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Mit seinem Handelsstreit trifft Trump ausgerechnet Tesla

Eigentlich wollte der US-Präsident mit seinen Strafzöllen die heimischen Autobauer schützen. Doch das Gegenteil ist der Fall, besonders leiden nun E-Auto-Hersteller.

Der von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochene Handelsstreit zwischen den USA und China trifft ausgerechnet Tesla und andere amerikanische Hersteller von Elektroautos besonders hart. Das geht aus einer Studie des Rating- und Analyseunternehmens S&P Global hervor. Demnach brachen die Verkäufe amerikanischer Elektroautos in China im ersten Monat nach Einführung der Straf- und Vergeltungszölle zwischen den beiden Ländern dramatisch ein.

Die Anfang Juli verhängten Vergeltungszölle der Chinesen führten demnach dazu, dass der Export von amerikanischen Fahrzeugen nach China im Juli um 315 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr zurückging. Das entsprach einem Minus von 39,2 Prozent. Noch härter trifft es die Hersteller von Elektroautos, hier lag der Rückgang sogar bei 82,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Chinesen hatten die Zölle auf Fahrzeuge aus den USA im Gegenzug für Strafabgaben auf chinesische Güter um 25 Prozentpunkte auf nun 40 Prozent erhöht.

Wie hoch das Minus für Tesla ausfällt, weisen die Analysten nicht aus. Auf den Autobauer von Elon Musk dürfte aber der Großteil des Einbruchs entfallen, da nur wenige elektrische Modelle anderer Hersteller in die Volksrepublik geliefert werden. Für Tesla ist China hingegen der zweitwichtigste Markt nach den USA. Im vergangenen Jahr konnte der US-Elektroautobauer seinen Umsatz in der Volksrepublik fast verdoppeln und erwirtschaftete dort rund zwei Milliarden Dollar – mehr als ein Sechstel des Gesamtumsatzes von 11,8 Milliarden Dollar. Auch in diesem Jahr konnte Tesla seine Umsätze in den ersten sechs Monaten noch einmal leicht von knapp 968 Millionen Dollar auf 1,04 Milliarden Dollar steigern.

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Da Tesla bislang nur in den USA Fahrzeuge produziert, müssen alle in China verkauften Exemplare eingeführt werden. Musk hat inzwischen zwar eine eigene Gigafactory im chinesischen Shanghai angekündigt, doch es wird noch Jahre dauern, bis die Nachfrage aus dem Reich der Mitte mit dort produzierten Teslas befriedigt werden kann. Als Reaktion auf die gestiegenen Kosten durch die Strafzölle der Chinesen hat Tesla bereits die Preise für die dort verkauften Model S und Model X erhöht.

Im Halbjahresbericht gibt sich Tesla aber optimistisch, dass die Auswirkungen nur kurzfristiger Natur sein dürften. Dort heißt es: „Während die Preisanpassung kurzfristig einen negativen Effekt auf unsere Fahrzeugverkäufe in China haben kann, erwarten wir einen schwerwiegenden Effekt auf unsere globalen Fahrzeugauslieferungen, da wir die Auslieferungen teilweise nach Nordamerika oder Europa umleiten können, wenn das nötig sein sollte.“ Demnach ist die Nachfrage aus den anderen Weltregionen nach den Tesla-Modellen noch immer so groß, dass die in China nicht verkauften Autos dorthin geliefert werden können.

Trotzdem listet Tesla den Handelsstreit als Risiko in seinem Geschäftsbericht auf. Die bereits erhöhten Zölle könnten in der Zukunft weiter angehoben werden, heißt es dort. Tatsächlich haben die USA und China bereits angekündigt, die Strafzölle weiter auszuweiten. Der Streit könnte Tesla gleich doppelt treffen. Neben dem Rückgang der Verkaufszahlen könnte der E-Auto-Bauer auch höhere Kosten für bestimmte Teile von chinesischen Zulieferern zu spüren bekommen. „Unlängst erhöhte Importzölle auf bestimmte Komponenten, die in unseren Produkten verwendet werden und aus China stammen, könnten unsere Kosten erhöhen und unser operatives Ergebnis negativ beeinflussen.“

Tesla ist nicht der einzige Autobauer, der mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China zu kämpfen hat. BMW hat ebenfalls angekündigt, die Preise von Modellen, die in den USA produziert und nach China exportiert werden, zu erhöhen. Der Münchner Autobauer produziert in seinem Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina vor allem SUVs, die teilweise auch exportiert werden. Auch Daimler erwartet negative Auswirkungen der chinesischen Vergeltungszölle. Bislang ist von dem Effekt zumindest bei BMW allerdings noch nichts zu spüren. Die Verkäufe der Münchner in China legten im August um 12,9 Prozent zu im Vergleich zum Vorjahr.

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Neben der Autoindustrie waren von der ersten Runde der Strafzölle vor allem landwirtschaftliche Produkte betroffen. So gingen laut der S&P-Analyse beispielsweise die Hirseexporte aus den USA nach China von 127 Millionen Dollar im Vorjahr auf null zurück. Die Maisexporte sanken um 99,7 Prozent, die Ausfuhren von Sojabohnen um 55,6 Prozent.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Bild: Tesla

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