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Wie der Duisburger Hafen Startups locken will

Seit Kurzem betreibt der Duisburger Hafen ein Startup-Programm, fünf Teams sind mit an Bord. Worum es dabei genau geht, erklären die Macher im Interview.

Etablierte Unternehmen mögen Startup-Programme. Sie helfen ihnen, digitale Produkte zu verstehen und machen sie in der Öffentlichkeit bekannter – und auch ein bisschen hip. Das sieht nun auch Duisport-Gruppe so, Betreiber des Duisburger Hafens. Seit März hat das Unternehmen fünf Logistik-Startups unter seine Fittiche genommen, die auf dem Gelände des Hafens in einem Coworking-Space am Programm Startport teilnehmen.

Das bedeutet konkret: Die Jungfirmen können Räumlichkeiten, IT, Workshops und Kontakte des millionenschweren Unternehmens nutzen. Mit dabei sind die Immobilien-Suchmaschine Aindex.Ruhr, die Frachtverwaltungs-Software Cargo-Bay, der Lager-Marktplatz DepotCity, der Tourenplaner Freightpilot und der Frachtversand-Marktplatz Shippion.

Bislang hat der Duisburger Hafen gemeinsam mit Partnern wie dem Stahlhändler Klöckner eine halbe Million in den Aufbau von Startport investiert. Im Interview erklären Geschäftsführer Peter Trapp und Prokurist Johannes Franke, was es mit dem Accelerator auf sich hat und was der Hafen bereits für die Digitalisierung getan hat.

Warum sollten Startups bei Eurem Programm mitmachen?

Peter Trapp: Wir haben uns auf Startups im Bereich Digitalisierung und Logistik fokussiert, das Ganze ist eingebettet in den Duisburger Hafen, der die weltweit größte Hinterland- und Logistik-Drehscheibe ist. Der Vorteil für die Startups besteht darin, dass sie in diesem Segment mit unseren Kunden und Partnern ins Gespräch kommen. Unser größtes Unterscheidungsmerkmal ist, dass wir am lebenden Objekt arbeiten und entwickeln wollen.

Johannes Franke: Grundsätzlich bieten wir das, was andere Accelerator auch bieten. Wir bieten Coworking-Flächen an, die die Startups ein Jahr lang nutzen können. Wir wollen ihnen Zeit geben, mit den Partnern an Projekten zu arbeiten. Das ist in recht kurzer Zeit wie drei Monaten fast unmöglich. Sonst bieten wir noch Mentoring, Coaching und Workshops zu allen Themen, die den Startups unter den Nägeln brennen.

Bekommen die Startups finanzielle Unterstützung?

Peter: Wir geben nicht direkt ein Investment. Wir wollen die Startups erst besser kennenlernen. Erst nach einem Jahr gibt es eine mögliche Investition.

Johannes: Im Moment geht es darum, für die Startups Kunden zu finden und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wir werden sehen, wie es Richtung Oktober mit dem Thema Finanzierung bei uns aussieht. Dadurch, dass wir so potente Partner dabei haben, sind wir eigentlich sehr entspannt, dass wir für gute Ideen auch Geld finden werden.

Was genau erhofft sich der Hafen von den Startups?

Johannes: Wir erhoffen uns konkrete Projekte, die den Duisburger Hafen voranbringen. Wir wollen Innovation gemeinsam mit den Startups im Bereich Logistik entwickeln. Wir sind da auf Innovation angewiesen, die von außen kommt. Für den Bereich Logistik wollen wir eine bekannte Innovationsplattform in Deutschland werden, sodass die Leute an uns denken, wenn es um Digitalisierung und Logistik geht. Es dreht sich also nicht nur um das Lösen von Problemen, sondern auch darum, die Themen in dieser Region bekanntzumachen.

Bei welchen Herausforderungen braucht der Duisburger Hafen Hilfe?

Peter: Eine Aufgabenstellung ist, Leerstände in Lagerhaus-Kapazitäten effizient zu vermarkten. Eines unserer Startups wird das HRS-Portal für Stellplätze in Hochregallagern. Das ist für uns hochinteressant, weil wir die Auslastung in unserem Standort optimieren wollen. Da wäre eine funktionierende Handelsplattform à la HRS für Hotelübernachtungen sehr wertvoll für uns.

Johannes: Das Thema Plattform ist unheimlich wichtig. Es können auch andere Plattformen sein, etwa für Buchung für Logistikdienstleistungen oder speditionelle Abwicklungen.

Hat der Hafen in der Vergangenheit schon einmal in Startups investiert?

Peter: Nein, noch nicht, wir haben erst im Oktober mit Startport angefangen.

Vorher gab es also auch keine Investition?

Johannes: Wir haben schon vorher Projekte mit Startups gemacht. Jetzt haben wir diese Plattform geschaffen, damit wir die Startups besser kennenlernen können und das ganze Netzwerk drumherum haben, um so eine Investition auch begleiten zu können.

Peter: Mit einem Startup haben wir ein Projekt abgewickelt, dort waren wir als Auftraggeber tätig. Wir haben im Bereich der Digitalisierung eines Container-Terminals eine optimierte Zulaufsteuerung für LKWs entwickelt. Mit einem anderen haben wir einen Algorithmus entwickelt, um Kranbewegungen auf dem Terminal zu optimieren. Aber investiert haben wir bisher nicht.

Welche Startups sind das?

Johannes: Die Namen wollen wir nicht nennen, die Projekte sind noch vertraulich.

Wie profitiert die Hafen-Gruppe noch von den Startups im Programm? 

Johannes: Grundsätzlich ist es schon so, dass wir mit den Startups Verträge abgeschlossen haben. Das ist ja nicht unüblich. Wir wollen uns zusichern, dass bei einer Finanzierungsrunde die beteiligten Partner gefragt werden, sodass wir als mögliche Investoren auftreten können. Das Thema Vertraulichkeit ist auch wichtig. Sodass man offen mit den Daten arbeiten kann, wenn gemeinsam Projekte umgesetzt werden. 

Peter: Zudem gehören wir zu einem Drittel der Stadt Duisburg und zu zwei Dritteln dem Land NRW. Das heißt, wir sind nicht ein ausschließlich wirtschaftlich aufgestelltes Unternehmen, wir wollen wirklich auch den Standort weiterentwickeln.

Was hat der Hafen bisher selber für die Digitalisierung im Unternehmen getan?

Peter: Wir haben ein Programm verabschiedet, bei dem 60 Menschen die nächsten zwei Jahre an 15 Einzelprojekten im Bereich der Digitalisierung arbeiten werden. Es fängt an bei digitaler Kultur und geht weiter zu Entwicklung von Handelsplattformen für Produkte, die wir selber anbieten. Dort gibt es natürlich den direkten Link zu den Startups hier bei uns, wir erhoffen uns natürlich Zusammenarbeit.

Bild: Startport

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