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Wie gut funktioniert das Transporter-Sharing von Carl und Carla?

Sie stehen in vielen Städten bereit und können auch kurzfristig gemietet werden. Wir haben den Service getestet, der Mieten ohne Schlüsselübergabe ermöglicht.

Umzug, Bandequipment oder Möbelkauf – um schwere Dinge zu transportieren, nutzen viele Berliner die 1978 gegründete Fahrzeugvermietung Robben und Wientjes. Der im letzten Jahr vom Konkurrenten Buchbinder übernommene Transporter-Verleih hat Kultstatus in der Hauptstadt. An den Wochenenden sind die Straßen voll von den Pritschen, Lastern und Sprintern mit der blauen Robbe auf der Motorhaube.

Doch die Popularität hat auch einen Haken – zumindest für den Verbraucher: Wer kurzfristig einen Wagen buchen will, guckt in die Röhre. „Da müssen sie schon ein paar Tage früher anrufen“, sagt mir die Dame im Robben-Callcenter am Telefon, als ich an einem Donnerstagmorgen einen Transporter für das Wochenende reservieren will.

Für Samstag ist mein Umzug geplant, die Kisten sind gepackt, die Helfer bestellt. Was tun? Mir fällt der Service von einem Startup ein, das Carl und Carla heißt. Bei dem 2013 gegründete Dresdner Unternehmen erfolgt die Buchung online und telefonisch. Nicht nur am Gründungsstandort Dresden bieten sie ihre Fahrzeuge zum Verleih, sondern auch in Chemnitz, Stuttgart, Mannheim, Halle, Leipzig und Berlin.

In Berlin stehen die Transporter an fünf Standorten. Auf einer Karte wird mir angezeigt, wo genau die Fahrzeuge in den Stadtteilen stehen und wie viele Transporter dort jeweils noch verfügbar sind. Für mich ist der Prenzlauer Berg am einfachsten zu erreichen: Zwei Transporter (Carl) sind laut Website an dem besagten Samstag noch da. Glück gehabt. Der Umzug kann stattfinden.

Der Buchungsprozess

Voraussetzung ist, dass der Fahrer mindestens 19 Jahre ist und seit einem Jahr einen Führerschein hat. Die Kriterien erfülle ich, klicke auf „jetzt mieten“ und werde zu einem Kalender weitergeleitet. Dort stehen verschiedene Zeitfenster zur Auswahl: Gebucht werden kann der Wagen ab 9.00 Uhr, 14.30 oder 20.00 Uhr, dann auch über Nacht. Ich entscheide mich für 9 Uhr, bis 14 Uhr will ihn wieder abgeben. Die Halbtagsmiete (inklusive 100 Kilometer-Pauschale) kostet 29 Euro, plus fünf Euro Wochenendaufschlag. Weil ich mich für eine Zusatzversicherung entscheide, fallen noch einmal 15 Euro an. Damit wird die Selbstbeteiligung im Falle eines Unfalls und Schadens am Fahrzeug von 1.750 auf maximal 300 Euro reduziert.

Drei weitere Leistungen werden mir gegen Aufpreis angeboten: Für zehn Euro zusätzlich stünde ein Flextarif zur Verfügung, mit dem ich meine Buchung auf einen anderen verfügbaren Zeitraum umbuchen könnte. Ein weiteres Angebot: Die Option „Klimaneutrales fahren“, bei der für jeden gefahrenen Kilometer ein Cent anfällt – zum Ausgleich des CO2-Fußabdruckes. Drittens kann für zehn Euro zusätzlich eine Anhängerkupplung gebucht werden.

Fünf Stunden für knapp 50 Euro

Um die Buchung abzuschließen, muss ich meinen Namen, meine Kontaktdaten sowie meine Personalausweis-Nummer in eine Maske tippen. Fahren werde ich das Fahrzeug nicht selbst, sondern eine Freundin. Von ihr muss ich neben den persönlichen Daten die Führerscheinnummer, und das Ausstellungsdatum und -ort angeben. Per Paypal überweise ich für die 5-Stunden-Miete eine Summe von 49,00 Euro. Zum Vergleich: Bei Robben und Wientjes kostet ein Fahrzeug einer ähnlicher Klasse laut Preisliste für fünf Stunden an einem Samstag rund 22,50 Euro, allerdings ohne Zusatzversicherung.

Mit dem „Carl“ durch Berlin

Die Bestätigungsmail, in der alle Daten und Abholort für den Transporter noch einmal aufgeführt sind, trudelt sofort in meinem Postfach ein. Einen Tag vor Ausleihe bekomme ich noch eine Sms: „Hallo Jana, du stehst kurz vor der Fahrzeugübergabe! Bitte beachte, dass es am Samstag zwischen 8 und 10 Uhr zu Wartezeiten am Telefon kommen kann – wir bitten um etwas Geduld! Du kannst das Fahrzeug innerhalb deiner Buchungszeit und unseren Öffnungszeiten abholen und zurück geben. Ruf uns einfach am, sobald du am Wagen angekommen bist und drücke die Taste (1). Das Kennzeichen des Wagens lautet DD GO … “. Okay, denke ich, kann ja nichts mehr schiefgehen.

