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Stau am Feiertag: Teslas Supercharger-Netzwerk war überlastet

Tesla-Fahrer sind vor allem vom Schnellladenetz des Autobauers begeistert. Doch am Wochenende zeigte sich in den USA, dass das System schnell überfordert ist.

Am vergangenen Donnerstag sind die Amerikaner in ihre sogenannte Feiertags-Saison gestartet: Thanksgiving ist traditionell ein Tag, an dem in den USA die Familien zusammenkommen und dafür durch das ganze Land fahren. Entsprechend voll ist es an den Tagen rund um dieses verlängerte Wochenende auf den US-Straßen – und an den Tankstellen und Ladesäulen. Und ausgerechnet an diesen Tagen hat sich nun gezeigt, dass zumindest in Staaten mit einer großen Zahl von Tesla-Besitzern Teslas Netz aus Schnellladestationen – den sogenannten Superchargern – dem Ansturm nicht mehr gewachsen ist. 

Denn seit der US-Elektroautobauer nicht mehr nur die Luxusmodelle S und X im Angebot hat, sondern mit dem Model 3 in Staaten wie Kalifornien auch zunehmend den Massenmarkt erobert, kommt Tesla mit dem Bau von Ladesäulen offenbar nicht mehr hinterher. Ein Autofahrer filmte eine besonders lange Warteschlange von Teslas vor der Supercharger-Station im kalifornischen San Luis Obispo. An dem kleinen Ort zwischen Los Angeles und San Francisco kreuzen sich der berühmte Küsten-Highway 1 und der Highway 101. Entsprechend voll wird es hier rund um die Feiertage.

Zwar gibt es zwölf Ladesäulen, an denen man schnell Energie nachladen kann, doch die reichten bei weitem nicht. Das Video zeigt, dass nicht nur alle Stationen besetzt sind, es warten auch einige Tesla-Fahrzeuge. Da jeder Ladevorgang 20 bis 30 Minuten dauert, musste mancher der Wartenden sicher über eine Stunde Geduld haben, bevor sie auch nur mit dem Laden beginnen konnten. 

Die Station in San Luis Obispo war nicht der einzige überforderte Supercharger-Standort. Auf Twitter häuften sich das ganze Wochenende über Beschwerden amerikanischer Tesla-Besitzer, die sehr lange warten mussten, um nachladen zu können. Eine der mit 40 Superchargern größten Stationen im kalifornischen Kettleman war laut einem Nutzer ebenfalls völlig überlastet, dort habe man eine halbe Stunde warten müssen, bevor man laden konnte. „Fast jeder Supercharger von LA bis San Francisco hat Stau. Teslas Supercharger-Netzwerk hat nicht mitgehalten“, schreibt Shawn Nag. „Ich habe mehr Zeit mit Laden als mit Fahren verbracht. Keine langen Strecken mehr mit Tesla.“

Allerdings ist die Überlastung offenbar vor allem ein Phänomen aus den Küstenregionen in den USA, wo der Marktanteil von Tesla deutlich höher ist als in den übrigen Bundesstaaten. So meldete ein Twitter-Nutzer aus dem Landesinnern: „Wir sind rund 1000 Meilen in Arizona, New Mexico und Texas gefahren an diesem Wochenende. Haben nicht einen einzigen Supercharger gesehen, der mehr als halb voll war, das ist also kein generelles Problem.“ 

Die Supercharger gelten eigentlich als besonderer Vorteil, den Tesla-Besitzer gegenüber anderen Elektroautofahrern haben. Denn die Ladestationen können ausschließlich von den Tesla-Kunden genutzt werden. Der amerikanische Elektroautobauer hatte früh begonnen, das eigene Netz aufzubauen, während andere Hersteller großteils darauf vertrauen, dass entweder andere Unternehmen aus der Energieversorgerbranche oder gar der Staat dafür sorgen wird, dass eine ausreichende Ladeinfrastruktur geschaffen wird

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Die Bundesregierung will eine lückenlose Ladesäulen-Infrastruktur bauen. Experten halten das Ziel für übertrieben. Eine Rechnung offenbart, wie unrealistisch es wirklich ist.

Dass die Supercharger nun zumindest zu Spitzenzeiten wie dem vergangenen Feiertagswochenende an ihre Grenzen stoßen, zeigt auch, wie erfolgreich Tesla in einigen Regionen der USA inzwischen ist. Während in den ersten neun Monaten des Jahres mehr als 255.000 Tesla-Modelle ausgeliefert wurden, wurden im gleichen Zeitraum nur etwa 230 neue Supercharger-Stationen und insgesamt rund 2.600 zusätzliche Ladesäulen in Betrieb genommen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Welt.de.

Bild: Smith Collection/Gado / Getty Images

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