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Dieses Startup weiß, wo Kontrolleure unterwegs sind

Mithilfe der Software von Indeework planen Prüfer im Leipziger ÖPNV seit Kurzem ihre Routen. Noch weist das Programm allerdings kleine Schwächen auf.

Bus oder Bahn, umsteigen oder weiterfahren – nach welchem Fahrplan richten sich eigentlich die Kontrolleure im ÖPNV? In Leipzig bekommen die Prüfer neuerdings Unterstützung vom Startup Indeework. Gegründet wurde das Startup 2016, ursprünglich als Plattform für Freiberufler, daher auch noch der Name. Vor anderthalb Jahren folgte dann der Pivot, das Geschäftsmodell wurde komplett verändert. Es entwickelt jetzt eine Software, mit der sich die Einsätze von Außendienstmitarbeitern planen lassen, zum Beispiel zur Wartung von Stromleitungen oder zum Ablesen von Stromzählern.

Im vergangenen Jahr durchlief das Startup das Accelerator-Programm des Spinlabs, dessen Räumlichkeiten es noch heute nutzt. Mittlerweile arbeiten insgesamt 13 Leute bei Indeework. Einer von ihnen ist Data Scientist Jan Meyer, der auch das Projekt mit den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) betreut. Seit Juni diesen Jahres nutzen die Kontrolleure der Tochtergesellschaft Leipziger Servicebetriebe (LSB) die App von Indeework.

„Die App erkennt, wo sich die Prüfer gerade befinden und errechnet ihnen einen individuellen Fahrplan“, erzählt Meyer im Gespräch mit Gründerszene. Das Programm berechnet, auf welchen Strecken gerade viele Passagiere unterwegs sind. Es gehe aber auch darum, die Einsätze möglichst gleichmäßig auf alle Linien zu verteilen. Auch diesen Faktor beziehe die App in ihre Berechnungen mit ein.

Die Routenplanung soll auch vermeiden, dass ein und derselbe Zug von zwei Teams hintereinander kontrolliert wird. „Das war bisher unmöglich, weil die Routen immer nur manuell geplant wurden“, sagt Meyer. Für die Entwicklung haben er und seine Kollegen bereits einmal ein Prüferteam im Einsatz begleitet. „Das war super, denn da konnten wir unsere Berechnungen direkt mit der Realität abgleichen.“

Das Team von Indeework: In der Mitte der hintere Reihe steht Data Scientist Jan Meyer.

Seit einem Monat läuft das Projekt und bisher seien die Rückmeldungen der Kontrolleure dem Startup zufolge positiv. Sie empfänden die App als Hilfe, sagt Meyer. Das Programm optimiere auch die Umsteigezeit, so dass die Teams nicht mehr so lang am Bahnsteig warten müssten. Die Mitarbeiter könnten auch angeben, wo sie zu einem bestimmten Zeitpunkt sein möchten. Wollen sie beispielsweise an einem bestimmten Ort Mittagspause machen, passt das Programm die Fahrten dementsprechend an.

Noch plant das Programm zu kurze Kontrollen ein 

Trotz der positiven Rückmeldung seien noch nicht alle Kontrolleure komplett überzeugt, gibt der Informatiker zu. Ein Kritikpunkt sei zum Beispiel, dass die App eine zu kurze Zeit für die Fahrkartenkontrollen einplane. Die App schlage den Prüfern teilweise vor auszusteigen, bevor sie alle Passagiere in einem Wagen kontrolliert haben. „Das ist aber eine Kinderkrankheit“, glaubt Meyer. Das Problem will das Startup bald behoben haben.

In den nächsten Monaten soll die Software weiterentwickelt werden. Zum Beispiel soll die Route flexibler werden: Die Prüfer sollen statt einer festen Route gleich mehrere Optionen angezeigt bekommen.

Mit Künstlicher Intelligenz gegen Schwarzfahrer

U-Bahnfahren ohne Ticket? Eine lernende Software will dem einen Riegel vorschieben. In Berlin dürfte das System allerdings so bald nicht zum Einsatz kommen.

Laut Meyer geht es bei dem Projekt allerdings nicht darum, mehr Schwarzfahrer zu erwischen. Die Prüfer sollen in Zukunft stattdessen mehr als Servicepersonal wahrgenommen werden. Anders als in anderen deutschen Städten wie Berlin beispielsweise sind die Leipziger Kontrolleure stets in Uniform unterwegs und so von vornherein deutlicher als Ansprechpersonen erkennbar. 

Bild: Getty Images/ Juergen Stumpe

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