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Uber testet Bikesharing-Dienst Jump in Berlin

Der Mobilitätsdienstleister Uber wollte den Test nicht an die große Glocke hängen. Doch auf Twitter und Facebook blieb der heimliche Start nicht verborgen.

Auf Facebook und Twitter kursierten die Bilder bereits am Montag Mittag: rote Elektro-Fahrräder in Prenzlauer Berg und Mitte mit der Aufschrift „Jump“. Vor dem Lenker ein Plastikkorb, dann ein massiver Rahmen, ein Bügelschloss und über dem Hinterrad ein Kästchen mit der Buchungselektronik statt eines Gepäckträgers.

Sollte der Mobilitätsdienstleister Uber nun doch seinen Leihfahrrad-Service in Berlin starten? Das war bereits für Sommer angekündigt worden. Auf Nachfrage von Gründerszene und NGIN Mobility hieß es immer wieder, man arbeite intensiv an dem Thema.

Am Dienstag bestätige Uber nun einen Feldversuch. Es handele sich um einen Testlauf mit weniger als 100 E-Bikes, einem eingeschränkten Geschäftsgebiet in den Berliner Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg sowie einer ausgewählten Kundschaft von höchstens 300 Personen. Es sei kein Launch, betont das US-Unternehmen. Der offizielle Start – der erste von Jump außerhalb der USA – solle im kommenden Jahr in Berlin erfolgen. Wer das Angebot nutzen wolle, könne sich auf eine Warteliste eintragen. 

Uber-Chef Dara Khosrowshahi hatte dagegen den Deutschlandstart des Dienstes auf der Tech-Konferenz Noah bereits für den Spätsommer angekündigt. Khosrowshahi war damals mit einem roten Pedelec auf der Bühne erschienen.

Mit der Übernahme von Jump im Frühjahr 2018 reagierte Uber auf den weltweiten Boom der Elektrofahrräder und Elektroroller. Der Uber-Website zufolge sind Jump-Elektrobikes bislang in zwölf US-Metropolen verfügbar – in Austin und Los Angeles bietet Uber auch elektrische Tretroller an. „30 bis 40 Prozent der Fahrten mit Uber sind in den USA kürzer als vier Kilometer“, begründete Khosrowshahi das Angebot. 

Leihräder überfluten Städte

Berlin wurde in diesem Jahr mit einer bunten Leihfahrradflotte überschwemmt. Vor allem Unternehmen aus China wie Mobike und Ofo kamen auf den Markt. Auch das US-Startup Limebike begann in Berlin Fahrräder zu vermieten.

Obike aus Singapur ist inzwischen schon wieder vom Markt verschwunden und hat dabei Tausende Schrottfahrräder hinterlassen. Auch der Leihfahrradservice Ofo gab im Sommer 2018 auf, offenbar wurden die erwarteten wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht.

Uber will in Berlin E-Bikes verleihen und Elektroautos testen

Zwei Neuigkeiten hatte der Chef des Mobilitätsdienstleisters Uber zur Tech-Konferenz Noah nach Berlin mitgebracht.

Die Berliner Behörden sind beim kommerziellen Bikesharing in einer strategischen Zwickmühle: Zum einen ist das Fahren mit Leihrädern politisch erwünscht, andererseits sind die Abstellflächen knapp und auf dem Höhepunkt des Leihfahrrad-Booms kam Kritik wegen zugeparkter Bürgersteige auf.

Versöhnliche Töne

Mit dem Bikesharing-Dienst Jump wolle Uber den Europastart versöhnlicher angehen, nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand, heißt es bei dem Unternehmen. Khosrowshahi verordnete dem durch Negativschlagzeilen krisengeschüttelten Mobilitätsdienstleister eine neue Unternehmensphilosophie. Vor der Amtszeit des CEO machte Uber vor allem mit brachialen Methoden von sich Reden, scherte sich wenig um die Rechtslage auf neuen Märkten und kassierte in Deutschland serienweise Niederlagen vor Gericht. Fahrer in den USA protestierten gegen die Bezahlung. Nachdem ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Radfahrerin getötet hatte, musste das Unternehmen seine Tests monatelang unterbrechen. Auch mit der Datensicherheit nahm es Uber nicht genau und wurde dafür zu Geldbußen verurteilt.

In Deutschland scheint der versöhnliche Kurs zu fruchten: Äußerungen des Verkehrsministers Andreas Scheuer zeigen, dass er Uber und ähnliche Fahrdienste trotz Protesten der Taxiwirtschaft zulassen will.

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Bild: Hannah Scherkamp

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