumsraten will Gründer Wilhelm nicht nennen. Er sagt aber: „Wir wachsen enorm stark.“ Inzwischen arbeiten 40 Mitarbeiter für das Unternehmen, das in der Hamburger Speicherstadt bereits einen zweiten Standort eröffnet hat. Das Startup hat zudem erste Kunden in China und den USA gewonnen.

Im Gegensatz zu den zahlreichen Mitbewerbern bietet Shipsta alle gängigen Transportwege an: Straße, See- und Luftfracht. „Wesentlich ist, dass wir eine neutrale Plattform sind“, betont Wilhelm. Damit meint er, dass kein operatives Team in den Vermittlungsprozess zwischen Spediteur und Nutzer eingreift, sondern alles automatisiert läuft. Der Gründer wundert sich: „Wir kaufen unsere Pizza mit dem Smartphone ein und in der Logistik, dem weltgrößten Ökosystem, greifen wir noch zum Telefonhörer. Das steht in keinem Verhältnis.“ 

Bild: Shipsta

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