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Sieben Dinge, die beim Kauf eines E-Autos beachtet werden sollten

Wer Interesse an einem E-Auto hat, sollte ein paar grundlegende Dinge wissen und sich einige Fragen stellen. Von der Akku-Miete bis zur heimischen Ladestation.

1. Jetzt kaufen oder warten?

Das Angebot an E-Autos ist schon jetzt relativ groß. Der BMW i3, der VW e-Golf, der Renault Zoe, der Smart ED und der Nissan Leaf sind Fahrzeuge, die es schon seit Jahren gibt und die dementsprechend ausgereift sind. Hinzu kommen natürlich die Teslas, die allerdings in einer anderen Preisliga unterwegs sind, solange das Model 3 noch auf sich warten lässt. Zwar bringen Jaguar (iPace, 2018), Daimler (EQ, 2019) und Audi (e-tron, 2019) in den nächsten 12 Monaten jeweils mittelgroße SUV mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern heraus, aber in der preiswerten Mittelklasse tut sich bis 2020 nichts. Erst wenn VW um 2020 den I.D. auf den Markt bringt, dürfte es wieder Bewegung im Markt geben.

2. Wie sieht mein Mobilitätsbedarf aus?

Eine der wichtigsten Fragen ist, wie viele Kilometer man pro Tag im Schnitt fährt. Die Faustregel lautet: Liegt die zurückgelegte Strecke pro Tag bei unter 100 Kilometer, kann man schon jetzt problemlos auf ein E-Auto zurückgreifen. Überschreitet die tägliche Strecke mehr als 150 Kilometer sollte man den Kauf eines E-Autos davon abhängig machen, ob an der Arbeitsstelle oder zu Hause eine Ladestation vorhanden ist, die sich nutzen lässt.

Wer am Wochenende regelmäßig Strecken über 150 Kilometer zurücklegt, sollte sich ebenfalls informieren, wo das Fahrzeug wieder aufgeladen werden kann. Will man mit dem E-Auto in den Urlaub fahren, ist die Strecke genau zu planen. Während in Deutschland die Zahl der Ladestationen mittlerweile recht groß ist, sieht es im europäischen Ausland meist noch nicht so gut aus. Dänemark und die Niederlande sind kein Problem, in Frankreich, Italien und Spanien sieht es allerdings noch schlecht aus mit der Ladeinfrastruktur.

3. Wie groß soll der Akku sein?

Wie groß der Akku sein soll, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Wie viel Kilometer fährt man pro Tag? Und wie schwer ist das Auto? Der Smart ED hat zum Beispiel mit 18 kWh einen relativ kleinen Akku, kommt aber knapp 180 Kilometer weit. Der VW e-Golf hat einen größeren Akku (36 kWh) und schafft knapp 300 Kilometer. Ein größerer Akku bedeutet mehr Gewicht und damit eine längere Ladezeit.

Über den Daumen gepeilt lässt sich sagen, dass bei einem Mittelklasse-Fahrzeug der Akku schon mindestens 40 kWh leisten sollte, sonst steht man schnell wieder an der Ladesäule. Je schwerer und größer das Fahrzeug ist, desto größer darf der Akku ausfallen. Unter 60 bis 70 kWh bei einem mittelgroßen SUV sollten es nicht sein. In der Luxusklasse sind mindestens 80 kWh besser. Wer ganz sicher gehen will, der schlägt bei Tesla zu. Das Tesla Model S und X haben einen 100 kWh Akku.

4. Was ist im Winter? Verlieren die Akkus nicht zu viel Leistung?

Akkus verlieren an Leistung, wenn es kalt ist. Wie viel Leistung bei welchen Temperaturen genau verloren geht, hängt von der Bauart des Akkus ab. Aber mit einem Verlust von 30 Prozent der maximalen Reichweite muss man auf jeden Fall rechnen. Dazu kommt, dass der Akku ja auch alle Nebenaggregate betrieben muss. Die Heizung, bzw. Klimaanlage frisst sich in die Reichweite, aber auch die Nutzung des Radios oder der Scheibenwischer. Diese Faktoren sollte man beim Kauf eines E-Autos mit einberechnen. Den Akku darum besser etwas großzügiger bemessen, wenn täglich Strecken gefahren werden, die an die maximale Reichweite des Akkus reichen.

