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Ist das der Lieferwagen der Zukunft? Eine Testfahrt mit dem Loadster

Mit dem Loadster hat ein Berliner Gründer ein E-Auto mit Pedalen gebaut. Das Kettcar für Erwachsene soll den Lieferverkehr in den Städten verändern.

Fahrrad? Oder Auto? Wer das erste Mal den sogenannten Loadster sieht, ist sich da nicht so sicher. Das Gefährt erinnert an eine Seifenkiste mit Dach, also an eine Art Mini-Auto. Einen klassischen Motor mit Gaspedal gibt es allerdings nicht. Um von der Stelle zu kommen, muss der Fahrer in die Pedale treten. Dann schaltet sich der Elektromotor unterstützend ein.

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„Mit dem Loadster haben wir das erste Fahrrad, das vollumfänglich ein Auto ersetzen kann“, sagt Erfinder Jonas Kremer selbstbewusst. Das Fahrzeug sei wetterunabhängig, könne große Lasten transportieren und schone die Umwelt. Die Vision des gelernten Bürokaufmanns: Mit dem Hybrid zwischen Auto und Fahrrad will er den Lieferverkehr in der Stadt verändern – und die bisher eingesetzten Dielfahrzeuge ersetzen.

Der Mini-Lkw ist nicht nur emissionsarm. Er unterscheidet sich auch in anderen Punkten vom Auto: Der Loadster ist für Radwege zugelassen, der Besitzer muss keine Fahrerlaubnis besitzen. Dadurch fallen weder Steuer noch Versicherung an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 25 km/h. Der Akku unter dem Sitz soll Strom für eine Strecke von bis zu 200 Kilometern liefern, bevor er an einer normalen Steckdose wieder geladen werden muss. Unbeladen und ohne Fahrer bringt es der Mini-Lkw auf ein Gewicht von 60 Kilogramm.

Mehrere hundert Vorbestellungen

Das „Cockpit" ist simpel: Es gibt ein Tachometer mit Geschwindigkeitsanzeige, Lichtkontrollleuchte und Batteriestand. Neben dem kleinen Lenkrad sind zwei Bremsen, ähnlich wie beim Fahrrad montiert. Außerdem lassen sich über zwei Schalter verschiedene Antriebsstufen einstellen: von Öko bis Turbo-Modus. Mehr Schnickschnack gibt es nicht. Doch wie fährt sich das Ketcar für Erwachsene? Wir haben den Test gemacht:

Eigentlich hatte Gründer Kremer mit Fahrzeugen nichts zu tun. Die Idee zum Fahrzeug kam dem jungen Gründer als er in Bonn lebte. „Die Stadt ist wie England – es regnet scheinbar immer.“ Ein Auto kaufen wollte Kremer trotzdem nicht. Aber auch nicht andauernd nass werden. „Als ein kleiner Junge mit dem Ketcar an mir vorbei filzte, dachte ich mir: Das ist es! Ein Ketcar mit Dach!“ Er gründete das Startup Citkar. Wenige Wochen später sei der erste Prototyp fertig gewesen.

Noch ist der Loadster ein Unikat. Das soll sich bald ändern. Noch in diesem Jahr werde das Lieferfahrzeug der Zukunft in Serie gehen und in den Behindertenwerkstätten in Berlin-Neukölln gefertigt, kündigt der Gründer an. 750 Vorbestellungen sollen bereits vorliegen. Vor allem Essenslieferdienste seien interessiert, sagt er.

Auch der Preis für das Fahrzeug steht schon fest. Knapp 6000 Euro soll er einmal kosten – plus Mehrwertsteuer. Der Gründer hat bereits weitere Pläne: Neben der 25 km/h schnellen Version soll es später ein bis zu 40 km/h schnelles Fahrzeug geben. Und eine Variante für Privatkunden. „Wir ziehen nun auch den Bau eines Zweisitzers in Betracht“, kündigt Kremer an. Auch davon steht bereits ein Prototyp in der Berliner Werkstatt.

Bild: Jana Kugoth für NGIN MOBILITY
Video: Marco Weimer

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