Trends, Innovationen und Digitales aus dem Mobilitätsbereich

Tarif-Chaos an der Ladesäule – Verbraucherzentrale fordert Transparenz

Verbraucherzentralen fordern die Stromanbieter auf, das Laden für E-Autos einfacherer und transparenter zu machen. Startups tüfteln derweil an entsprechenden Lösungen.

Die Verbraucherzentralen und mehrere Verbände aus dem Bereich Elektromobilität fordern mehr Transparenz an Zapfsäulen für Elektroautos. Die Berechnung müsse auf der tatsächlich abgegebenen Strommenge basieren und damit einen Preisvergleich ermöglichen. Auch spontanes Laden müsse mittelfristig an allen vorhandenen Ladesäulen möglich werden, heißt es in dem Forderungspapier des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) an die Plattform „Zukunft der Mobilität“ der Bundesregierung.

Mängel bei der Ladeinfrastruktur würden Verbraucher vom Kauf eines Elektroautos abhalten. „Das Laden muss einfacher und transparenter werden“, fordert Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Created with Highstock 6.0.7Euro-Cent/kWhPreis-ChaosStromtarife pro Kilowattstunde (Stand Juli 2018)EnBWStW MünchenAllego/New MotionEWEInnogyStW D‘dorfStromnetz HHStW DresdenMainova01224364860481620283240445256LichtBlick / Gründerszene

 
Der Ökostromanbieter Lichtblick hat den Markt untersucht und lieferte die Basis für die Forderung des vzbv: Die Grafik zeigt die Preise pro Kilowattstunde, wobei eine Tankfüllung für 100 Kilometer mit einem BMW i3 zugrunde gelegt wurde (15 kWh bei einer Stunde und 36 Minuten Ladezeit). Danach liegen die Preise von sieben der elf untersuchten Betreibern teilweise deutlich über dem durchschnittlichen Kilowattstundenpreis von Haushaltsstrom (29,4 Cent). Nicht dargestellt sind zwei Betreiber, die kostenfrei Strom anbieten: die Stadtwerke Leipzig und RheinEnergie.

Lichtblick kritisiert, dass jeder Anbieter sein eigenes System mit unterschiedlichen Tarifen und Zeitstaffeln für das Laden habe. Lokale Monopole, so Lichtblick, bestimmen Angebote und Preise und verhindern den Markteintritt für konkurrierende Anbieter. „Die Ladeinfrastruktur ist ein chaotischer Flickenteppich. Regionale Monopolisten diktieren Preise und schaffen ein babylonisches Wirrwarr an Karten, Apps und Bezahlsystemen. Der Dumme ist am Ende der Kunde“, kritisiert Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking.

Alternativen durch Blockchain-Technologie

Die Ladekarte und damit die feste vertragliche Bindung an einen Stromanbieter könnte allerdings zum Auslaufmodell werden. Das Startup Hubject arbeitet an einer digitalen Roaming-Lösung, bei der ein im Elektrofahrzeug hinterlegtes Zertifikat den Fahrer legitimiert. Und das Startup Car eWallet des Automobilzulieferers ZF entwickelt eine Blockchain-basierte Bezahllösung für die Stromtankstelle. Nach einer gemeinsamen Projektphase mit dem Softwarekonzern IBM und der Bank UBS arbeitet das ausgegründete Startup nun in Berlin an der Marktreife seiner Software.

Jedes zehnte Carsharingauto in Deutschland ist elektrisch, hat der Bundesverband Carsharing errechnet. Danach gab es zu Jahresbeginn insgesamt 1.772 Fahrzeuge in Flotten. Der Verband fordert, das Zusammenspiel von Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur müsse störungsfreier werden.

Telekom plant Ladenetz

Unterdessen kündigte die Deutsche Telekom am Montag den Aufbau eines öffentlichen Ladenetzes für Elektroautos an. Dabei werde der Konzern seine eigene Infrastruktur wie etwa die grauen Stromverteilkästen nutzen. „Beim Aufbau unseres bundesweiten Ladenetzes kombinieren wir Schnell-Ladepunkte mit Normal-Ladepunkten“, erklärte der Geschäftsführer der Telekom-Tochter DFMG Deutsche Funkturm GmbH, Bruno Jacobfeuerborn. Neben den Stromverteilstellen als Ladesäule sollen in den nächsten drei Monaten etwa 100 Schnell-Ladestationen ans Netz gehen, bis 2021 dann insgesamt 500. In nur zehn Minuten könnte ein Fahrzeug hier Strom für rund 100 Kilometer Reichweite „tanken.“

Mit Reuters / Bild: Getty Images / Maskot

Folge NGIN Mobility auf Facebook!

Folge NGIN Mobility auf:

In Kooperation mit
amplifypixel.outbrain