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Solarzellen-Auto Sono Motors droht das Geld auszugehen

Vor zwei Jahren hat das Münchener Startup sein Elektroauto vorgestellt. Tausende Reservierungen hat Sono Motors erhalten, bislang aber noch kein Fahrzeug ausgeliefert.

Das Münchner Unternehmen Sono Motors verfolgt mit der Vision, „ein zukunftsweisendes und alltagstaugliches Elektroauto“ zu bauen, einen ehrgeizigen Plan. Der Clou des Sion: Das Fahrzeug kann sich dank 248 Solarzellen selbst aufladen. Laut Sono Motors soll sich die Technologie besonders auf kurzen Strecken lohnen. Bei idealen Bedingungen sei eine Reichweite von 34 Kilometern möglich, so das Unternehmen. In Kombination mit einer Aufladung an der Ladesäule verfügt das Fahrzeug über eine insgesamte Reichweite von 255 Kilometern. 

Nachdem der Sion bei internationalen Investoren zunächst auf großes Interesse gestoßen war, geriet die Finanzierung im weiteren Verlauf der Verhandlungen zunehmend in Gefahr. Demnach habe sich in den Gesprächen gezeigt, dass das Geschäftsmodell von Sono Motors nicht mit den Interessen der Investoren einhergeht. Laurin Hahn, Geschäftsführer von Sono Motors, zeigt sich resigniert: „Wir haben in den letzten Monaten immer wieder feststellen müssen, dass unsere Ziele in völligem Widerspruch zu denen klassischer Finanzinvestoren stehen.“ Zudem prangert er das Verhalten der Investoren an: „Aggressives Wachstum und schnelle Profite lassen sich kaum mit einem nachhaltigen Unternehmens- und Fahrzeugkonzept vereinbaren.“

Crowdfunding soll das E-Auto retten

Im Nachklang der Verhandlungen entschied das Münchner Unternehmen, die Produktion des Sion mit einer alternativen Finanzierungsstrategie retten zu wollen. Hahn und sein Team riefen in diesem Zusammenhang eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben, die bis zum 30. Dezember weitere 50 Millionen Euro an Kapital generieren soll. Mehr als drei Millionen Euro haben die Münchener seit Montag erhalten. Sono Motors plant, dieses ambitionierte Ziel mit neuen Fahrzeugreservierungen zu erreichen. Bei einem Fahrzeugpreis von 25.500 Euro entspricht dies circa 2.000 Neukunden. Insgesamt sollen 260.000 Exemplare des Sion produziert werden.

Das 2016 gegründete Unternehmen Unternehmen betont, die neue Strategie auch als Bekenntnis zu bisherigen Unterstützern zu sehen. Laut eigenen Angaben seien seit der Weltpremiere des Sion im Jahr 2017 bereits 10.000 Reservierungen eingegangen. Jona Christians, Mitgründer und Geschäftsführer von Sono Motors, äußert sich über die Neuausrichtung: „Wir haben uns im Spannungsfeld zwischen unseren Versprechen an die Reservierer und den Anforderungen von Investoren zerrieben und zunehmend verbogen. Das mussten wir unbedingt korrigieren.“

Gründer verzichten auf Gewinne

Um ihrer Strategie weitere Erfolgschancen zu verleihen, verzichten die Gründer darüber hinaus auf persönliche Gewinne. Das Gründungsteam um Hahn und Christians wird von Navina Pernsteiner komplettiert und hält derzeit 74 Prozent der Unternehmensanteile und 64 Prozent der Gewinnbezugsrechte. Gelingt die Finanzierungsrunde, soll das Kapital in Produktionsanlagen und Serien-Prototypen des Fahrzeugs investiert werden. Das Unternehmen ist sich jedoch bewusst, die erstmalige Produktion des Sion vorerst auf 2021 verschieben zu müssen. 

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Bislang gab es vom Sion des Münchner Herstellers Sono Motors nur Prototypen. Jetzt ist das finale Design des Elektrofahrzeugs da – und es kann sich sehen lassen.

Zudem appelliert Hahn an die Politik, in Situationen wie diesen dringend nachzubessern: „Es muss möglich sein, ein solches Zukunftsprojekt in Deutschland umzusetzen und in den wirtschaftlichen Erfolg zu führen.“ Gleichzeitig gibt er sich nicht geschlagen: „Wir werden in jedem Fall weiterkämpfen. Für eine klimafreundliche Mobilität und für unsere Reservierer.“

Sollte das Münchner Unternehmen die derzeitigen Probleme meistern, warten an anderer Stelle weitere Herausforderungen. Wie Spiegel Online berichtet, gefährdet die Elektroauto-Kaufprämie Sono Motors. Durch die Neuregelung werden Unternehmen in die Pflicht genommen, für eine Hälfte der Prämie aufzukommen. Aufgrund der kleinen Margen sei es für Startups jedoch schwierig, diese Kosten zu stemmen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.
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Bild: Sono Motors

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