Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

So sieht die U-Bahn der Zukunft aus

Es gibt viele futuristische Ansätze, den öffentlichen Nahverkehr in Städten neu zu organisieren. Doch in Deutschland rechnen Experten eher mit kleinen Schritten.

Um die Zukunft der Mobilität geht es auch bei unserer Mobility-Konferenz am 8. November in Berlin.

Es rattert schon seit ein paar Sekunden aus dem dunklen Tunnelschacht. „Komm’ weg hier“, raunzt eine Mutter ihr Kind an und zieht den Jungen am Arm von der Bahnsteigkante am U-Bahnhof Märkisches Museum weg. Sekunden später poltert die U2 in den Bahnhof. Im Wagon ist es heiß, der Zug – augenscheinlich ein Modell aus dem vergangenen Jahrtausend – ist überfüllt. Man kann kaum den Arm heben, um auf sein Smartphone zu schauen. Aber wozu auch? Das mobile Internet funktioniert ohnehin nur lückenweise.

Es sind Szenen wie diese, die den ein oder anderen Fahrgast zur Frage verleiten dürften, ob die U-Bahn in 50 Jahren wohl immer noch so aussehen wird. Oder vielleicht bequemer? Gibt es sogar Alternativen zum Tunnelbau unter der Erde? Einer, der es wissen muss, ist Markus Hecht. Er ist Professor am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin und leitet dort seit über 20 Jahren das Fachgebiet Schienenverkehr.

Die Zukunft ohne Fahrer

Für ihn gibt es drei große Herausforderungen, die eine U-Bahn in Zukunft meistern muss: Komfort, die Bewältigung immer höherer Fahrgastzahlen und Automatisierung. „Das Reisen mit der Metro sollte und kann komfortabel sein“, ist er sich sicher und geht sofort ins Detail. „Dazu gehören große, weiträumige Bahnsteige mit kurzen und bequemen Zugängen, ununterbrochener Internetzugang auf den Bahnhöfen und in den Zügen, Leistungsfähigkeit von circa 80.000 Personen pro Stunde und Richtung sowie ein angenehmes Klima.“ Entgegen der landläufigen Meinung sei die Energieverschwendung durch das häufige Öffnen der Türen in klimatisierten Wagons zu vernachlässigen. Für Hecht ist ebenfalls klar, dass nur vollautomatisierte U-Bahnen zukunftsfähig sind. „Der Aufenthalt in den Endstationen unterscheidet sich dann nicht mehr von den Stationen unterwegs“, erklärt er. „Das heißt, der Fahrtrichtungswechsel erfolgt in Sekunden. Damit werden Fahrzeuge und Anlagen und damit Kosten gespart.“ Er betont außerdem die Vorteile von Bahnsteigtüren, die den Weg zum Gleis nur freigeben, wenn dort auch ein Zug steht. „Das führt zu hoher Zuverlässigkeit“, so der Professor. „Niemand kann mehr ins Gleis fallen und eine Betriebsstörung verursachen.“

Diesen Artikel lest ihr auch in unserem neuen Magazin, das am 25. September 2018 erschienen ist. Das Heft steht euch hier zum Download bereit.

Auch am Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) macht man sich Gedanken um die U-Bahn der Zukunft. Ulrike Engel-Ziegler leitet dort das Projekt Smart Cities Living Lab. Was ist für sie bei der Zukunft der U-Bahn entscheidend?

Züge mit Wasserstoff-Antrieb

„Ich denke da an neue Antriebstechnologien“, sagt Engel-Ziegler. „Etwa an Hydropowered Trains oder den Hyperloop.“ Hydropowered Trains stoßen nur Wasserdampf aus. Diese Antriebsart ist oberirdisch in Deutschland bereits im Einsatz; ein Regionalzug des Fabrikanten Alstom mit dem Wasserstoff-Antrieb ist seit April 2018 in Niedersachsen auf den Schienen. Beim Hyperloop werden Züge durch Magnetfelder angetrieben. „Außerdem wird die Energieeffizienz der U-Bahn-Infrastruktur sich steigern, indem man etwa die Wärme oder den Fahrtwind nutzt“, prognostiziert Engel-Ziegler, schiebt allerdings einen Satz hinterher, der das Potenzial von U-Bahnen im ÖPNV-Netz der Zukunft fraglich erscheinen lässt: „Bei Neubauten sollte man sich in Zukunft Alternativen überlegen. U-Bahnen sind sehr kostenintensiv im Vergleich zu Straßenbahnen.“ An diesem Punkt widerspricht Professor Hecht deutlich. „Straßenbahnen sind zwar aktuell in Mode“, so Hecht. „Sie sind aber keine echte Alternative, da sie so viel weniger Fahrgäste transportieren können.“

Hier ein neuer Antrieb, da ein bisschen mehr Komfort und am Ende statt der U-Bahn eine Straßenbahn – ist das wirklich die Zukunft? Gibt es keine Visionen, die unterirdischen oder schienengebundenen ÖPNV radikal neu erfinden wollen? Keine Utopien, so futuristisch, dass man kaum glauben mag, sie könnten tatsächlich Realität werden?

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