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Was Scooter-Vermieter vom Akku-Recycling halten

Die Recyclingwirtschaft und ein SPD-Politiker sprechen sich für ein Batteriepfand aus. Die Mobilitätsindustrie hat andere Verwertungsideen.

Der SPD-Politiker Michael Thews hat ein Pfandsystem für E-Scooter-Batterien vorgeschlagen. Der Vize-Vorsitzende des Umweltausschusses will damit eine höhere Recycling-Quote erreichen und vermeiden, dass Lithium-Ionen-Akkus bei falscher Entsorgung in Brand geraten können.

Auch der Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) hatte im August eine Pfandpflicht gefordert, nachdem es in Recyclinghöfen und Müllfahrzeugen zu Bränden kam, die auf Lithium-Ionen-Akkus zurückzuführen waren. Solche Batterien sind in Elektroautos, Scootern, zahlreichen Haushaltsgeräten, Smartphones und Computern verbaut.

Gründerszene und NGIN Mobility haben Scooter-Betreiber gefragt, was sie von dieser Idee halten.

Circ arbeitet bereits an Austausch-Akkus

Circ entwickelt seine E-Roller selbst und lässt sie in China montieren. „Durch die volle Kontrolle der gesamten Wertschöpfungskette können wir die deutschen Standards für Elektrokleinstfahrzeuge sogar übertreffen“, sagt Sprecher Stefan Keuchel. „Wir haben ein geschlossenes Recyclingprogramm für Batterien definiert, das den CO2-Footprint bei der Herstellung von Batterien verringert und der Richtlinie 2006/66 / EG entspricht.“ Batterien, die sich dem Ende ihrer Verwendbarkeit nähern, landen bei Circ nicht einfach auf dem Müll. Sie können auch zweitverwertet werden – beispielsweise in Ladestationen.

Zum vorgeschlagenen Pfandsystem sagt Keuchel: „Prinzipiell begrüßen wir kreative Vorschläge oder Lösungswege wie die Akkus wieder- oder weiterverwendet und recycelt werden können“. „Wir arbeiten bereits an der nächsten Generation der Circ-Roller, die noch robuster und damit haltbarer sind und zudem austauschbare Akkus haben werden“, sagte Keuchel.

Tier Mobility setzt auf „Second Life“

„Das Thema Akku-Verwertung wird uns erst in ein bis zwei Jahren in größerem Ausmaß beschäftigen, da die Batterien in der Regel selbst nach 600 Ladezyklen noch 80 Prozent der ursprünglichen Reichweite aufweisen“, entgegnet Bodo von Braunmühl, Sprecher des Scooter-Vermieters Tier Mobility, auf die Idee von SPD und Recyclingwirtschaft.

„Wir arbeiten aber bereits an unterschiedlichen Konzepten, unter anderem auch im Bereich „Second Life“, also der Weiterverwendung auf anderen Gebieten, zum Beispiel in Ladestationen.“

Was den Pfand-Vorschlag angeht, sagte von Braunmühl: „Aktuell können wir nur sagen, dass wir für alle sinnvollen Optionen aufgeschlossen sind, die bestmögliche Recycling- und Wiederverwendungssysteme gewährleisten.“

Voi recycelt alte Batterien

„Die ausgedienten Batterien werden von uns ausgebaut und fachgerecht recycelt. Dazu arbeiten wir mit professionellen lokalen Recyclingpartnern zusammen“, sagt Claus Unterkircher, General Manager des E-Scooter-Vermieters Voi.

„Ein Pfandsystem könnte eine gute Regelung für tragbare private Batterien sowie auch herkömmliche Batterien sein. Allein 2015 landeten europaweit mehr als 35.000 Tonnen Batterien im Hausmüll, statt zu einer Sammelstelle gebracht zu werden“, sagt Unterkircher. „Wir verwenden hier in Deutschland Akkus von LG, diese unterliegen strengen Vorschriften und sind sehr sicher und besonders lang haltbar.“

Der Tretroller-Vermieter Lime antwortete nicht auf die Fragen von Gründerszene. 

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Bild: Getty Images / Westend61

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