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So will der Autokonzern Volkswagen den Carsharing-Markt aufrollen

BMW und Daimler sind in Deutschland seit Jahren die Marktführer im Carsharing. Jetzt will Volkswagen aufholen – und tausende E-Fahrzeuge in Berlin verteilen

Mit der Urban Mobility International GmbH (UMI) steigt Volkswagen ins Carsharing-Geschäft ein – und will es besser machen als die Konkurrenz. Im Interview spricht CEO Philipp Reth über starre Strukturen, starke Marken und dynamische Preise.

Philipp, Medien und Wettbewerber verfolgen genau, was aus dem Volkswagen-Konzern zum Thema New Mobility kommt. Stehst du in deiner neuen Rolle als UMI-CEO jetzt mehr unter Beobachtung?

Absolut, bislang stand ich nicht so im Rampenlicht. Im Alltag erlebe ich allerdings noch keinen Unterschied. Ich habe schon vor meiner Zeit bei Volkswagen an Mobilitätsthemen gearbeitet.

Mit der UMI entwickelt ihr ein Carsharing mit
E-Autos. Warum hat Volkswagen dazu eine neue
Einheit gegründet?

Die UMI ist ein Corporate Venture, eine Art Startup im Konzern. Diese Struktur soll ermöglichen, dass das Carsharing-Angebot schnell auf den Markt kommt. Wir sind ein kleines Team und haben kurze Entscheidungswege. Bis Ende des Jahres wollen wir auf 30 Mitarbeiter wachsen.

Diesen Artikel lest ihr auch in unserem neuen Magazin, das am 25. September 2018 erschienen ist. Das Heft steht euch hier zum Download bereit.

UMI ist der Name der neuen Konzerneinheit. Wird so auch die Marke des Volkswagen-Carsharing-
Angebots heißen?

Nein. Alle unsere Vehicle-on-Demand-Services, so nennen wir Dienste, bei denen Nutzern für einen bestimmten Zeitraum Fahrzeuge zur Verfügung stehen, die sie – zumindest noch – selbst fahren, werden unter „WeShare“ laufen.

Das Ziel von Volkswagen ist es, ein internationales Carsharing-Angebot zu starten. Welche Rolle spielt dabei der Aufbau einer starken Marke?

Das ist auf jeden Fall sehr relevant – und daraus ergibt sich unsere Aufgabe. Wir müssen nicht nur eine starke Marke, sondern auch eine breite Nutzerbasis aufbauen und verstehen, welche Mobilitätsangebote die Menschen in Ballungsräumen wünschen.

In welcher Stadt wollt ihr starten?

Wir werden in Berlin an den Start gehen.

Volkswagen war mit Quicar schon mal als Carsharing-Anbieter unterwegs, der Service wurde 2016 wieder eingestellt. Warum jetzt der zweite Versuch?

Ganz aufgegeben hat Volkswagen das Projekt nie. Quicar ist in dem niederländischen Greenwheels aufgegangen, einem stationären Carsharing-Anbieter, an dem Volkswagen noch immer eine Minderheitsbeteiligung hält.

Der Zeitpunkt für den zweiten Anlauf verwundert. Gerade haben die Wettbewerber Car2Go und DriveNow verkündet, ihre Kräfte zu bündeln.

Wir sehen uns als „smart follower”. Der Markt wächst weiter, die niedrigsten Prognosen gehen in Europa von einem Wachstum von jährlich 15 Prozent aus und viele Menschen sind bereits mit Vehicle-on-Demand-Angeboten vertraut. Volkswagen wird diesen Markt weiterentwickeln und Services in verschiedenen Formaten einer noch breiteren Nutzergruppe anbieten. Wir wollen den Markt von hinten aufrollen. Das hat schon einmal funktioniert.

In welchem Fall?

Bei SUVs. Auch hier war Volkswagen nicht unter den ersten Anbietern auf dem Markt, ist recht spät mit dem Tiguan eingestiegen. Mit diesem Modell hat Volkswagen schnell aufgeholt. Ein solches Vorgehen schwebt uns auch im Bereich Shared-Mobility-Services vor. Aber wir wissen auch: Es wird kein Sprint, den wir zurücklegen müssen. Sondern ein Marathon.

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… und den wollt ihr elektrisch zurücklegen. Ihr habt angekündigt, ausschließlich auf E-Fahrzeuge zu setzen – obwohl ein Sharing-Angebot mit elektrischen Autos bisher kaum wirtschaftlich betrieben werden kann.

Das liegt daran, dass ein Großteil der E-Auto-Modelle heute noch nicht über die für ein Sharing-Angebot nötigen Reichweiten von mindestens 250 Kilometern verfügt. Mit dem Modell I.D. aus der neuen Generation von Elektrofahrzeugen von Volkswagen soll 2020 ein Fahrzeug auf den Markt kommen, dessen Reichweite mit bis zu 600 Kilometern über der des Tesla S und deutlich über der des Tesla 3 liegt.

Aber ihr wollt schon ein Jahr früher, nämlich 2019, mit eurem Angebot starten.

Ja. Zunächst setzen wir auf den e-Golf, etwas später soll auch der e-up! in die Flotte integriert werden. Auch diese Fahrzeuge bieten dann die erforderliche Reichweite. Grundsätzlich wollen wir unterschiedliche Fahrzeugklassen anbieten, auch Transporter finden wir spannend.

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