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5. Welche Ladetechnik benötige ich?

Man kann seinen Akku auf unterschiedliche Weise aufladen. Möglich ist der Anschluss an einen ganz normalen Stecker im Haus. Da der Strom in den eigenen vier Wänden aber mit relativ wenig Leistung aus der Steckdose kommt, benötigt man für das Aufladen sehr viel Zeit. Ein 25 kWh-Akku hängt dann schon mal mehr als zehn Stunden an Strippe, bis er wieder voll aufgeladen ist. Auf der anderen Seite gibt es Ladestationen, die mit bis zu 150 kw Strom in den Akku ballern, so dass der Wagen schnell wieder geladen ist.

Aber Achtung: Nicht jedes Auto hat eine Ladetechnik, die mit 150 kw klar kommt. Es hängt auch davon ab, ob im Fahrzeug ein einphasiges oder dreiphasiges Ladegerät verbaut hat. Letzteres ist auf jeden Fall die bessere Lösung, weil der Ladevorgang erheblich beschleunigt wird.

Generell sollte man wissen, dass ein Akku aus technischen Gründen unterschiedliche Ladezeiten hat. Die ersten 80 Prozent sind relativ schnell aufgefüllt. Um den Akku aber zu 100 Prozent aufladen zu können, verlangsamt sich der Ladeprozess für die letzten 20 Prozent erheblich. Die können dann genau so lange dauern, wie die 80 Prozent vorher.

Etwas komplexer sind leider auch noch die Ladesysteme. So setzen die EU-Hersteller auf das Combined Charging System, die asiatischen Hersteller auf CHAdeMO System. Mit anderen Worten: Es werden unterschiedliche Steckersysteme verwendet. Die meisten Ladesäule bieten Anschlüsse für beide Systeme an. Wichtig beim Ladevorgang ist auch, welche Leistung die Ladesäule erbringt. Liegt die unter 20 kw, dauert der Ladevorgang länger, als wenn 50 kw oder mehr geliefert werden.

Wer eine eigene Garage hat, sollte über den Kauf einer Ladestation nachdenken. Die meisten Hersteller bieten eine sogenannte Wallbox an. Die liefert dann in der Regel zwischen 11 und 33 kw. Die Boxen werden mit dem hauseigenen Starkstromanschluss verbunden, der meist schon da ist, wenn man einen Elektroherd mit einem Starkstromanschluss hat. Die Kosten für eine solche Box liegen bei rund 1.500 Euro.

6. Akku mieten oder kaufen?

Verschiedene Anbieter haben verschiedene Modelle für den Akku im Angebot. Bei Renault kann man den Akku mieten. Eine Miete hat den Vorteil, dass man nicht den vollen Preis für den Akku zahlen muss. Wird das Auto nur für eine kurze Zeit geleast, fährt man so deutlich günstiger. Ebenso abgesichert ist man im Falle eines Defektes oder wenn die Akkuleistung unter 75 Prozent fällt. Dann wird der Akku kostenfrei oder unter Zuzahlung eines geringen Betrages ausgetauscht.
Beim Kauf eines Akkus trägt man aber auch nicht das volle Risiko. Alle Hersteller bieten großzügige Garantieleistungen an, die zwischen fünf und acht Jahre gelten. Der Vorteil beim Kauf: Der Akku gehört einem komplett. Renault behält sich zum Beispiel das Recht vor, den Akku per Fernwartung abzuschalten, falls der Kunde mit den Mietzahlungen in Rückstand gerät.

7. Ist ein E-Auto gefährlicher?

In Sachen Sicherheit ist ein E-Auto nicht gefährlicher als ein normaler Verbrenner. Dank der Sicherheitsbestimmungen müssen auch E-Autos genauso sicher gebaut sein, wie alle anderen. Die Batterietechnik ist sicher, spontane Selbstentzündungen, zum Beispiel durch eine überhitzte Batterie, muss man nicht befürchten. Die Akkus sitzen bei den meisten Fahrzeugen im Boden und sind zusätzlich gegen einen Seitenaufprall geschützt. Es sind sehr wenige Fälle bekannt, bei denen ein Fahrzeug nach einem Unfall gebrannt hat.

Bild: BMW AG

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