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Ihr Plan: Das Ebay für millionenteure Schiffe

Die Macher von Shipstock wollen 70-jährige Schiffsbesitzer von der Digitalisierung überzeugen. Warum das frustrierend ist, hat uns einer der Gründer verraten.

Zwei Euro für ein gelesenes Buch, zweihundert für ein gebrauchtes Smartphone: Bei Ebay kaufen wir Alltagsgegenstände für überschaubare Summen. Bei dem, was Georg Schacht mit der Online-Auktionsplattform Shipstock gerade aufbaut, sind dagegen Millionen von Euro fällig. Er will große Schiffe über das Internet verkaufen.

Der 30-jährige CEO hat Shipstock gemeinsam mit CTO Raik Osiablo gegründet. Beide bauten zuvor auch das Influencer-Startup Updressed auf. Von Investoren wie der Blue Star Group, Amplifier und Konstantin Oetker sammelte ihr aktuelles Startup einen siebenstelligen Betrag ein. Schachts Familie kommt aus der Schifffahrtsbranche, der Vater ist Vorstand des Logistikunternehmens Kühne und Nagel.

Georg, du hast zuvor ein Influencer-Startup aufgebaut. Jetzt bist du im Schiffsmarkt aktiv. Passt das zusammen?

Als Gründer kann ich mich für viele Bereiche begeistern, sei es Schiffahrt oder Influencer. Früher habe ich sehr nah mit Instagram-Stars zusammengearbeitet, jetzt tue ich es in einer sehr konservativen Branche. Ich musste mich darauf natürlich erst einstellen, aber als Hamburger Jung ist es ein großer Anreiz, die Schifffahrt von Hamburg aus zu digitalisieren.

In diesem Fall liegen die Influencer- und Schiffsbranche thematisch sehr weit auseinander. Gibt es Gemeinsamkeiten?

Wenn man eine Plattform aufbaut, sind die Anfänge immer die gleichen. Man schreibt ein Konzept, braucht ein Projektmanagement und gibt dann dem Designer und Programmierer vor, wie das Produkt aussehen soll. Man hat zu diesem Zeitpunkt, aber auch schon davor, mit den Leuten aus der Industrie zu tun, um das Produkt nah an den Bedürfnissen der Zielgruppe zu entwickeln. Das war jetzt nicht viel anders als bei meinem Unternehmen zuvor.

Es gibt eine weitere Gemeinsamkeit: Mit Shipstock wollt ihr eine Art soziales Netzwerk aufbauen, das erinnert sehr stark an Instagram.

Wir wollen kein Facebook oder Instagram aufbauen, sondern ein spezialisiertes Industrienetzwerk für die Schifffahrt. Also eher ein Linkedin oder Xing, nur geht es uns nicht um Recruiting. Wir wollen die Branche vernetzen und ihnen aktuelle Informationen über verschiedene Bereiche der Schifffahrt wie beispielsweise den Container-, Tanker- oder Bulkermarkt zur Verfügung stellen. Derzeit bieten wir die Daten noch kostenlos an. Später wird es einen Premiumbereich geben und die Leute sollen über uns auch Schiffe kaufen und verkaufen oder sich an ihnen beteiligen können.

Wann verkauft ihr die ersten Schiffe?

Das Feature haben wir bereits gebaut und wollen damit im September live gehen und wahrscheinlich das erste Schiff aus dem Investorenkreis platzieren.

Damit meinst du, dass das Schiff zum Verkauf steht. Wie läuft dieser Prozess ab?

In der Schifffahrt gibt es einen Standardvertrag, der mit mehreren interessierten Parteien verhandelt wird. Erst danach geht es an den Preis, der bei uns in einer Auktion bestimmt wird. Dieser liegt beispielsweise zum Start bei zehn Millionen Euro, danach haben die Käufer alle 30 Minuten Zeit, auf das Schiff zu bieten. Das ist wie Ebay – nur eben mit Werten im hohen Millionenbereich.

Welchen Vorteil bietet das für Käufer, die bisher analog verhandelt haben?

Bei uns findet alles digital statt. Wenn heutzutage ein Schiff verkauft wird, dann geschieht das über einen Makler, der die Angebote der Käufer annimmt. Das Ganze ist aber sehr intransparent, da sich die Käufer untereinander nicht kennen. Der Makler kann den Preis also künstlich in die Höhe treiben. Und bisher gab es auch keine Deadline in diesem Prozess. Auf unserer Plattform gibt es eine klare Deadline.

Für den Makler ist das aber von Nachteil, er verliert seinen Job.

Die Maklerwelt in der Schifffahrt wird sich durch die digitale Transformation stark verändern. Wir wollen den Wandel mitgestalten und digitale Lösungen anbieten. Margen werden in der Zukunft geringer für die Makler, was jedoch den Reedern zugutekommt. Am Ende ist es aber korrekt, dass der Beruf des klassischen Schiffsmaklers an Bedeutung verlieren wird.

Wurdest du zu Anfang mit deinem jungen Alter und deiner Influencer-Vorgeschichte von diesen Maklern und anderen Schifffahrts-Köpfen belächelt?

Wir reden hier von 70-jährigen Schiffsbesitzern, die noch nie von Instagram oder Linkedin gehört haben. Es gab viel Kritik wie „Das wird eh alles nichts" oder „Das kriegt ihr nicht hin". Aber das ist normal in der Startup-Szene. Die großen etablierten Firmen reden die Startups immer erst mal klein – bis sie sich dann durchgesetzt haben. Langsam kommt aber auch die junge Generation in der Schifffahrt an die Spitze. Und die sind für neue Themen total offen.

Bist du nach Kundengesprächen oft frustriert?

Man kriegt häufig das Gefühl, dass man in dieser Branche nichts verloren hat. Und ich hatte oft Phasen, in denen ich das Unternehmen hinterfragt habe. Aber durch Gespräche mit Investoren, die an die Idee glauben, konnte ich mich wieder hochziehen.

27 Millionen für Berliner Digital-Spedition

Ein international agierender Logistikkonzern investiert in das deutsche Startup. Auch bekannte VCs sind in der akuellen Runde erneut beteiligt. Nächste Station: Asien.

Wie viele Schiffsbesitzer müsstet ihr überzeugen, damit ihr finanziell erfolgreich seid?

Da geht es eher um die Anzahl an Schiffen. Wenn wir es schaffen, zehn Schiffe im Jahr zu verkaufen, dann wären wir hochprofitabel. Des Weiteren wollen wir ja nicht nur mit Schiffsverkäufen Geld verdienen, sondern auch mit anderen Dienstleistungen wie etwa Research und Schiffsbewertungen.

Zehn Schiffe, das klingt überschaubar.

Wir müssen vor allem die ersten Schiffe auf die Plattform bekommen und die ersten Leute finden, die das „Risiko" mit uns gehen. Durch unser Netzwerk und unsere Investoren sollte das aber klappen. Mittelfristig werden Schiffe nur noch digital gehandelt.

Bild: Shipstock

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