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Dieser Gründer fliegt klimaneutral mit Wasserstoff und Brennstoffzelle

Fliegen gilt als Klimakiller, bis zu fünf Prozent der Treibhausgase werden Flugzeugen zugeschrieben. Ein Gründer aus den USA will das ändern und findet Investoren in Europa.

Val Miftakhov ist begeisterter Pilot. Und Klimaschützer. Für ihn ist das kein Widerspruch. Denn sein Ziel ist das klimaneutrale Fliegen. Und zwar zum halben Preis heutiger Mittelstreckenflüge. Miftakhov will mit seinem Startup, dass das funktioniert. Jetzt stellte er sein Konzept im Berliner Mobility-Hub The Drivery vor.

Zero Avia heißt das vor 18 Monaten gegründete Unternehmen des Kaliforniers. Zero steht dabei für Null Emissionen. Miftakhov hat den konventionellen Antriebsstrang einer einmotorigen Piper PA-46 durch Elektromotoren, Wasserstoff-Brennstoffzellen und einen Gastank ersetzt. Die für Forschungszwecke lizenzierte Maschine ist für sechs Passagiere konzipiert.

Zukunftstechnologie Wasserstoff – was taugt die Brennstoffzelle?

Kaum ein Trend der Mobilität wird so kontrovers diskutiert wie die Brennstoffzelle. Wir haben die wichtigsten Argumente und Gegenargumente zusammengestellt.

Erste Testflüge hat sie schon erfolgreich absolviert. Im März 2019 erreichte das Flugzeug 1.000 Fuß Flughöhe. Im April flog es mit seinem 260-Kilowatt-Motor eine Dauergeschwindigkeit von 152 Knoten (280 Stundenkilometer). Miftakhov dokumentierte das in einem Video:

Jetzt hat die britische Regierung 2,7 Millionen Pfund (drei Millionen Euro) für das sogenannte Hyflyer-Projekt zur Verfügung gestellt. Weitere Investoren stockten die Summe auf insgesamt fünf Millionen Pfund (5,7 Millionen Euro) auf. Das Projekt soll zeigen, dass die Antriebstechnologie mit Wasserstoff-Brennstoffzellen in der Luftfahrt praktikabel ist. Zero Avia hat dazu eine Niederlassung auf dem Flugplatz Cranfield in Schottland eröffnet.

Ziel des Projekts ist ein Flug über 250 bis 300 Seemeilen (463 bis 555 Kilometer) mit der Piper im kommenden Jahr. Ferner sind erste Testflüge mit einer 19-sitzigen Maschine geplant. Das Projekt soll der Flugzeugindustrie Erkenntnisse über emissionsfreie Flüge von bis zu 500 Meilen liefern. Dieses Ziel soll bis 2022 oder 2023 erreicht werden.

„Unsere Mission ist es, den Umstieg auf eine nachhaltige Luftfahrt zu beschleunigen“, sagt Zero-Avia-Gründer Val Miftakhov. Sein erstes Ziel sind emissionsfreie 500-Meilen-Flüge. Das zweite: Er will die Betriebskosten solcher Flüge halbieren. Sie machen nach Miftakhovs Angaben etwa die Hälfte aller gegenwärtigen Flüge aus.

Schneller Umstieg mit Batterien nicht möglich

Mit batterieelektrischen Maschinen sei das nicht möglich, rechnet der Gründer vor. Sie seien technologisch zwar simpler, erlaubten wegen ihres Gewichts aber nicht die gewünschte Reichweite. Er setzt stattdessen auf die Brennstoffzelle und einen Tank mit gasförmigem Wasserstoff.

Letzterer soll aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. „Wasserstoffantrieb kann bei kleinen Fluggesellschaften bis zu 40 Prozent der Betriebsausgaben sparen“, sagt der Gründer. Dabei denkt er vor allem an den US-Bundesstaat Kalifornien, wo eine strenge CO2-Bepreisung („Low-Carbon Fuel Standard“) gilt und gute Bedingungen für erneuerbare Energien herrschen. 

Zero Avia ist nicht das einzige Projekt, das Wasserstoff als Flugzeug-Treibstoff erprobt. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) flog 2016 erstmals mit dem Brennstoffzellen-Viersitzer HY 4. In Singapur experimentiert das Unternehmen HES Systems mit Wasserstoffantrieben in der Luftfahrt. Das chinesische Unternehmen MMC UAV zeigte bei der Konferenz Inter Geo 2019 in Stuttgart eine Drohne mit Brennstoffzellenantrieb, die Berichten zufolge 15 Stunden in der Luft bleiben kann.

Verpennt Europa die Brennstoffzelle?

Eine Brennstoffzelle bietet gegenüber einem Akku in einem E-Auto deutliche Vorteile. In Asien setzt man in letzter Zeit daher voll auf Wasserstoff.

Bild: Volkmar Otto / The Drivery

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