Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Wie ein Leasing-Startup zum Unruhestifter im Milliardengeschäft wurde

Das Berliner Unternehmen Vehiculum hat dazu beigetragen, das Leasing-Geschäft auf den Kopf zu stellen. Jetzt reagieren auch Hersteller, Hausbanken und Händler.

Als Vehiculum-Gründer Lukas Steinhilber vor etwa vier Jahren begann, auf Veranstaltungen der Automotive-Branche zu verkünden, dass der Leasing-Markt alt, kaputt und intransparent sei, wurde er belächelt und gerne auch mal überhört. Das angesprochene Problem war den meisten Verantwortlichen der führenden deutschen Autohersteller, ihren Hausbanken und Händlern wohl bekannt.

Da sich mit undurchsichtigen Preisstrukturen beim Leasing jedoch jährlich Milliardengewinne erzielen lassen, tat man zunächst vor allem zwei Dinge: möglichst nicht drüber reden und alles so weiterlaufen lassen wie gewohnt. Dass mal ein kleines Startup aus Berlin federführend die Digitalisierung des Leasing-Markt mitgestalten würde und einen transparenten Preis-Überblick bietet, damit hatten die wenigsten gerechnet.

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Heute suchen die Hersteller und Händler krampfhaft nach eigenen Lösungen, um dem wählerischen Kunden auch online ein faires Angebot bieten zu können. Diese Entwicklung bestätigt auch der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen. „Die Leasing-Wirtschaft stellt sich dem digitalen Wandel“, sagt Hauptgeschäftsführer Horst Fittler. Viele Gesellschaften seien dabei, digitale Antragsstrecken zu implementieren und arbeiteten an eigenen Online-Plattformen – auch in der Zusammenarbeit mit den Händlern.

Wenn sich das Modell Online-Leasing durchsetzen sollte, werden Händler mit stationärer Präsenz womöglich als erste das Nachsehen haben. Denn Leasing funktioniert auch über den Discounter, wie Vehiculum dieses Jahr beweisen konnte. Es war mehr als Test angelegt und überstieg die Erwartungen aller Beteiligten. Von Februar bis Ende April sollten über Lidl 1.000 Leasing-Fahrzeuge des Typs Fiat 500 vertrieben werden. Nach einer Woche waren alle Autos vergriffen. „Das war so erfolgreich, wie wir es uns selbst nicht ausgemalt hätten“, sagt Steinhilber. Denn eigentlich wird der Bärenanteil mit Geschäftskunden erzielt. Der typische Fall: Dienstfahrzeug. Gut 90 Prozent des Neugeschäfts werde mit gewerblichen Unternehmen gemacht, heißt es vom Leasing-Verband.

07 – Vehiculum

Score: 47,09
Gründungsjahr: 2015
Kategorie: Mobility
Webseite: www.vehiculum.de

Steinhilber will nach dem Privatkunden-Testlauf in Zukunft noch mehr aufs B2C-Geschäft setzen. „Banken und Hersteller haben gemerkt, dass wir neue Kunden finden und die gesamte Transaktion durchziehen können.“

Vehiculum hat bei Lidl die technische Infrastruktur aufgebaut, die Autos besorgt und die Verträge mit den Banken aufgesetzt. Der Kunde kann nach eigenen Angaben in etwa 15 Minuten online den gesamten Prozess durchlaufen und einen Leasing-Vertrag abschließen. Das Autohaus wurde damit aus Sicht des Startups erfolgreich übersprungen. Daimler hat den Schuss gehört und im Sommer dieses Jahres angekündigt, bis 2025 jedes vierte Auto online verkaufen zu wollen. Dass hier auch an digitalen Lösungen für den margenstarken Leasing-Bereich gearbeitet werden muss, versteht sich mittlerweile von selbst.

Bild: Vehiculum

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