Samstagmorgen. Es geht los. Mit dem eigenen Pkw fahren wir zu dem von Carl und Carla ausgewiesenen Stellplatz, an dem wir das Fahrzeug finden sollen. Es handelt sich um einen öffentlichen Parkplatz in Weißensee, ohne Parkgebühren (Ostseestraße/Goethestraße). Dort können wir für den Zeitraum der Transportermiete das eigene Auto kostenlos abstellen.

Vor Abfahrt: ein Anruf im Callcenter

Bei den Carl und Carla-Fahrzeugen handelt es sich um VW-Diesel-Transporter. In der Fahrerkabine gibt es Platz für drei Personen, der Laderaum ist 1,2 bis 1,4 Meter breit, 2,4 Meter tief und 1,4 Meter hoch. Für meine Zwecke reicht es. Im Boden sind außerdem sechs Verzurrösen, über die mit Gurten die Ladung gesichert werden kann. Die müssten, wenn benötigt, allerdings selbst mitgebracht werden.

Wie vorgeschrieben rufe ich die Telefonnummer an, die in der sms, aber auch überall auf der Karosserie des Wagens angegeben ist. Nach kurzer Zeit habe ich einen Mitarbeiter von Carl und Carla am Apparat. Bevor er uns das Auto aufschließt, gleicht er die persönlichen Daten von mir und meiner Fahrerin sowie deren Führerscheindaten ab, dann entriegelt er das Fahrzeug aus der Ferne. Wie und ob Carl und Carla die Echtheit unserer Daten überprüft, sei es bei der Buchung oder jetzt bei dem Anruf, bleibt mir ein Rätsel. Aus Erfahrung mit anderen Sharing-Anbietern weiß ich: Sie nutzen für die Authentifizierung die Fotofunktion und lassen sich Bilder von der Fahrerlaubnis übermitteln. Das erspart die mühsame Eingabe von Buchstaben- und Zahlenkombinationen. 

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Bei dem Telefonat mit dem Startup-Mitarbeiter werden wir außerdem darauf hingewiesen, die Mängelliste mit den tatsächlichen Schäden am Fahrzeug abzugleichen und gegebenenfalls Fotos zu machen, für spätere Nachweise. In unserem Fall finden sich in der Liste keine Einträge, auch bei der inneren und äußeren Kontrolle des Fahrzeuges finden wir keine Schäden, im Transporterraum gibt es allerdings diverse Schrammen und Kratzer. Aber das ist wohl das Ergebnis einer normalen Nutzung. Zum Schluss kommt noch der Hinweis des Call-Center-Mitarbeiters, das Fahrzeug vor der Rückgabe wieder vollzutanken und vor der Abfaht den Kilometerstand auf dem Tacho abzugleichen. Passt.

Eine Stunde vor Ablauf der Mietdauer machen wir uns auf den Rückweg, um das Fahrzeug wieder abzugeben. Dafür müssen wir es zu dem gleichen Parkplatz zurückbringen, bei dem wir es auch geholt haben, der Tank muss wieder voll sein. Wir stellen den Transporter wieder ab und rufen, wie schon am Morgen, die Nummer des Carl und Carla-Callcenters wieder an. Dort wird noch mal der neue Kilometerstand abgeglichen, gefragt ob der Tank voll ist. Dann schließt der Mitarbeiter das Fahrzeug wieder ab.

Fazit: Einige Vorteile, aber auch kleine Schwächen

Die Transporter von Carl und Carla sind eine gute, wenn auch nicht unbedingt günstigere Alternative zu Robben und Wientjes und vergleichbaren analogen Services. Der Austausch von Papieren entfällt, die Buchung erfolgt komplett digital. Außerdem gibt es, zumindest in Berlin, einen weiteren großen Vorteil gegenüber den herkömmlichen Anbietern: Die „Carls“ stehen an relativ zentralen Orten innerhalb des Stadtrings oder nicht weit davon entfernt. Robben und Wientjes indes will seine beiden Standorte im Prenzlauer Berg und in Kreuzberg bald aufgeben. Wer bei Hertz und Co. ein Fahrzeug leiht, muss oft zu Parkplätzen in Gewerbegebieten oder an Flughäfen fahren.

Schwachpunkte gibt es allerdings auch: Einwegmieten sind nicht möglich, der Transporter muss immer wieder an den Ort der Ausleihe zurückgebracht werden. Die Rückgabe und Abholung ist außerdem nur zwischen 8 und 20 Uhr möglich, hier sind andere Anbieter flexibler, die Fahrzeuge können rund um die Uhr wieder abgegeben werden, ohne dass dafür ein Mitarbeiter kontaktiert werden muss. Wenn das Startup in Berlin auf ein vollständig automatisiertes System setzten würden, wie es beispielsweise Drivy oder Getaway für das private Carsharing tun, ließen sich die Personalkosten für das Unternehmen noch deutlich reduzieren – und die Ausleihe wäre 24/7 möglich.

Bild: Jana Kugoth für NGIN Mobility; Video: Mitarbeit von Marco Weimer

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