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Ein Berliner Spediteur will die deutsche Mondmission retten

Die wenig bekannte Zeitfracht-Gruppe will Deutschlands erste unbemannte Mondlandung verwirklichen: Die Logistiker haben einen Teil der Forscherfirma PTScientists übernommen.

Das in der Öffentlichkeit wenig bekannte Berliner Familienunternehmen Zeitfracht will Deutschlands erste unbemannte Mondlandung verwirklichen. Die Logistikgruppe hat dazu die Kernbestandteile der Forscherfirma PTScientists mit ihren 60 Beschäftigten übernommen, die im Juli Insolvenz anmelden musste. Nach WELT-Recherche wurde soeben das Nachfolgeunternehmen Planetary Transportation Systems im Handelsregister eingetragen.

Dessen Anteile werden laut Auszug komplett von Zeitfracht gehalten. Ein Zeitfracht-Sprecher bestätigte die Übernahme. „Wir wollen die Mission zum Erfolg führen“, sagte er.

Der große Berliner Mittelständler mit inzwischen über 3.000 Beschäftigten und gut 900 Millionen Euro Umsatz mischt sich damit in den Wettlauf zum Mond ein. Anfang des Jahres scheiterte Israel mit einer sanften Mondlandung, und kürzlich missglückte auch das Aufsetzen eines Landevehikels aus Indien. Damit ist das Rennen weiter offen, wem als vierte Nation nach Russland, den USA und China eine Mondlandung gelingt.

Zuletzt hatte PTScientists angekündigt, in zwei Jahren mit der Landefähre „Alina“ sanft auf dem Mond landen zu wollen. Dort sollten dann zwei kleine E-Rover mit Audi-Logo unmittelbar an der Landestelle von „Apollo 17“ den Erdtrabanten erkunden. Ob es bei dieser Planung bleibt, ist offen. Bei Audi heißt es, dass die weitere Entwicklung abgewartet wird, bevor Aussagen zum künftigen Engagement getroffen werden.

Mondmission kostet 100 Millionen Euro

Zu den Besonderheiten der Übernahme der deutschen Mondmission gehört, dass Zeitfracht bislang keinerlei Raumfahrterfahrung hat. Der Insolvenzverwalter von PTScientists wollte auch nicht den Namen des Käufers preisgeben. Das 1927 gegründete Berliner Unternehmen der Familie Simon-Schröter beweist aber gerade in den letzten Jahren viel Mut bei Übernahmen.

Raumfahrt-Startup PTScientists findet neuen Investor im Insolvenzverfahren

Eine Firma der Raumfahrtbranche rettet 60 Arbeitsplätze und die laufenden Forschungs- und Entwicklungsprojekte. PTScientist plant weiterhin, auf den Mond zu fliegen.

Inzwischen wird Zeitfracht in der dritten Generation geführt. Die Wurzeln der Firma liegen im Transport- und Logistikgeschäft. So gehört Zeitfracht auch zu den Gründern des Deutschen Paketdienstes (DPD), stieg dann schrittweise bis 2016 aus. Das spülte Millionen in die Kasse.

Das half, auch eine bedeutende Luftfahrtsparte aufzubauen. Von der Lufthansa wurde beispielsweise im Umfeld der Air-Berlin-Pleite die Luftfahrtgesellschaft Walter gekauft. Später kam der rumänische Billigflieger Blue Air hinzu. Inzwischen hat Zeitfracht über 50 Flugzeuge und ist damit zu einem der größten deutschen Luftfahrtunternehmen aufgestiegen. Erst im August übernahm Zeitfracht aus einer Insolvenz Deutschlands größten Buchlogistiker Koch, Neff und Volckmar (KNV) mit seinen 1600 Beschäftigten und erreichte damit eine neue Größenordnung.

Nunmehr der Kauf der deutschen privatwirtschaftlichen Mondmission, der zuletzt das Geld ausging. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass Zeitfracht bei diesem Projekt womöglich auf staatliche Unterstützung setzt. Branchenkenner taxieren die Kosten einer Mondmission auf über 100 Millionen Euro. Im November könnte der Ministerrat der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) bei einer Schlüsseltagung zu den künftigen Projekten eine Mondmission der Europäer beschließen. Das Berliner Unternehmen Zeitfracht hätte dann das passende Landevehikel und würde von Steuergeld profitieren.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.

Bild: Nicolas Thomas / Unsplash

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